Lieferengpässe bei Elektronik aus Japan:
Werden nun auch noch Handys & Co. teurer?

Ab Ende April werden Einschränkungen erwartet Preise für Elektronik um bis zu 60 Prozent gestiegen

Lieferengpässe bei Elektronik aus Japan:
Werden nun auch noch Handys & Co. teurer? © Bild:

Fünf Wochen nach der Erdbeben- und Tsunamikatastrophe in Japan bekommen Verbraucher in Europa die Folgen von Produktionsausfällen zu spüren. Betroffen sind vor allem Produkte wie Kameras, Handys, Laptops oder LCD-Fernsehern, die auf Komponenten aus Japan angewiesen sind oder in dem Land gefertigt werden. Wie sich diese Lieferengpässe auf die bereits jetzt gestiegenen Preise von Elektronikartikeln auswirken werden, ist derzeit noch schwer abschätzbar.

Bei Kameras, Handys, Laptops und LCD-Fernsehern soll es laut einem Bericht der "Financial Times Deutschland" (FTD) ab Ende April merkliche Einschränkungen im Sortiment geben. Dies sei das Ergebnis einer Umfrage bei Herstellern und Händlern.

"Einige unserer Industriepartner haben angekündigt, dass es zeitversetzt zu Lieferverzögerungen kommen könnte, da sie einzelne Komponenten für die Produkte aus Japan beziehen", sagte eine Sprecherin von Europas größter Elektronikmarktkette Media-Saturn der Zeitung. "Elektronikkomponenten wie die, deren Produktion durch die Katastrophe in Japan behindert ist, werden für eine Vielzahl von Produktkategorien verwendet."

Canon und Sony betroffen
So gibt es Problem beim Kamera- und Elektronikhersteller Canon. "Canon muss wegen der zeitweiligen Stromabschaltung und der erschwerten Beschaffung von Rohstoffen und Hilfsgütern weiterhin Produktionsanpassungen vornehmen", zitiert die Zeitung eine Firmensprecherin. Dies führe unter anderem zu Engpässen im Geschäft mit Großformatdruckern.

Auch der Elektronikkonzern Sony musste wegen des Bebens mehrere Fabriken stilllegen. Wegen der Probleme mit der Energieversorgung plant das Unternehmen im Sommer Produktionsunterbrechungen. Bisher könne man auf "umfangreiche Lagerbestände" zugreifen, sagte eine Sony-Sprecherin der Zeitung. "Potenzielle Lieferengpässe" gebe es wegen der Versorgung mit Rohstoffen und Komponenten. Die langfristigen Auswirkungen seien momentan nicht absehbar.

Steigende Preise
Unklar ist derzeit noch, wie stark sich die Lieferengpässe auf die Preise für Elektronikartikel auswirken werden. Wie eine Analyse der zehn gängigsten auf Geizhals.at gelisteten Produktgruppen aus IT, Unterhaltungs- und Haushaltselektronik gezeigt hat, sind diese seit Ende 2010 um 13,8 Prozent auf 3.869 Euro im März gestiegen. Das entspricht der höchsten prozentualen Steigerung seit Beginn der Messung 2007.

Acht der zehn gelisteten Produktgruppen weisen höhere Durchschnittspreise als im Quartal davor auf. Den höchsten Preiszuwachs verzeichnen die Camcorder mit plus 60,1%, gefolgt von den Notebooks mit plus 41,4% und den Digicams mit plus 19,8%.

Teure neue Modelle
Den Preisanstieg in fast allen Produktgruppen führen die Geizhals-Experten im Wesentlichen auf zahlreiche neue Modelle zurück. So schlagen bei den Camcordern bereits die höherpreisigen Modelle mit 3D-Technologie zu Buche.

Bei den Notebooks ist das Preisplus zum einen auf Intels neue Prozessoren-Technologie "Sandy-Bridge" zurückzuführen, die bereits in eine Reihe von Modellreihen Einzug gehalten hat und damit auch kostenwirksam ist. Ebenfalls Auswirkung auf den Preis hat die schnellere Technologie USB 3.0, die verstärkt bei den Notebooks eingesetzt wird. Auch bei den Digicams wurden im ersten Quartal besonders hochwertige und damit teurere Modelle auf den Markt gebracht, die die günstigeren Vorgängermodelle verdrängt haben.

Günstigere Grafikkarten und Fernseher
Nur zwei der zehn Produktgruppen weisen diesmal einen Preisrückgang auf. Geringfügig günstiger geworden sind die Fernseher mit minus 2,9 %. Hier haben sich die Preise trotz fortschreitender 3D-tauglichkeit und LED-Ausstattung der Geräte relativ stabil gehalten. Am stärksten gesunken sind die Preise der Grafikkarten. Diese kosten im Durchschnitt um 22,1 % weniger als im Quartal davor, wo sie allerdings einen Anstieg von 44,1% verzeichnet hatten.

(red)