Liebe beflügelt! Benni Raich und Marlies Schild dominieren beim Weltcup-Auftakt

Traumpaar will aber keinen öffentlichen "Paarlauf" Nach Doppelsieg in Levi Wiedersehen in Loveland

Liebe beflügelt! Das war die einfachste Erklärung aller Augenzeugen, die in Finnland den einzigartigen Doppeltriumph des neuen Ski-Traumpaars Benjamin Raich und Marlies Schild verfolgten. Zuerst hatte die Salzburgerin überlegen einen österreichischen Dreifachsieg angeführt, anschließend legte Lebensgefährte Raich ebenso souverän bei den Herren nach.

Dass ein privat liiertes Paar innerhalb von 24 Stunden am gleichen Hang in einer eigenen Liga fährt und gewinnt, das ist in der 40-jährigen Geschichte des Alpin-Weltcups ein Novum. "Einmalig. Da sieht man, was Liebe ausmachen kann", musste auch ÖSV-Alpinchef Hans Pum in Levi schmunzeln.

Seit langem sind der 28-jährige Tiroler Raich (28) und die um drei Jahre jüngere Salzburgerin Schild Berufskollegen, seit über zwei Jahren aber auch privat ein Paar. Seitdem geht es mit den beiden auch sportlich steil bergauf. Raich krönte sich in dieser Zeit nicht nur zum Doppel-Weltmeister und Doppel-Olympiasieger, er gewann erstmals auch den Gesamt-Weltcup.

Die jahrelang von Knieproblemen geplagte Schild ist in den vergangenen beiden Wintern förmlich aufgeblüht. Die ehemalige Slalom-Spezialistin hat ebenfalls drei Medaillen gewonnen und fühlt sich mittlerweile so fit und stark, dass sie wie Raich nun sogar auf den Gesamt-Weltcup los geht.

"Wir trainieren gut und wir verstehen uns gut"
Eine gute Beziehung gibt Stabilität, hatte Schilds Mutter nach Bekanntwerden der Partnerschaft gesagt. Das sehen auch die beiden Turteltauben so. Raich erklärte das sogar zum nicht unwesentlichen Teil des Erfolgsgeheimnisses. "Wir trainieren gut und wir verstehen uns gut. Da geht wenig Energie verloren", sagte der Pitztaler in Finnland.

Das wirklich schöne an diesem einmaligen Wochenende sei, "dass man sich doppelt freuen kann. Am Samstag, und am Sonntag wieder. Das kann von mir aus so weitergehen", meinte er schmunzelnd. Die Frage nach einer Hochzeit beantwortet Raich stets mit dem Hinweis auf "das Frühjahr". Welches, wird sich weisen. Dass im Beruf auch höchst erfolgreiche Beziehungen im Privatleben entstehen können, hat schon Raichs Schwester Carina bewiesen. Die Ex-Rennläuferin ist seit langem mit dem Nordischen Kombinierer Mario Stecher liiert, ein gemeinsames Haus im Pitztal gerade am Entstehen.

"Wir wollen kein Paarlaufen"
Bei Raich und Schild hat derzeit aber der Sport absoluten Vorrang und ganz offensichtlich beflügelt die beiden leidenschaftlichen Kletterer besonders, wenn sie ihre Rennen am gleichen Ort fahren können. Das wird nach Levi im kommenden Winter aber nur noch bei der WM im Februar in Aare und beim Finale im März in Lenzerheide der Fall sein.

Viele getrennte Auftritte stehen also an und das wollen Raich und Schild auch bezüglich ihres Privatlebens weiterhin so halten. Die Beziehung zur Schau zu stellen, ist bekanntlich nicht ihr Thema. "Wir bleiben dabei und werden gemeinsame Auftritt möglichst vermeiden. Wir wollen kein Paarlaufen, sondern als eigenständige Sportler gelten und nicht nur als Liebespaar", erklärte Schild. Raich bestätigte: "Wir sind privat ein Paar, Skifahren muss aber jeder für sich selbst."

Ist es nicht zu vermeiden wie zuletzt bei der Sportlerehrung in Salzburg, sei das aber natürlich auch kein Problem. Das zeigte sich auch in Levi, wo Schild ihren Freund bei Slalom-Halbzeit ohne Scheu im Zielraum küsste und nach dem Sieg herzlich umarmte.

Flugzeugpanne hilft der Liebe
Möglich war das ausgerechnet wegen einer Flugzeugpanne geworden. Wegen eines Defektes am Privatjet, mit dem die Herren nach Finnland geflogen waren, war auch der zweite Palfinger-Firmenflieger nach Finnland gekommen. Dadurch konnte die Saalfeldenerin ihren Benni nicht nur im Zielraum anfeuern, sondern statt zu Mittag mit der Linienmaschine am Abend zusammen mit ihrem Freund heim nach Salzburg fliegen.

Damit ging sich sogar noch eine kleine Feier am Abend in Österreich aus. Ein kurzes Wiedersehen gibt es schon in wenigen Tagen ausgerechnet an einem Ort namens "Loveland". So heißt der Trainingsschauplatz in Colorado, wo sich die Damen auf die Nordamerika-Rennen vorbereiten. Es läuft derzeit einfach bei Raich und Schild.

(apa/red)