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Papamonat: Ein
bisschen zu viel Applaus

Leitartikel - Papamonat: Ein
bisschen zu viel Applaus © Bild: Matt Observe/Auftrag News

"Der Papamonat ist also ein „wichtiger Schritt zu einer partnerschaftlichen Teilung der Kinderbetreuung“. Die Zeit der Faschingsscherze hat offensichtlich begonnen

Ich weiß ja nicht, ob Sie das interessiert, aber ich habe auch gute Erfahrungen gemacht – mit dem Mamamonat nämlich. Beim ersten Mal habe ich mir eine Auszeit von 16 Monaten gegönnt, beim zweiten Mal ein bisschen weniger. Und ja, die Bindung zu meinen Jungs ist super. Deswegen und überhaupt. Der Kindsvater, der diese Auszeit nicht hatte (die Zeiten waren damals noch irgendwie anders) kann sich in Sachen Bindung auch nicht beschweren. Aber das sei nur am Rande erwähnt. Berichtenswert fand meine Karenz übrigens niemand.

Keine Schlagzeile weit und breit. Das ist in Zeiten wie diesen freilich anders. Der Vizekanzler tauscht Ministerbüro mit dem Kinderzimmer und wird gefeiert (lässt sich feiern) wie ein Popstar. Und bevor ich schon an dieser Stelle missverstanden werde, gleich vorweg: Ich finde den Papamonat gut und richtig. Wichtig allerdings eher weniger. Wir reden hier von 31 Tagen. Wir reden von einer Ausnahme und keineswegs von einer Regel.

Im Vorjahr wurde diese zeitlich überschaubare Familien-Auszeit von genau 7.338 Papas (Stand September) genützt; ein Jahr zuvor waren es 642. Die Zahlen beziehen sich auf die Privatwirtschaft und den öffentlichen Dienst. Eingeführt wurde der Familienzeitbonus mit 1. März 2017. Väter können demnach 31 Tage zu Hause bleiben, sofern der Arbeitgeber zustimmt. Dafür gibt es einen Bonus von rund 700 Euro. 7.338 Papas haben also Ja gesagt – denen stehen übrigens rund 90.000 Geburten jährlich gegenüber …Gejubelt wird trotzdem. Derzeit besonders: Der Papamonat hat positive Auswirkungen auf die frühkindlichen Vater-Kind-Beziehung, meinten unisono der Berufsverband Österreichischer Psychologinnen und Psychologen (BÖP) und der Dachverband Männerarbeit
Österreich (DMÖ). Und: Der Papamonat sei ein wichtiger Schritt zu einer partnerschaftlichen Teilung der Kinderbetreuung. Meine Herren: Einspruch. Einmal die rosarote Brille absetzen und ein bisschen mehr Ehrlichkeit bitte. Wir schreiben zwar das Jahr 2019, aber von partnerschaftlicher Teilung sind wir meilenweit entfernt
– und daran ändert auch der Papamonat nichts. Für diesen einzutreten, am besten noch inklusive Rechtsanspruch, ist legitim. Ein Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz, gerne auch auf einen Krippenplatz wäre es freilich genauso. Doch davon ist keine Rede.

Die Diskussion um den Papamonat beschäftigt längst auch Brüssel. Eine Einigung vorausgesetzt, soll für die Väter nach der Geburt ihres Kindes europaweit ein Vaterschaftsurlaub von mindestens zehn Tagen eingeführt werden. Das ist niedlich. Ein bisschen zusätzlicher Urlaub mit der Familie, warum nicht? Dennoch bleibt die Erkenntnis, dass das ständige Austarieren von Beruf und Familie auch 2019 kein großes Thema für die Männer – und die Politik – ist. Einen Rechtsanspruch auf Väterkarenz gibt es längst. Knapp 20 Prozent der Männer haben davon Gebrauch gemacht. Eine Studie aus Deutschland zeigt, dass Väter am zufriedensten sind, wenn sie 50 Stunden arbeiten und in der Rolle des Familienernährers vollends aufgehen. Weniger zufrieden sind sie, wenn sie wegen der Familie Teilzeit arbeiten. Da wären wir also wieder bei den vorherrschenden traditionellen Rollenbildern – auch in Österreich. Das kann man zur Kenntnis nehmen, oder man ändert es. Allerdings braucht es dafür mehr als nur Miniaktionismus und einen Papamonat.

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