Leitartikel von

Lasst uns arbeiten!

Fast eine halbe Million Österreicher sind ohne Job. Das kann geändert werden, mit etwas Glück schon bald

Esther Mitterstieler © Bild: News/Ian Ehm

Gehören auch Sie zu jenen 475.000 Österreichern, die derzeit keine Arbeit haben? Oder haben Sie Freunde, Verwandte, Bekannte, die auf Jobsuche sind? Die Arbeitslosigkeit ist hierzulande mit einem Schnitt von 10,2 Prozent im Vergleich mit anderen EU-Ländern nicht so hoch, trotzdem sind so viele Menschen ohne Beschäftigung wie lange nicht. Und jeder Arbeitslose ist einer zu viel. Die gute Nachricht: Die Wirtschaft wächst endlich wieder, das wird zu einer Entspannung am Arbeitsmarkt führen. Erste Anzeichen dafür gibt es bereits. Das macht die Tür für neue Arbeitsplätze auf.

Wer keine Arbeit hat, fühlt sich oft nicht mehr als vollwertiges Mitglied der Gesellschaft (Dossier ab Seite 21). Das führt auch dazu, dass Arbeitslose häufiger krank sind als Menschen mit Arbeit. Wer ohne Job ist, kassiert Leistungen wie die "Arbeitslose“, die häufig die Allgemeinheit tragen muss. Schließlich zahlen rund 2,5 Millionen Österreicher keine Einkommenssteuern - schlichtweg, weil sie zu wenig verdienen. Richtiger wäre es, sie verdienten genug zum Leben und könnten Steuern zahlen. Auch das schafft Selbstwert. Wenn Menschen mit so geringen Einkünften in die Arbeitslose rutschen, muss der Staat zahlen. Das ist richtig und wichtig für den Ausgleich in der Gesellschaft.

Allein: Im Jahr 2017 zu fordern, der Staat soll Schulden machen, um die Arbeitslosigkeit zu entschärfen, wie es Sozialminister Alois Stöger macht, zeugt von einer Österreich immanenten Tendenz des Kopf-in-den-Sand-Steckens. Denn ein Staat, der sich permanent verschuldet, kostet seine Bürger letztlich mehr als das, was er kurzfristig ausgibt. Allein der Zinsendienst auf die Staatsschulden macht pro Jahr rund 7,5 Milliarden Euro aus. Wer soll denn das zahlen? Natürlich wir Bürger und vor allem unsere Kinder und Kindeskinder! Die Realität ist ziemlich einfach: Der Staat ist kein Bankomat, bei dem man sich, ohne nachzudenken, woher das Geld kommt, bedienen kann. Am Ende ist die Rechnung gesalzen. Ein Beispiel gefällig? Das Desaster Hypo Alpe-Adria kostet Jahr für Jahr Milliarden, und das lastet auf Österreichs Schuldenstand. Darauf zahlen wir auch noch fette Zinsen. Und so kommt eine schöne Summe zusammen, die wir alle Jahr für Jahr abtragen müssen. Mit dem Ergebnis: Das staatliche Sparschwein hat kein Geld, und wir tragen einen hohen Schuldenberg vor uns her. Das Thema Arbeitslosigkeit muss man anders angehen.

Wer schafft Jobs? Es sind Unternehmen, die seit der Finanzkrise bei Investitionen auf der Bremse stehen. Das hängt nicht nur mit dem wirtschaftlichen Umfeld zusammen, da geht es schlichtweg um die Modernisierung von Arbeitsabläufen und -prozessen. Nicht alles ist digital; das soll auch nicht die Ausrede sein, warum alles anders werden muss. Aber in Zeiten der Digitalisierung über flexiblere Arbeitszeiten zu diskutieren, sollte logisch sein. Wenn wir noch mehr mauern, werden wir bald noch mehr Arbeitslose haben.

Die Mindestsicherung als Allheilmittel zu betrachten, ist eine Schimäre. Lasst die Leute arbeiten! Und entlastet den Faktor Arbeit, damit die Leute auch vom Verdienst leben können. Arbeit gibt Sicherheit, Anerkennung, Zufriedenheit - lauter Dinge, die Menschen für sich fordern. Zu Recht. Gerhard Schröder hat das mit der Agenda 2010 verstanden, und Angela Merkel bringt heute noch die Früchte seiner Politik ein.

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