Spanischer Thronwechsel von

Letizia - von der
Journalistin zur Königin

Ex-TV-Moderatorin ist erste Königsgemahlin, die bürgerlichem Hause entstammt.

Letizia von Spanien © Bild: 2014 Getty Images/Pool

Die Ex-Journalistin Letizia Ortiz brachte als Frau von Felipe frischen Wind in Spaniens Königshaus, eckte aber zuweilen an. Sie wird sich die Sympathien der Spanier erst noch verdienen müssen. Wenn Letizia Ortiz (41) vor zehn Jahren nicht den spanischen Thronfolger Felipe geheiratet hätte, würde sie vielleicht am Donnerstag (19.6.) im Fernsehen über dessen Proklamation zum neuen König berichten.

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Nun wird die frühere TV-Nachrichtensprecherin selbst Königin, als Frau des neuen Monarchen Felipe VI. Sie ist damit in der Geschichte der spanischen Monarchie die erste Königsgemahlin, wie ihr Titel in der Verfassung offiziell heißt, die einem bürgerlichen Hause entstammt. Ihre Mutter war Gewerkschafterin, der Großvater Taxifahrer.

Tausche 40-Quadratmeter-Wohnung gegen Palast

Als Letizia den Kronprinzen im Jahr 2002 kennenlernte, lebte sie in einer 40-Quadratmeter-Wohnung im bescheidenen Viertel Valdebernardo am Stadtrand von Madrid. Sie fuhr mit der U-Bahn oder dem Bus zur Arbeit. Die Fernsehjournalistin öffnete Felipe (46) eine Welt, die dieser aus eigener Anschauung kaum kannte: die spanische Alltagswelt.

Letizia heiratete den Thronfolger im Mai 2004 und brachte frischen Wind ins Königshaus. Dies erwies sich jedoch als ein zweischneidiges Schwert. Einerseits trug sie dazu bei, dass der - reserviert wirkende - Thronfolger offener und gelöster auftrat. Andererseits eckte sie mit ihrem starken Charakter und ihrer temperamentvollen Art zuweilen an.

Letizia eckt an

Schon bei der Verlobungsfeier im November 2003 hatten Traditionalisten sich darüber empört, dass Letizia dem Kronprinzen ins Wort gefallen war und ihn vor Millionen Fernsehzuschauern aufgefordert hatte: "Lass mich ausreden!"

Letizia ist bei den Spaniern nicht annähernd so populär wie Königin Maxima bei den Niederländern. Sie wirkt in der Öffentlichkeit kühl und perfektionistisch, zuweilen schien sie gar missgelaunt zu sein.

In Umfragen schneidet die künftige Königin zusammen mit ihrem Schwiegervater Juan Carlos (76), der wegen der jüngsten Skandale um das Königshaus stark an Beliebtheit verloren hat, am schlechtesten ab.

Schwere Schule

Allerdings hat die Ex-Journalistin es seit ihrem Einzug ins Königshaus nicht leicht gehabt. Die Medien, vor allem die Klatschpresse, beobachten jeden Schritt und jede Geste sehr genau. Ihre Kleider - sie trägt ausschließlich Modelle spanischer Designer -, ihre Frisuren oder ihre schlanke Figur sind Themen unzähliger Berichte. Als 2005 Spekulationen aufkamen, sie leide an Essstörungen, sah sich das Königshaus veranlasst, dies in einem Leserbrief an eine Zeitung zu dementieren. Großen Anteil nahm die Presse, als Letizias jüngste Schwester Erika 2007 tot in der Wohnung aufgefunden wurde.

Zwei Töchter

Als Frau des Thronfolgers musste sie die strikten Regeln des Protokolls am Hofe erlernen und ihre Fremdsprachen-Kenntnisse verbessern. Ihre Lehrmeisterin, so heißt es, war Königin Sofia (75). Inzwischen sind "Leti" und Felipe zehn Jahre verheiratet und haben zwei Töchter, Leonor (8) und Sofia (7).

Letizia kümmert sich aktiv um die Erziehung der Mädchen und setzt sich dafür ein, dass die Familie neben den offiziellen Terminen auch ein Privatleben führen kann. Sie geht mit Felipe gerne ins Kino und besucht Konzerte, zuweilen auch in Jeans und Lederjacke.

Rolle selbst erfunden

Im Königshaus musste sie ihre Rolle selbst erfinden, denn nirgendwo steht geschrieben, was die Aufgaben der Frau des Thronfolgers sind. Letizia machte einige Bereiche als Nischen ausfindig, in denen sie sich nützlich machen konnte, ohne den anderen Mitgliedern der königlichen Familie in die Quere zu kommen. Sie engagiert sich für die Opfer seltener Krankheiten sowie in Bereichen der Bildung und der Ernährung.

Ihr Selbstbewusstsein und ihren eigenen Kopf behielt sie. So beklagte sie im vorigen Jahr, die Politik nutze in der Wirtschaftskrise Euphemismen, nenne die Dinge oft nicht mehr beim Namen: "Es ist nicht das Gleiche, ob man Hilfen statt Rettung, Negativwachstum statt Rezession oder Restrukturierung statt Kürzungen sagt."

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