Leitartikel von

Wehret den Anfängen

Christoph Lehermayr © Bild: News/Ian Ehm

Wir haben ein Problem, und es ist ein Tabu, aber keine Überraschung: der Antisemitismus zugewanderter Muslime.

Erst waren es Worte. Sie fielen im schwedischen Malmö und Göteborg, in Paris, Berlin und auch in Wien. Ein aufgebrachter Mob junger Männer rief hasserfüllt zur Auslöschung Israels auf. Skandierte auf Arabisch "Tod den Juden" - minutenlang und völlig ungehindert. Dann folgten erste Taten. Flaggen mit Davidsternen brannten. Auf eine Synagoge in Göteborg wurden Molotowcocktails geschleudert. Jugendliche, die sich im Gebäude aufhielten, mussten sich im Keller verschanzen. Wenig später ein versuchter Anschlag auf eine Synagoge und einen jüdischen Friedhof in Malmö und der Angriff auf ein koscheres Restaurant in Amsterdam.

Europa im Jahre 2017. Wen dieses Aufflammen des Antisemitismus in Folge von Präsident Trumps Entscheidung, die US-Botschaft nach Jerusalem zu verlegen, überrascht, der muss die letzten Jahre blind gegenüber der Lage von Juden in Europa gewesen sein. Denn zum Judenhass der Ewiggestrigen hat sich längst der vieler Muslime gesellt. Auch befeuert von der Flüchtlingskrise, in der Millionen junger Männer aus arabischen Staaten nach Europa gelangten. In ihrer Heimat gilt Judenhass fast schon als Allgemeingut, dient doch der Verweis auf die "israelische Verschwörung" dazu, das Scheitern der eigenen Länder und Regimes zu kaschieren. Zu glauben, dass solche Einstellungen durch die bloße Ankunft in Europa abgelegt würden, grenzt an hoffnungslose Naivität. Die Folgen konnte jeder sehen, der es wollte. Auch in Österreich.

So stellte der Soziologe Kenan Güngör etwa 2015 bei einer Untersuchung in Wien fest, dass 47 Prozent der Jugendlichen mit muslimischem Hintergrund abwertende Haltungen gegen Juden vertreten. Jüdische Zeitungen aus ganz Europa berichten regelmäßig davon, wie Schüler angefeindet und bespuckt werden. Gläubige sich nicht mehr trauen, die Kippa zu tragen, und voll Angst aus Vierteln wegziehen, die von starkem Zuzug geprägt sind. In Frankreich ist es besonders schlimm. Dort richtete sich 2016 jede dritte rassistische Straftat gegen Juden, obwohl sie nur knapp ein Prozent der Bevölkerung stellen. Zwischen 2005 und 2015 kam es zu 4.092 antisemitischen Angriffen. 40.000 Juden sind in diesem Zeitraum sogar nach Israel ausgewandert, weil sie ihre Religion in Frankreich nicht mehr offen leben können. Und 60 Prozent der französischen Juden fürchten sich laut einer Studie, wegen ihres Glaubens auf der Straße körperlich angegriffen zu werden. Die Pariser Philosophin und Feministin Élisabeth Badinter prangert diesen muslimischen Antisemitismus öffentlich an und beklagt das Schweigen vieler Linker und etlicher Medien aus falsch verstandener Toleranz und Sorge, so den Rechten zu nützen.

Neu ist also nicht der wieder wachsende Judenhass, sondern das Ausblenden von dessen Ursachen und das Beteuern, nun aber dagegen vorzugehen. Dabei war es gerade die Politik vieler Länder, die dem politischen Islam erst die Tore öffnete, obskure Moscheenvereine weder kontrollierte noch deren Finanzierung hinterfragte, obwohl diese als Ziehstätten des Hasses dienten. Dabei war klar, dass die dortigen Lehren allen Werten einer freien Gesellschaft grob widersprechen. Wer "Wehret den Anfängen" sagt, ist reichlich spät dran und muss endlich beim politischen Islam anfangen.

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