Life Ball 2012 von

Ein Leben für die Kinder

Jedes Jahr eine halbe Million für konkrete Projekte

Life Ball 2012 - Ein Leben für die Kinder © Bild: APA/Wiltschnig

Gery Keszler besuchte in Kambodscha und Thailand jene Einrichtungen, für die der Life Ball Spenden sammelt. NEWS begleitete ihn und sein Team nach Asien. Als Dao erfuhr, dass er HIV-positiv ist, war er elf. Immer wieder erkrankte der Bub, weshalb ihn seine Mutter in eine Klinik nach Bangkok brachte. Dort die ernüchternde Diagnose: Klein Dao trägt das Aids-Virus in sich. Angesteckt von der eigenen Mutter bei der Geburt. Die Frau ahnte nicht, dass sie HIV-infiziert war. Während ihrer Ehe hatte sie nur mit ihrem Ehemann sexuellen Kontakt. Heute ist Dao 17 und beendet die Highschool. "Ich möchte Ingenieur werden", erzählt der Teenager. HIV sei für ihn wie eine "chronische Krankheit", die ihm "kaum Probleme" bereitet.

Die medizinische Betreuung gewährleistet TREAT Asia Pediatric HIV/ AIDS Initiative, ein Programm der "American Foundation for AIDS Research" (amfAR). Jedes Jahr eine halbe Million. AmfAR-Direktorin Annette H. Sohn zu NEWS: "Sogar in Thailand bedeutet Aids Stigmatisierung, weshalb wir versuchen, jene Lücken zu schließen, die staatliche Institutionen hinterlassen." Viele Thailänder würden eine Betreuung in öffentlichen Spitälern ablehnen, da sie um ihre Anonymität fürchten. "15 Prozent der weltweiten HIV- und Aids-Fälle entfallen auf Asien", gibt die Medizinerin zu bedenken. Für ihre Arbeit sei es daher wichtig, dass der Life Ball die TREAT Asia Pediatric HIV/ AIDS Initiative unterstützt.

Eine halbe Million vom Life Ball
Mit einer halben Million Euro jährlich ist der Wiener Charity-Event der größte Geldgeber dieses Projekts. Und zwar bereits seit 2006, dem Jahr, in dem Daos Behandlung begann. Ebenfalls seit 2006 erbringen John und Kathy Tucker den Beweis, dass HIV-positive Kinder eine normale Jugend durchleben können. Das Ehepaar gründete die Organisation New Hope for Cambodian Children (NHCC), die sich in Kambodscha um HIV-positive Waisenkinder kümmert. "Die staatlichen Heime haben niemanden aufgekommen, der infiziert war, also haben wir das getan", erinnert sich Kathy. Mittlerweile betreiben die Tuckers unweit der Hauptstadt Phnom Penh ein Waisenheim für 240 Kinder und Jugendliche.

Kathy Tucker, nicht ohne Stolz: "Heuer verlassen uns die ersten, um an der Universität zu studieren." Nachsatz: "Bisher hat in Kambodscha kein HIV-positives Kind das Alter von 17 Jahren überlebt." "Projekte wie das der Tuckers sind den Menschen in Europa einfach nahezubringen," sagt Gery Keszler, der das Heim heuer erneut besuchte.

Das Problem an der Wurzel
"Wir müssen", so der Life-Ball- Chef, "das Problem jedoch an der Wurzel packen." Seine Mitarbeiter würden zurzeit vor allem Projekte analysieren, die die Ausbreitung des HI-Virus unterbinden, bevor ein Embryo damit in Berührung kommen kann. Eine dieser Initiativen fokussiert in Thailand auf die Betreuung von "men who have sex with men" (MSM) und wurde ebenfalls von der amfAR-Organisation TREAT Asia initiiert. Direktorin Annette H. Sohn mit Verweis auf Daos Schicksal: "HIV-positive Kinder werden meist von den Müttern angesteckt, die wiederum von ihren Partnern infiziert wurden. Die Erstübertragung fand oft bei einem gleichgeschlechtlichen Sexualkontakt statt."

Annette H. Sohn zufolge sei dies nicht ungewöhnlich, da sexuelle Kontakte zwischen Männern in Asien aus "unterschiedlichen Gründen" stattfänden und nicht mit der westlichen Vorstellung von Homosexualität gleichgesetzt werden können. Das neue Programm hat zum Ziel, diesen Kreislauf zu unterbinden. "Ein Drittel der thailändischen 'MSM' ist HIV-positiv", konkretisiert Annette H. Sohn, die Gery Keszler vor Ort von der Wichtigkeit dieser Initiative überzeugte. "Niemand weiß, dass jeder dritte thailändische Mann, der auch gleichgeschlechtliche Sexualkontakte pflegt, HIV-positiv ist", warnt Keszler.

Pro Jahr kommt es in Thailand zu 15.000 Neuinfizierungen. Dass sich darunter ein österreichischer "Tourist" befindet, ist nicht unwahrscheinlich. Dass der zuhause seine eigene Ehefrau ansteckt, so wie es Daos Mutter passiert ist, ebenfalls nicht.