Libyen-Konflikt von

Gaddafi-Sohn flüchtet

Neue libysche Übergangsregierung soll innerhalb von zehn Tagen gebildet werden

Libyen-Konflikt - Gaddafi-Sohn flüchtet © Bild: Reuters/Wimborne

Immer mehr enge Familienmitglieder des gestürzten libyschen Diktators Muammar al-Gaddafi setzen sich ins Ausland ab. Gaddafis Sohn Al-Saadi habe die Grenze zum Nachbarland Niger überquert, sagte der nigrische Justizminister Marou Amadou in der Hauptstadt Niamey. Wie der arabische Nachrichtensender Al Jazeera weiter berichtete, wurde der 38 Jahre alte Ex-Fußballprofi in einem Konvoi mit acht weiteren Personen aufgegriffen. Die Regierung von Niger sei nicht im Voraus informiert worden.

Al-Saadi ist bereits das vierte von acht Kindern Gaddafis, das sich ins Ausland abgesetzt hat. Zuvor war Ende August die zweite Ehefrau des untergetauchten Ex-Machthabers, Safija al-Gaddafi, mit der Tochter Aisha und dem Sohn Hannibal nach Algerien geflüchtet. Mit dabei war auch Gaddafis ältester Sohn Mohammed, der aus erster Ehe stammt. Wo sich der Ex-Diktator selbst aufhält, ist weiterhin unklar.

In das Nachbarland Niger waren in den vergangenen Tagen bereits ranghohe Generäle Gaddafis geflüchtet. Die Regierung des Landes gibt an, dass sie die Wüstengrenze zu Libyen nicht vollständig überwachen könne.

Die nigrische Regierung will Al-Saadi Gaddafi nach US-Angaben festnehmen. Es sei vereinbart worden, Alihn in der Hauptstadt Niamey in Gewahrsam zu nehmen, sagte US-Außenamtssprecherin Victoria Nuland am Montag in Washington. Er werde zwar nicht auf der Grundlage einer Resolution der Vereinten Nationen gesucht, aber die nigrische Regierung habe zugesagt, mit dem Nationalen Übergangsrat in Libyen zu kooperieren.

Neue libysche Übergangsregierung
Eine neue libysche Übergangsregierung soll innerhalb von zehn Tagen gebildet werden. Mahmud Jibril vom Übergangsrat sagte in Tripolis vor Journalisten, in der neuen Übergangsregierung sollten auch Repräsentanten der unterschiedlichen Regionen Libyens vertreten sein.

Vorsitzende des libyschen Übergangsrates in Tripolis
Am Samstagabend traf erstmals seit dem Sturz des Gaddafi-Regimes der Vorsitzende des libyschen Übergangsrates, Mustafa Abdul Jalil, in Tripolis ein. Hunderte Anhänger, Rebellen-Militärs und Honoratioren der Hauptstadt bereiteten ihm einen begeisterten Empfang, berichteten Augenzeugen.

Bisher hatte sich Jalil, der führende Politiker der neuen Machthaber, in der ostlibyschen Großstadt Bengasi aufgehalten. Dort war im Februar der Volksaufstand ausgebrochen, der Ende August zur Vertreibung Gaddafis aus Tripolis geführt hatte.

Jalil warnte vor zu großem Optimismus
Nach Medienberichten warnte Jalil im Kreise der Rebellenführung vor zu großem Optimismus. Gaddafi habe immer noch Geld, um Söldner anzuwerben. Die schon länger erwartete Ankunft Jalils sollte auch dazu beitragen, die Kluft zwischen der politischen Führung des Aufstands und den Rebellen-Militärs in der Hauptstadt zu schließen.

Kämpfer der Rebellen-Milizen unternahmen erneut keinen ernsthaften Anlauf, die von Gaddafi-Anhängern besetzte Wüstenstadt Bani Walid einzunehmen. Die Verbände der Aufständischen würden sich nun in der Umgebung der Stadt neu gruppieren, berichteten Reporter des Fernsehsenders CNN aus dem Frontgebiet.

Heftige Gefechte
Am Vortag hatten sich Rebellen-Stoßtrupps mit Gaddafis Getreuen am Stadtrand heftige Gefechte geliefert. Die Kämpfer des ehemaligen Diktators leisteten mehr Widerstand als erwartet. Bani Walid, 150 Kilometer südöstlich von Tripolis, ist eine von vier Enklaven, die noch von Gaddafi-Streitkräften gehalten werden.

Rebellen begannen unterdessen die Gaddafi-Hochburg Sebha, 600 Kilometer südlich von Tripolis, zu umzingeln. Der Übergangsrat hatte den Gaddafi-Anhängern ein Ultimatum gesetzt, um die Waffen niederzulegen. Es war in der Nacht zum Samstag abgelaufen.

Kommentare

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Gaddafi-Sohn flüchtet Ist das nicht jener, den sie schon dreimal erschossen haben?

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Re: Gaddafi-Sohn flüchtet genau der - ist es.

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