Libanon von

Schwerer Anschlag in Tripoli

Zwei verheerende Autobomben-Attentate fordern zumindest 43 Todesopfer

Anschlag in Tripoli © Bild: REUTERS/Omar Ibrahim

Bei einem Anschlag mit zwei Sprengsätzen sind am Freitag in der nordlibanesischen Stadt Tripoli laut Sicherheitskräften mindestens 43 Menschen getötet worden. Mehr als 500 Personen wurden verletzt, wie der Leiter des Roten Kreuzes im Libanon, George Kettane, sagte. Bisher hat sich niemand zu den Taten bekannt. Es handelt sich um den verheerendsten Anschlag seit dem Ende des Bürgerkrieges im Jahr 1990.

Die Zahl der Opfer nach den beiden detonierten Autobomben stieg stündlich. Die anscheinend koordinierten Explosionen ereigneten sich zum Ende der Freitagsgebete vor zwei Moscheen in der vor allem von Sunniten bewohnten Stadt. Über der mit rund 200.000 Einwohnern zweitgrößten libanesischen Stadt waren dicke schwarze Rauchwolken zu sehen, zahlreiche Krankenwagen rasten zu den Schauplätzen der Anschläge. Die erste Explosion ereignete sich in einem überwiegend von Sunniten bewohnten Stadtteil der Stadt, wo Betende gerade die Moschee al-Taqwa verließen, wie die Polizei am Freitag mitteilte. Der Imam der Moschee, Salem al-Rifai, ist dafür bekannt, dass er in seinen Predigten das syrische Regime von Präsident Bashar al-Assad attackiert. Ein zweiter Sprengsatz detonierte einige Minuten später in der Nähe einer Moschee im Hafenviertel Al-Mina.

Armee-Chef Jean Kahwadschi hatte am Mittwoch vor derartigen Anschlägen gewarnt und einen "absoluten Krieg gegen den Terrorismus" angekündigt. Eine genaue Zielrichtung der Attentäter hatte er nicht genannt. Das "Gravierende" an den vorliegenden Erkenntnissen sei gerade, dass die Attentäter offenbar keine bestimmte Gruppe oder Region treffen, sondern Unruhe zwischen den Bevölkerungsgruppen stiften wollten, sagte Kahwadschi.

Regierungschef als Ziel?

Ein Sprengsatz wurde nach Angaben der Sicherheitskräfte in der Nähe der Wohnung des scheidenden Regierungschefs Nadschib Mikati gezündet, der jedoch nach Angaben seiner Mitarbeiter nicht anwesend war. Die zweite Explosion erfolgte in der Nähe der Wohnung des ehemaligen Polizeichefs Aschra Rifi. Möglicherweise richteten sich die Anschläge auch gegen zwei Moscheen, die ebenfalls in der Nähe liegen, oder die Teilnehmer der Freitagsgebete.

In Tripoli gibt es immer wieder blutige Konflikte zwischen Sunniten, die mehrheitlich die Aufständischen im benachbarten Syrien unterstützen, und Alawiten, die auf der Seite des syrischen Machthabers Baschar al-Assad stehen. Erst vor einer Woche waren bei einem Autobombenanschlag in einem schiitischen Vorort der Hauptstadt Beirut 27 Menschen getötet und 336 verletzt worden.

Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton zeigte sich "entsetzt". Ashton verurteilte in einer Erklärung die "Terroranschläge aufs Schärfste". Die Anwendung von Gewalt gegen Zivilisten sei "absolut inakzeptabel". Auch die Sicherheitsberaterin von US-Präsident Barack Obama, Susan Rice, verurteilte die Anschläge, sie bedauerte den "Verlust unschuldigen Lebens".

Hisbollah distanziert sich

Die beiden Anschläge sind die blutigsten seit dem Ende des libanesischen Bürgerkriegs, der den einst blühenden Staat am östlichen Rand des Mittelmeers von 1975 bis 1990 erschütterte. Vor einer Woche waren bei einem Autobombenanschlag in einem schiitischen Vorort der Hauptstadt Beirut 27 Menschen getötet worden. Mehr als 300 Menschen wurden verletzt. Die schiitische Hisbollah-Bewegung hatte nach dem Anschlag Rache geschworen. Mit den Bombenanschlägen in Tripoli hat sie jedoch zumindest nach eigener Darstellung nichts zu tun. Die Hisbollah verurteilte die Gewalt in der nördlichen Stadt und erklärte: "Es gibt einen kriminellen Plan, mit dem Ziel, Unfrieden unter den Libanesen zu säen." Radikale Sunnitenorganisationen schworen, ihre Gebiete fortan "mit eigenen Mitteln zu schützen".

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