Letzte Vorbereitungen im EM-Quartier der Spanier: Stubaital wird Rot-Gelb-Rot gefärbt

Neustifter Kinder als "Ballbuben" bei jedem Training Zimmer-Einteilung nach der Anzahl der Länderspiele

Letzte Vorbereitungen im EM-Quartier der Spanier: Stubaital wird Rot-Gelb-Rot gefärbt © Bild: Reuters/Comas

Vereinzelt fahren schon Autos mit dem Kennzeichen IL... durchs Tal, geschmückt mit Österreich-Fahnen. Doch rot-weiß-rot ist im Stubaital, südlich von Innsbruck, nicht in, denn das ganze Tal wird derzeit in rot-gelb-rot geschmückt. Der Milderer-Hof in Neustift ist Basecamp für die spanische Nationalmannschaft, die echte Tiroler Gastfreundschaft unterhalb des Gletschers erleben soll. Am 4. Juni wird die Truppe von Trainer Jose Luis Aragones im Stubaital eintreffen und, wenn es nach den Gastgebern geht, bis zum 29. Juni (Finaltag der EURO) in Neustift bleiben.

"Die gröbsten Vorbereitungen sind erledigt, jetzt geht es nur noch um kleine Details", schilderte Neustifts EURO-Koordinator Markus Kindl, einst Fußball-Profi in Innsbruck unter Ernst Happel. Und eines dieser Details hat es in sich.

Ein Wunsch der Spanier ist, dass bei jedem Training Neustifter Kinder als "Ballbuben" am Platz stehen. "Jetzt muss ich noch mit dem Hauptschuldirektor verhandeln, damit immer wieder Kinder schulfrei bekommen", erzählte Kindl, "aber das sollte kein Problem ergeben. Und für die Kinder wäre es wirklich ein tolles Erlebnis." Dabei wartet auf die "Ballbuben oder -mädchen" zum Teil Schwerarbeit: Direkt neben dem Haupttrainingsplatz fließt ein Bach, zwei Käscher, um den Ball herauszufischen, liegen schon bereit.

Team-Hotel hermetisch abgeriegelt
Ansonsten sei eigentlich fast alles fertig: Die 64 Zimmer im Mildererhof, der nach Ankunft der spanischen Gäste für Besucher, Fans und Journalisten hermetisch abgeschlossen sein wird, sind bereits mit dichtesten Vorhängen ausgestattet. Die Spanier wollten die Möglichkeit, die Zimmer total verdunkeln zu können, um in Ruhe Siesta zu halten.

Interessant dabei: Die Zimmer-Einteilung erfolgt nach der Anzahl der Länderspieleinsätze, je öfter im Team, umso besser das Zimmer. Mildererhof-Chef Herbert Hofer und seine Crew haben schon längst ihre Spanisch-Kurse absolviert.

Spanier bevorzugen Tiroler Küche
Auch die Küche hat sich für die Spanier bereits vorbereitet. Gekocht wird von der heimischen Crew, unterstützt von zwei spanischen Köchen. "Ursprünglich wollten die Spanier alle Lebensmittel im Ort selber mitbringen, wir haben sie aber von der Qualität der heimischen Produkte überzeugen können", schilderte Kindl. Nur der Fisch wird immer frisch aus Spanien eingeflogen.

Ansonsten gibt sich die Gastronomie in Neustift betont heimatverbunden. Keine Paella oder Albondigas werden auf den Speisekarten stehen. "Das wollen die Spanier so", erzählte Kindl, "und ich verstehe sie. Ich fahre auch nicht nach Spanien, um Wiener Schnitzel zu essen."

Rasen neu verlegt
Auch am Trainingsgelände sind die Arbeiten fast abgeschlossen. Nach dem harten und langen Winter in diesem Jahr musste am Hauptplatz, der vom Schneeschimmel befallen war, in der Vorwoche in einer Gewaltaktion noch der komplette Rasen innerhalb von vier Tagen neu verlegt werden. Die Kosten von 120.000 Euro übernahm das Land. Den Spaniern steht noch ein zweiter Platz zur Verfügung.

Errichtet werden muss nur noch eine mobile Tribüne, denn das Vormittagstraining der Spanier ist immer öffentlich. "500 Zuschauer erwarten wir uns dabei täglich", schilderte Kindl. Darunter auch die 300 spanischen Journalisten, die sich angesagt haben und auf 14 Hotels in Neustift verteilt wurden. Auch wieder nach einem bestimmten Schlüssel, den der spanische Verband vorgab: Je größer und wichtiger ein Medium, umso "besser" das Hotel.

Zelt als Pressezentrum
Um die Arbeit der Medien zu erleichtern, wird neben dem Trainingsgelände noch ein Zelt als Pressezentrum mit 100 Arbeitsplätzen errichtet. "Selbstverständlich kann dieses Zelt beheizt werden, denn bei uns in den Bergen kann es auch im Juni richtig kalt werden", sagte Kindl und blickte hinauf auf das Skigebiet am Stubaier Gletscher, das immer noch in Betrieb ist.

(apa/red)

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