"Liebesg'schichten und Heiratssachen" von

Elizabeth T. Spira ist tot

Die TV-Journalistin Elizabeth T. Spira ist in der Nacht auf Samstag in Wien mit 76 Jahren nach langer Krankheit gestorben.

Tausende Menschen in ganz Österreich hat sie für ihre "Alltags-" und ihre "Liebesg'schichten" porträtiert, einigen davon das große Liebesglück vermittelt, und ihrem Millionenpublikum ebenso einfühlsame wie subtil-humorvolle Einblicke in das Leben am Rand verschafft: Die TV-Journalistin Elizabeth T. Spira ist in der Nacht auf Samstag in Wien mit 76 Jahren nach langer Krankheit gestorben.

"Liebesg'schichten und Heiratssachen"

Bundespräsident Alexander van der Bellen würdigte die Dokumentarfilmerin via Twitter als "große Chronistin". Bis zuletzt war Spira, die sich zu einer 23. Staffel ihrer seit 1997 laufenden "Liebesg'schichten und Heiratssachen" im Vorjahr doch noch hatte überreden lassen, "unterwegs, um neue Geschichten erzählen zu können", so ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz in einer Aussendung. Mit ihren einzigartigen TV-Formaten habe sie "ein Stück österreichische Alltagskultur" geschaffen. Der ORF ändert in memoriam sein Programm.

Elizabeth Toni Spira - Ihr Leben

Elizabeth Toni Spira wurde am 24. Dezember 1942 in Glasgow geboren. Ihr Vater Leopold Spira, als Jude und Kommunist gleich doppelt gefährdet, war mit seiner Familie vor den Nazis geflohen und wurde nach seiner Teilnahme am spanischen Bürgerkrieg in Frankreich und England zeitweilig als "feindlicher Ausländer" interniert. Ihren ersten Vornamen (samt "z") verdankt Elizabeth Toni Spira der englischen Königin, ihren zweiten dem Decknamen ihres Vaters in der Illegalität. 1946 kehrte die Familie nach Österreich zurück.

© apa/HERBERT NEUBAUER Elizabeth T. Spira

An die erste Zeit der eigenen Kindheit hat die Oral-History-Spezialistin nur wenig klare Erinnerungen. "Ich bin einmal in London im Lift stecken geblieben. Und ich bilde mir ein, dass ich mich an die Überfahrt nach Kontinentaleuropa erinnere", sagte sie einmal im APA-Interview. Nach der Schulzeit studierte Spira in Wien Publizistik und arbeitete zunächst als Journalistin im Nachrichtenmagazin "profil": "Nachdem 'profil' an den 'Kurier' verkauft wurde, hat eine Gruppe von Journalisten gesagt: 'Für die Zuckerrübenindustrie arbeiten wir nicht!' und hat gekündigt", sagte Spira gegenüber der APA. Nachdem Claus Gatterer im ORF gerade das Magazin "teleobjektiv" gegründet hatte, wechselte Spira zum Fernsehen. "Es war kein Traum von mir, Bilder zu machen", erinnert sie sich an ihre Anfänge im ORF: "Ich habe gemeinsam mit Robert Dornhelm die ersten Geschichten gemacht. Aber er war so chaotisch wie ich. Am Abend haben wir lieber gepokert als Konzepte geschrieben."

Nach zehn Jahren beim "teleobjektiv" kam der "Inlandsreport" und dort ein rasches Scheitern mit einer Geschichte über die burgenländische SPÖ. Gemeinsam mit dem Historiker Michael Mitterauer entwickelte Spira dann das "Alltagsgeschichten"-Konzept. Die Serie startete 1985, 1997 kam die TV-Partnervermittlung "Liebesg'schichten und Heiratssachen" dazu. Spira und ihr Kameramann Peter Kasperak wurden zu Quotengaranten und Fließbandarbeitern. Dabei braucht es viel Fingerspitzengefühl im Umgang mit den Menschen, die vor der Kamera ihr Herz ausschütten - oft erstmals seit Jahren. "Mit mir geht es, weil ich eine Fremde bin und trotzdem eine Bekannte. Irgendwie hat man mich geholt, aber gleichzeitig zittert man vor mir - aber ich weiß, wie man die Leute streicheln muss."

»Ich blicke nie zurück«

In den seit 1997 gesendeten 22 Staffeln der "Liebesg'schichten und Heiratssachen" ließen sich mehr als 1.000 Menschen in der Sendung auf ihrer Partnersuche porträtieren. Viele davon fanden das Liebesglück, einige Paare gaben einander sogar das Ja-Wort, darunter auch gleichgeschlechtliche Paare, die ihre Partnerschaft offiziell eintragen ließen. Auch eine Reihe von "Liebesg'schichten und Heiratssachen"-Babys erblickte das Licht der Welt. Sprach man Spira auf das Erreichte an, wollte sie aber ungern über das Vergangene sprechen. "Ich blicke nie zurück", sagte sie im Vorjahr zur APA. "Ich bin die Tochter eines Kommunisten und blicke daher immer nur nach vorne."

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