Libyen von

Ali Zeidan entführt

Libyscher Premier aus Hotel gekidnappt. Am selben Tag wieder frei gelassen.

Ali Zeidan © Bild: Getty Images/AFP/M. Turkia

Der Donnerstagfrüh verschleppte libysche Ministerpräsident Ali Zeidan (Seidan) ist nach Regierungsangaben wieder frei. Zeidan sei mehrere Stunden nach seiner Entführung durch eine Rebellenmiliz wieder in Freiheit, sagte der libysche Außenminister Mohammed Abdulaziz. Die genauen Umstände seiner Freilassung seien noch unklar.

Regierungssprecher Mohammed Kaabar sagte laut der amtlichen Nachrichtenagentur Lana, Zeidan sei von einer Brigade ehemaliger Revolutionäre "befreit" worden, und nicht freigelassen worden. Der Regierungschef sei "bei guter Gesundheit". Ihm gehe es gut, teilte auch Zeidan selbst über den Kurznachrichtendienst Twitter mit. Sollte das Ziel der Entführung gewesen sein, ihn zum Rücktritt zu bewegen, laute seine Antwort: "Ich werde nicht zurücktreten. Wir kommen nur langsam voran, aber wir sind auf dem richtigen Weg", so Zeidan.

Der Regierungschef war im Morgengrauen von bewaffneten Männern aus einem Hotel in Tripolis verschleppt worden. Die Miliz "Operationszelle der libyschen Revolutionäre" bekannte sich zu der Tat und erklärte, sie habe Zeidan auf Anordnung der Staatsanwaltschaft festgenommen, um für Sicherheit in der Hauptstadt zu sorgen.

Die Gruppe hatte zuvor Zeidans Regierung dafür verantwortlich gemacht, dass US-Spezialeinheiten am Samstag in Tripolis den mutmaßlichen Al-Kaida-Planer Abu Anas al-Libi gefasst und außer Landes gebracht hatten. Sie warf der Regierung Korruption und Gefährdung der nationalen Sicherheit vor. Das US-Außenministerium erklärte, es stehe in engem Kontakt mit der libyschen Regierung. Al-Libi soll 1998 an den Anschlägen auf die US-Botschaften in Kenia und Tansania beteiligt gewesen sein.

Die Miliz unterliegt formell der Kontrolle durch das Verteidigungs- und das Innenministerium. Die Miliz "Brigade für den Kampf gegen die Kriminalität" bekannte sich laut der amtlichen Nachrichtenagentur Lana ebenfalls zu der Tat.

Keine Schüsse gefallen

Bei der Entführung des Ministerpräsidenten im Hotel Corinthia, in dem hohe Regierungsvertreter und viele Diplomaten wohnen, fielen Wachleuten zufolge keine Schüsse. Es habe auch keinen Kampf gegeben. Der arabische TV-Sender Al-Arabiya zeigte Bilder, auf denen Zeidan finster dreinschaut und von einer Gruppe von Männern in Zivilkleidung umringt wird.

Zeidan steht seit einem Jahr an der Spitze der Übergangsregierung. Zwei Jahre nach dem Sturz des langjährigen Machthabers Muammar Gaddafi im Oktober 2011 ist das Land noch immer tief gespalten. Viele Regionen gelten als unsicher. Die Regierung versucht, den Einfluss rivalisierender Stammesmilizen und radikaler Islamisten einzudämmen, die unter anderem um die Kontrolle über das Erdöl kämpfen.

Der Preis für Erdöl der Marke Brent stieg nach der Entführung. Der OPEC-Staat Libyen deckt seine Staatsausgaben großteils durch den Verkauf von Erdöl. "Alle beobachten die Entwicklung", sagte der Rohstoff-Händler Ken Hasegawa von Newedge Japan. "Bisher sind die Lieferungen aus Libyen nicht unterbrochen, daher erwarten wir keinen abrupten Preisanstieg". Die OMV produziert trotz instabiler Lage unvermindert weiter. An der geplanten Jahresproduktion von 300.000 Barrel halte man fest, sagte ein Sprecher der APA.

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