Life Size Memories von

Die letzten ihrer Art

Eine bewegende Reportage über den Elefanten-Dokumentarfilm "Life Size Memories"

  • Bild 1 von 45 © Bild: Frédérque Lengaigne/Compass Films

    BILDER von dem Dreh zum Elefanten-Dokumentarfilm "Life Size Memories"

  • Bild 2 von 45 © Bild: Frédérque Lengaigne/Compass Films

    BILDER von dem Dreh zum Elefanten-Dokumentarfilm "Life Size Memories"

"Life Size Memories", ab 25. Mai im Kino: Sechs Jahre Dreharbeiten für eine Doku über das Schicksal der asiatischen Elefanten. Die Naturfilmer Frédérique Lengaigne und Klaus Reisinger zeigen eine Welt, wie es sie in Asien sonst nicht mehr gibt.

Unser Jeep stammt aus dem Zweiten Weltkrieg und schaukelt im Schritttempo durch den dichten Dschungel. Dichte Teak-Wälder umgeben uns hier im Norden Burmas, fern der Touristenpfade. Wir wollen die Forstelefanten in den Wäldern Burmas filmen und fotografieren. 150 Porträts dieser einzigartigen Tiere gelingen uns für die Kino- Dokumentation "Life Size Memories – Elefanten hautnah", die am 25 Mai in Österreichs Kinos kommt.

Eine einzigartige Elefanten-Doku.
Als wir schon 1996 zum ersten Mal nach Burma, ins heutige Myanmar, kamen, glaubten die Behörden, dass unsere Elefantengeschichte nur ein guter Vorwand sei, um über die politische Situation im Land zu berichten. Doch uns ging es tatsächlich nur um die Dickhäuter, die hier wie nirgendwo sonst noch in Freiheit leben oder in ihrem natürlichen Umfeld als Arbeitstiere in der Forstwirtschaft dienen. Wochen zuvor hatten wir unseren Beruf als Bildberichterstatter in Krisengebieten an den Nagel gehängt. Zu viel Leid, zu viel Angst begleiteten uns. Wir hofften, bei den Elefanten der Tragik der Zivilisation zu entkommen. So übersiedelten wir nach Burma, um für „National Geographic“ Tierfilme zu machen. Und blieben dort.

Wer hätte gedacht, dass Elefanten so faszinierend sein können, wenn man ihnen so nahe ist, sich fast mit ihnen identifiziert. Seit 18 Monaten sitzen wir jetzt schon im Schnittraum, um 200 Stunden Filmmaterial in eine zweistündige Kino-Dokumentation über Elefantenschicksale zu verwandeln. Individuen in Ketten, bei Festen, bei der Arbeit, bei der Geburt und beim Tod, in ihrer Intimität und in Freiheit. Die Schicksale, die vor uns in der Dunkelheit auf der Leinwand ablaufen, ähneln jenen der Menschen.

Was Elefanten mit uns gemein haben
Doch zurück in die Wälder Burmas und zu unserem Film. Wir trugen eine Sammlung lebensgroßer Porträts und Biografien zusammen – eine Momentaufnahme von 150 Elefanten, einer Herde von Individuen, die nicht für sich selbst sprechen können. Die Lebenserwartung der Tiere von bis zu 70 Jahren ähnelt unserer. Kindheit, Pubertät, Erwachsensein, altern – der Lebenszyklus von Mensch und Elefant verläuft parallel. Und wie bei uns, erzählen die Gesichter der Elefanten Geschichten, sie verraten ihre Stimmungen und ihr Naturell. Mit der Zeit haben wir gelernt, die Gesichtszüge und Charaktere zu deuten. Wir begannen die Dickhäuter als Individuen wahrzunehmen. Und schließlich als Personen.

extreme menschliche Brutalität

Bei den Dreharbeiten, die 2006 begannen, sahen wir Elefanten wieder, die wir zehn Jahre zuvor kennengelernt hatten. Die meisten arbeiteten noch immer in den Wäldern, und wir konnten erfahren, was seither mit ihnen geschehen war. Wir filmten ein sieben Jahre altes Jungtier, dessen Geburt wir miterlebt hatten, und trafen seinen kleinen Bruder, der in der Zwischenzeit geboren wurde. Wir wurden Zeuge davon, wie man wilde Elefanten im Wald einfängt. Wir dokumentierten das unerträglich brutale Training, dem die Elefantenkälber ausgesetzt sind. In beiden Fällen sahen wir extreme menschliche Brutalität, aber auch, dass die uralten, ausgeklügelten Techniken der Intelligenz ihrer Opfer Tribut zollen. Burmesische Elefantenpfleger sagen, das Ziel des Trainings sei es, den Willen des Tieres zu brechen. Der Satz selbst klingt, als ob sie anerkennen würden, dass Elefanten Seelen haben.

