Libyen von

Rot-Kreuz-Mitarbeiter getötet

Schweizer wurde erschossen. Anschläge auf Ministerpräsidenten und Ex-General.

Unruhen in Libyen © Bild: APA/EPA/MAHER ALAWAMI

Ein Mitarbeiter des Roten Kreuzes ist in der libyschen Küstenstadt Sirte erschossen worden. Die lokale Nachrichtenseite Al-Wasat meldete, es handle sich um einen Schweizer Mitarbeiter des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK).

Der Schweizer Rot-Kreuz-Mitarbeiter sei in der Küstenstadt Sirte von Bewaffneten angegriffen worden und wenig später im Krankenhaus gestorben, teilte ein Sprecher in Genf mit. Die Hilfsorganisation verurteilte den "Mordanschlag".

Bei dem Opfer handelte es sich um den IKRK-Missionsleiter in der syrischen Stadt Misrata, der Name wurde nicht genannt. Er habe sich in Sirte mit Mitarbeitern getroffen, die unverletzt seien, aber unter Schock stünden, sagte der Sprecher. Die Gruppe sei beschossen worden, als sie gegen Mittag zu ihrem Wagen ging, der nicht als Fahrzeug des Roten Kreuzes ausgewiesen gewesen sei.

In weiten Teilen Libyens herrscht seit dem Sturz des langjährigen Machthabers Muammar al-Gaddafi vor drei Jahren Chaos. Vor allem im ostlibyschen Bengasi werden immer wieder Mitglieder der Sicherheitskräfte und Ausländer angegriffen. Die Niederlassungen des IKRK in Bengasi und Misrata waren schon 2012 Ziel von Angriffen, damals wurde aber niemand getötet.

Büro des Ministerpräsidenten beschossen

In Libyen haben zudem Unbekannte das Büro von Ministerpräsident Ahmed Maitik mit einer Panzerfaust beschossen. Maitik sei nicht in seinem Amtssitz gewesen, sagte einer seiner Berater, es sei niemand verletzt worden. Kurz zuvor war auf den Ex-General Khalifa Haftar ein Anschlag verübt worden, den nach Angaben seines Sprechers aber auch dieser unverletzt überstand.

Maitik war im vergangene Monat in einer chaotischen Abstimmung vom Parlament zum Regierungschef gewählt worden. Einige Abgeordnete stellen die Rechtmäßigkeit der Wahl aber infrage. Maitiks Vorgänger Abdullah al-Thinni weigerte sich, die Macht abzugeben, bis die Legitimität der Wahl bestätigt sei. Am Montagabend rückte Maitik mit einer Polizei-Eskorte in das Büro des Ministerpräsidenten ein.

Rebellengruppen verweigern Entwaffnung

Seit dem Bürgerkrieg 2011 und dem Sturz von Machthaber Muammar Gaddafi ist es der Regierung nicht gelungen, sich im gesamten Land Autorität zu verschaffen. Viele ehemalige Rebellengruppen verweigern ihre Entwaffnung und kämpfen zum Teil gegeneinander.

Einer der Hauptschauplätze dieser Kämpfe ist die östliche Küstenstadt Bengasi. Dort nahm der pensionierte General Haftar das Heft in die Hand und startete eine Kampagne gegen die islamistischen Milizen. Seine Truppen gingen mit schweren Waffen gegen sie vor.

Nach den Worten seines Sprechers fuhr am Mittwoch ein Selbstmordattentäter einen mit Sprengstoff beladenen Geländewagen vor den Stützpunkt Haftars und zündete die Bombe. Dabei sollen vier Menschen getötet worden sein. Mindestens 23 seien verletzt worden, verlautete aus Medizinerkreisen.

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