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Die größten
Fehler in der Liebe

Beziehung - Die größten
Fehler in der Liebe © Bild: iStockphoto.com

"Die Liebe ist geduldig und freundlich. Sie kennt keinen Neid, keine Selbstsucht, sie prahlt nicht und ist nicht überheblich", steht schon im Neuen Testament geschrieben. Und dennoch tappen wir immer wieder in die eine oder andere Falle. Die Psychotherapeutin Rotraud Perner verrät, wie wir gängige Fehler geschickt umgehen können.

Fehler Nr. 1: Auf die Liebe warten

Liebe ist nichts, worauf man warten muss. Die Liebe kann man sich jeden Tag von Neuem in sein Leben holen. Und zwar durch kleine, einfache Übungen. Denken Sie zum Beispiel an Ihren letzten Urlaub. Sofort wird sich ein wohliges Gefühl in Ihrem Inneren breit machen. Perner beschreibt Liebe in diesem Zusammenhang als eine Erfahrungsqualität, die auf ein menschliches Gegenüber gerichtet sein kann, aber nicht muss. So kann auch der Anblick eines stimmungsvollen Sonnenaufgangs oder ein Spaziergang durch einen vom Herbst in allen Rottönen gefärbten Wald dieses Gefühl hervorrufen. "Die meisten Leute warten, dass von außen etwas passiert. Liebe ist aber ein Zustand, den wir selbst steuern können." Und sollten. Und wie verhält es sich nun mit der zwischenmenschlichen Liebe? "Ich kann selbst entscheiden, ob ich jemanden lieben will. Bei manchen Leuten ist ein Leben zu kurz, um daran zu arbeiten, eine Person liebenswert zu finden. Bei anderen wiederum geht das dafür blitzartig", so Perner.

»Liebe ist ein Zustand, den wir selbst steuern können«

Fehler Nr. 2: Den eigenen Bedürfnissen Vorrang geben

Jeder Mensch hat Bedürfnisse. Das ist höchst natürlich und völlig legitim. So erwarten wir uns zum Beispiel von unserem Partner, dass er zu 100 Prozent hinter uns steht und uns den Rücken stärkt. "Solange sie nicht ausufern, sind diese Impulse durchaus gesund. Sie weisen darauf hin, von welchen Bedürfnissen wir geleitet werden", weiß Perner. Das ist die eine Sache. Die andere ist die, wie wir mit unseren Bedürfnissen umgehen. Perner warnt davor, sie auf Biegen und Brechen durchzusetzen. Viel mehr ginge es darum zu überlegen, ob das Gegenüber auch tatsächlich Verständnis für die eigenen Wünsche hat. Oder aber ob es sich, wenn ich das einfordere, wonach es mir verlangt, manipuliert oder gar missbraucht fühlt. Wer wirklich liebt, so Perner, stellt in diesem Fall sein eigenes Bedürfnis hintan. Natürlich könne man die Umsetzung der eigenen Wünsche auch einfordern. "Das ist aber nicht Liebe, sondern Berechnung."

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Fehler Nr. 3: Konflikte im Eltern-Ich lösen

Die Transaktionsanalyse lehrt von den drei Ich-Zuständen: dem Kindheits-, dem Erwachsenen- und dem Eltern-Ich. Während Ersteres die Tendenz beschreibt, sich auf kindliche Art und Weise zu verhalten, ist das Erwachsenen-Ich von einer realistisch sachlichen Herangehensweise geprägt. Das Eltern-Ich wiederum beschreibt das Verhalten, Denken und Fühlen, das man von den eigenen Eltern und anderen Respektspersonen übernommen hat. Hat man nun mit seinem Partner einen Konflikt auszutragen, sollte man sich stets auf der Ebene des Erwachsenen-Ichs bewegen. Ist es möglich, die eigenen Wünsche, Interessen und Bedürfnisse umzusetzen, ohne den anderen damit zu beschneiden? Wenn ja, gut. Wenn nein, gilt es dies zu akzeptieren. Wenig wird es dagegen bringen, wie ein kleines Kind von einem Bein auf das andere zu hüpfen. Möglicherweise kann ein spielerischer Zugang, sofern vom Anderen angenommen, die Situation positiv auflockern. Auf keinen Fall aber sollte man mit Strafandrohung - wie es vielleicht einst die eigenen Eltern gemacht haben - versuchen, den anderen dazu zu bringen, das zu tun, was man will.

»Man muss dem Anderen nicht alles sagen«

Fehler Nr. 4: Offenheit um jeden Preis

"Man muss dem Anderen nicht alles sagen", erklärt Perner. "Intimbereich ist Intimbereich. Da gehören auch partnerschaftliche Außenbeziehungen hinein." Eine Aussage, die wohl nicht jeder unterschreiben würde, ist unsere Gesellschaft doch - zumindest nach außen hin - auf Monogamie gepolt. Nun ist dies keineswegs eine Empfehlung fürs Fremdgehen. Manche Schritte aber muss jeder Partner für sich alleine machen - um dann in weiterer Folge einen gemeinsamen Weg, in welche Richtung auch immer, zu finden. "Es geht darum zu überlegen, warum ich eine Außenbeziehung führe? Welche Bedürfnisse deckt sie bei mir ab? Was fehlt mir in meiner Partnerschaft?", erläutert die Psychotherapeutin. Hat man erst einmal Klarheit über seine Gefühle, Bedürfnisse und Wünsche erlangt, heißt es, offen über diese zu sprechen. Lässt sich der Konflikt gemeinsam lösen? Die Schieflage wieder ausgleichen? Oder ist eine Trennung notwendig?

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Fehler Nr. 5: Machtspiele in der Liebe

"Manipulation, Gewalt ... das gibt es überall", weiß Perner. Zum Beispiel auf der Straße, wenn ein Fußgänger schnurstracks auf uns zukommt, ohne auch nur den geringsten Anschein zu machen, dass er ausweicht. Oder im Restaurant, wenn der Tischnachbar den schmutzigen Teller auf unsere Seite des Platzes schiebt. "All das sind subtile Machtspiele", die der Expertin zufolge übrigens auch dann zutage treten, wenn man seinem Partner einen Kosenamen verpasst anstatt ihn mit seinem Vornamen anzusprechen. "Der eine braucht's für sein Selbstbewusstsein, dass sich der andere unterwirft", erklärt Perner den Hintergrund derartiger Strukturen. Die es aber zu durchbrechen gilt. Denn eine aufrichtige Beziehung kann nur auf Augenhöhe stattfinden. Wer lieben und geliebt werden will, sollte seinem Gegenüber den notwendigen Respekt zollen. Machtspiele haben in der Liebe dagegen nichts verloren.

© Rotraud Perner

Was genau ist Liebe? Wodurch unterscheidet sich "echte" Liebe von Verliebtheit, Leidenschaft, Begehren, Kontrollzwang, Besitzgier und narzisstischen Bedürfnissen? Wie lernen wir Lieben? All diesen Fragen geht Rotraud A. Perner in ihrem Buch Lieben! nach.

Erschienen bei Orac, Hardcover, 192 Seiten
ISBN: 978-3-7015-0602-6