Kenia von

Life Ball: HIV-Organisation kämpft
um Aufklärung und Hygiene

Sauberes Wasser wichtig für Infizierte - "SWAP Kenya" erhält "Crystal of Hope"

Gery Keszler in Kenia © Bild: APA/ROLAND SCHLAGER

2005 war für zwei Organisationen, die sich im Kampf gegen HIV/Aids einsetzen, ein entscheidendes Jahr. Alie Eleveld gründete in Kenia eine Gruppe, die infizierten Menschen mehr Lebensqualität geben sollte, im selben Jahr vergab zum ersten Mal das Life Ball-Team den "Crystal of Hope" als finanzielle Unterstützung für Groundworker. Eleveld wird in diesem Jahr diese Auszeichnung zuteil.

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Vor neun Jahren wurde zum ersten Mal am Life Ball der von Swarovski gestiftete "Crystal of Hope" vergeben. Groundworker, die sich für HIV-Infizierte und Aidskranke einsetzen, bekommen mit der Auszeichnung eine mittelfristige Finanzierung in der Höhe von 100.000 Euro. In diesem Jahr soll Eleveld und ihrem Team von "SWAP Kenya" (Safe Water and Aids Project) die Ehre zuteilwerden. Die gebürtige Niederländerin setzt sich seit 30 Jahren in Afrika für die Ärmsten ein. Seit 15 Jahren hat die gelernte Krankenschwester ihr Zelt in Kisumu in Kenia aufgeschlagen. 2005 gründete sie SWAP, das die hygienischen Bedingungen von infizierten Menschen verbessern soll.

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© APA/ROLAND SCHLAGER "SWAP Kenya"-Direktorin Alie Eleveld

Kisumu, die drittgrößte Stadt Kenias am Ufer des Victoriasees, hat mit 14 Prozent die höchste HIV-Rate des Landes und damit doppelt so viel wie im restlichen Land (6,3 Prozent). Andere Quellen sprechen sogar von einer Rate von rund 30 Prozent. Der Aufnahme von verschmutztem Wasser kommt in diesem Fall große Bedeutung zu. "Deren größtes Problem ist das Trinkwasser", sagte Life-Ball-Organisator Gery Keszler, der die Organisation in Kenia besuchte. Das Immunsystem HIV-infizierter Menschen wird zusätzlich geschwächt. Krankheiten, die zum Tod führen können, gelangen schneller zum Ausbruch, so Keszler. Und der Nyando River, der sich seinen Weg durch Kisumu bahnt, hat die schlechteste Wasserqualität des Landes.

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© APA/Roland Schlager Aus dem stark verschmutzten Fluss beziehen die Bewohner der angrenzenden Slums ihr Wasser.

"SWAP Kenya" hat es sich daher zur Aufgabe gemacht, die hygienischen Bedingungen und die Lebensqualität von Infizierten zu verbessern. Die Grundbedürfnisse nach Versorgung mit sauberem Trinkwasser, Gesundheitsprodukten und Aufklärung zum Thema Aids werden miteinander verbunden.

Netzwerk aus 200 Promotoren aufgebaut

Die Schwächsten der Gesellschaft werden unterstützt, um Kleinstunternehmen aufzubauen. Innerhalb von neun Jahren hat "SWAP Kenya" ein Netzwerk aus 200 Promotoren aufgebaut, die selbst von HIV betroffen sind. Sie erhalten Schulungen in den Bereichen Social Marketing, geschäftliches Know-how, Techniken zur Verhaltensänderung, sauberes Trinkwasser sowie medizinische Grundversorgung.

Mit dem Wissen für ein hygienisches Leben können sie die von SWAP angebotenen Produkte wie Wasseraufbereitungen, Handseifen, Waschmittel, Gesundheitsprodukte, Moskitonetze, verbesserte Kocher, angereichertes Mehl, Immuntabletten, Windeln, Damenbinden oder Kondome an ihre Community weiterverkaufen. Sie agieren in ihrer Gemeinde als Mikrounternehmer. Die meisten Verkäufe finden von Tür zu Tür statt. "Ein Mensch kann so bis zu 100 Haushalte erreichen", erzählte Eleveld, die zu anfangs lediglich Unterstützung vom Rotary Club Atlanta bekam. Die Produkte werden auch in Kiosken in den Gemeinden sowie bei lokalen Geschäftszentren, sogenannten Jamii-Centers, angeboten.

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© APA/ROLAND SCHLAGER Die Hilfsorganisation SWAP betreibt eine Filteranlage, um den Anwohnern gereinigtes Wasser zur Verfügung stellen zu können.

Das Modell hat auch zur Reduzierung der Stigmatisierung und Diskriminierung von HIV und Aids beigetragen, die Promotoren werden mittlerweile von der Gesellschaft anerkannt. SWAP kann nun mit der Unterstützung des Life Balls seine Tätigkeit weiter ausbauen. Erstes Ziel ist es, die Zahl der Promotoren von 200 auf 450 zu erhöhen, um noch mehr Haushalte (insgesamt 45.000) zu erreichen. Investitionen wie Fahrräder und ein Auto für die Promotoren soll die Fahrt zu den Menschen erleichtern. Darüber hinaus soll mit der Unterstützung die Produktpalette von SWAP vergrößert werden.

Hilfe für die Ärmsten der Armen

Die unermüdliche Arbeit von SWAP kommt vor allem den Menschen in den Slums von Kisumu zugute: Straßenkinder, die auf der Müllhalde verzweifelt nach Essensresten suchen, um danach in all dem Dreck einen Platz zum Schlafen suchen. Kleine Häuser, die notdürftig aus Wellblechen zusammenhämmert sind, bieten kaum Schutz vor den Wassermassen in der Regenzeit. Lehmhütten, die keine Fenster haben, besitzen oft nur einen einzigen Raum, in dem fast ein Dutzend Menschen leben - oft mit dem HI-Virus infiziert oder bereits an Aids erkrankt. "Die Menschen sterben hier und niemanden kümmert das", sagte ein Bewohner der APA.

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© APA/ROLAND SCHLAGER Kinder posieren für die Kamera im Manyatta Slum in Kisumu.

Wie etwa der 24-jährige Kevin, der vor zwei Jahren nicht nur die Diagnose Tuberkulose bekam, sondern auch erfahren musste, dass er HIV positiv ist. Seine Mutter ist die einzige, die durch den Verkauf von "Makwangla", selbstgemachter Holzkohle, die gesamte elfköpfige Familie ernährt. Die Familie ist eine von jenen, die mit weniger als einem Dollar (70 Euro-Cent) auskommen müssen. Rund eine halbe Million Menschen leben in dem Slum, einem von vielen in Kisumu.

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