Liebe Leserin, Lieber Leser! Warum Bundeskanzler gern ein bisserl fad sein dürfen

Atha Athanasiadis, NEWS-Chefredakteur Ihre Meinung: Was denken Sie über Berlusconi?

Liebe Leserin, Lieber Leser! Warum Bundeskanzler gern ein bisserl fad sein dürfen © Bild: news.at/NEWS/Herrgott

Polit-Soap. Berlusconi macht sich selbst zur Schlagzeile seiner Medien. Das ist konsequent & lustig. Aber fahrlässig.

Ist Silvio Berlusconi lächerlich oder konsequent? Beides. Aber vor allem Letzteres. Silvio Berlusconi hat ein Ex-Pin-up zur Frauenministerin gemacht. Zwei TV-Sternchen zu EU-Kandidatinnen. Und er geht so nebenbei auf die Party einer 18-Jährigen. Tja, und seine Frau lässt sich deshalb scheiden. Peinlich? Nein. Berlusconi findet das alles super. Kurz sollten wir jetzt daran denken, dass Berlusconi nicht ein alternder Formel-1-Gigolo ist. Er ist der Ministerpräsident Italiens. Aber ihm ist auch das völlig wurscht. Weil er gaga ist? Nein, weil er weiß, dass er mit seinen lächerlichen erotischen Ausritten das gewinnen kann, was er am meisten braucht und was der Politik immer mehr abhandenkommt – echte Mega-Quoten.

Man könnte jetzt bieder anmerken, dass man auch durch kluge und wichtige Themen Aufmerksamkeit auf sich ziehen könnte oder sollte. Dass es in Zeiten der Krise eher verantwortungsvolles Leadership geben sollte. Wenn Sie aber jetzt die Augen zumachen, hören Sie ganz laut jemanden lachen. Das ist Silvio – der Ministerpräsident. Er lacht, weil seine Welt anders funktioniert. Sie dreht sich nämlich nach den Regeln eines „Big Brother“-Containers. Rausgewählt werden dort nur die Faden und Braven. Die Schrillen, Doofen und Lauten kommen weiter. Silvio, der Ministerpräsident von über 60 Millionen Italienern, weiß das, und er weiß, auf welche emotionalen Knöpfe er bei seinem Publikum drücken muss, damit es für ihn votet.

Es ist ein Publikum, das das K-Wort nicht mehr hören will und kann. Das den Glauben an die Politik verloren hat. Das Unterhaltung will, um das triste und fade Leben zu ertragen. Silvio macht das. 24 Stunden: im Parlament, privat und auf seinen vielen Fernsehkanälen. Silvio Berlusconi hat in Wirklichkeit nur die moderne Medienwelt konsequent zu Ende gedacht. Er liefert sich selbst seinen Medien als Schlagzeile. Das ist schlau. Das ist stringent. Das ist lustig. Aber das ist auch ziemlich grauslich und fahrlässig.

Hätten Sie gerne einen Silvio als Bundeskanzler am Ballhausplatz? Ich nicht. Da schon lieber einen Werner Faymann, der vielleicht manchmal ein bisserl fad wirkt.

Kommentare

berlusconi reitet einen tiger von dem er nicht mehr absteigen kann bevor silvio in die politik gegangen war stand er mit 1 1/2 beinen im kriminal, seine firmen waren knapp vor der pleite. so soll er selbst gesagt haben: ´wenn ich nicht in die politik gehe nehmen sie mir meine firmen weg und sperren mich ins gefängnis....´

die änderung zahlreicher gesetze vor allem im bereich von wirtschaftsdelikten (bilanzfälschung), verjährungsfristen, immunitätsfragen und kartellrecht verhinderte nicht dass er wegen meineid und bilanzfälschung verurteilt wurde, wofür er freilich eine amnestie erwirken konnte
wegen richterbestechung, bilanzfälschung und schmiergeldzahlungen wurde er nur deswegen nicht verurteilt weil die delikte aufgrund der von ihm selbst verkürzten verjahrungsfristen nicht mehr rechtwirksam zu verhandeln waren

. weitere verfahren konnte er aus ´mangel an beweisen´ abwürgen oder weil sie nach neuen gesetzen schlicht keinen tatbestand mehr darstellen. zudem wird berlusconi der preisabsprachen und geldwäsche verdächtigt + verbindungen zur mafia bishin zum auftragsmord zu haben

hört berlusconi mit der politik auf und kommt es in italien zu einer internationalen standards bei sämtlichen hier angeführten delikten muss er damit rechnen über kurz oder lang alles zu verlieren, auch seine freiheit - er reitet also weiter ohne wirklich zu wollen (´mich kotzt das hier allles an was ich da mache´), was liegt näher als sich mit schönen frauen und anderen annehmlichkeiten dieses leben erträglich zu gestalten? der arme alte narr..

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