Burma: Teilzeit-Freiheit
In Burma gibt es einen Kompromiss: Elefanten arbeiten tagsüber wie Sklaven in der Forstwirtschaft, am Nachmittag allerdings werden sie freigelassen, um alleine im Wald ihr Futter zu suchen. Zwölf Stunden schuften sie, zwölf Stunden genießen sie eine Freiheit, die ihre Leidensgenossen in Thailand oder Indien längst nicht mehr haben. Thailand, Indien, Sri Lanka. Aus diesem Grund besuchten wir auch diese Länder. Wir wollten herausfinden, wie verschiedene wirtschaftliche und kulturelle Entwicklungen die Zukunft der burmesischen Elefanten beeinflussen könnten.

"Zwangsarbeit" in Thailand
Thailand hat sein nationales Wahrzeichen in Ställe gepfercht. Die meisten Elefanten werden in Gefangenschaft geboren, an den Urwald erinnern sie sich schon lange nicht mehr. Die Menschen glauben, dass die wilde Population bald aussterben wird und Gefangenschaft die einzige Möglichkeit für das Überleben der Spezies ist. Thailand züchtet die Tiere, um mit ihnen Profit zu machen. Sie schuften zwar nicht im Wald, tragen aber Touristen spazieren und stehen den Rest der Zeit vermeintlich komfortabel im Stall. Der natürliche Lebensraum ist ihnen genommen.

Thailand züchtet Tiere zum Profit

Schauplatzwechsel ins indische Kerala
Wir besuchen die Stadt im Süden des Subkontinents rechtzeitig zum größten Elefanten-Festival. Beim Thrissur Pooram stehen Bullen wie Statuen stundenlang, umringt von Hunderttausenden schreienden Menschen. Die psychische Gewalt gegen die Tiere ist enorm. In Kerala gelten männliche Elefanten als Statussymbole, die gesammelt werden wie Autos: Je größer, je potenziell gefährlicher die Dickhäuter sind, umso mehr Macht und Respekt erlangen ihre Besitzer. Sri Lanka schließlich geht einen anderen Weg mit den Elefanten: Hier setzt man auf die Beseitigung der Sklaverei, auf das Ende der Domestizierung und ein Leben in Nationalparks. Nur noch wenige Tiere leben in Gefangenschaft, bald wird man sie an den Fingern einer Hand abzählen können. Elefanten in Ketten werden nicht länger akzeptiert. Doch es gibt eine Kehrseite: Sri Lanka ist eine kleine Insel, und Konflikte zwischen Bauern und herumstreunenden Tieren stehen auf der Tagesordnung.

Welchen Weg wählt nun Burma?
Das Land hat noch Lebensraum für die Waldelefanten. Und es bleibt zu hoffen, dass dieser trotz der wirtschaftlichen Entwicklung erhalten bleibt. Vielleicht kann unser Film bei der Erfüllung dieses Wunsches ein klein wenig mithelfen.

Myanmar selbst erkunden
Asiens Geheimtipp. Aufgrund der politischen Lage waren Reisen nach Myanmar bisher mit einigem Aufwand verbunden und auf zwei Wochen beschränkt. Das hat sich durch die sanfte Öffnung der letzten Monate verbessert. Die Einreise ist weiterhin nur per Flugzeug – etwa mit Lufthansa (über Bangkok) oder Qatar Airways (über Doha) – möglich. Die drei Fluglinien Air Mandalay, Air Bagan und Asian Wings fliegen im Land zu touristisch interessanten Zielen.
Visum & Dokumente. Für die Einreise sind ein noch sechs Monate gültiger Reisepass und ein Visum erforderlich. Den Visa-Antrag für 28 Tage und die Arrival Report Form gibt’s zum Download auf der Homepage der myanmarischen Botschaft in Berlin ( botschaft-myanmar.de ). Der Pass muss dann nach Berlin geschickt werden. Impfungen sind keine vorgeschrieben, außer bei der Einreise über ein Infektionsgebiet bei Gelbfieber. Aufgrund der Malariagefahr werden Moskitospray, -netz und Prophylaxe empfohlen.
NEWSreisen-Tipp. 15-tägiger Trip ins Reich der goldenen Pagoden. Ab 2.990 Euro p.P./DZ. Infos und Buchung unter: newsreisen.at/myanmar