"Leiden von Stunde zu Stunde schlimmer": Hilfe für Libanon rollt nur langsam an

UNO will von Israel Sicherheitsgarantien für Transport USA stellen 30 Millionen Dollar für Libanon bereit

Die Vereinten Nationen haben Israel aufgerufen, für die Sicherheit von Hilfstransporten in den Libanon zu garantieren. Andernfalls könnten mehr als 500 Tonnen Hilfsgüter nicht ausgeliefert werden, die bereits an der syrisch-libanesischen Grenze lagerten, sagte UNO-Flüchtlingskommissar Antonio Guterres am Montag in Genf. Die USA stellen 30 Millionen Dollar (23,7 Mio. Euro) an humanitärer Hilfe für den Libanon bereit. US-Streitkräfte würden ab Dienstag Decken, Zelte und Medikamente in Richtung Libanon bringen, teilte der stellvertretende US-Außenminister David Welch in Tel Aviv mit. Er rechne damit, dass an internationaler Hilfe mindestens 100 Millionen Dollar (79,2 Mio. Euro) zusammen kommen würden.

Humanitären Organisationen müsse der sichere Zugang zu den Notleidenden gewährleistet werden, forderte Guterres. "Das Leiden der Flüchtlinge wird von Stunde zu Stunde größer, und es ist äußerst wichtig, dass wir die Hilfstransporte jetzt in Gang bekommen. Es ist frustrierend, dass wir diese Hilfen nicht ausliefern können, die tausende entwurzelte Zivilpersonen nur wenige Stunden entfernt im Libanon dringend brauchen."

Mehr als 200.000 Libanesen sind vor den israelischen Angriffen in den vergangenen zwölf Tagen bisher in das Nachbarland Syrien geflohen. Die Regierung in Damaskus hat im ganzen Land Notunterkünfte eingerichtet, meldete die staatliche syrische Nachrichtenagentur SANA.

Das UNO-Ernährungsprogramm WFP begann am Montag mit der Verteilung von Notrationen an Flüchtlinge und Ausgebombte in Beirut. Laut einer in Berlin veröffentlichten Erklärung werden neben 120 Tonnen örtlich eingekauftem Weizen auch so genannte Astronautenkekse verteilt, die als hochkonzentrierte Energielieferanten in Notfällen warme Mahlzeiten ersetzen können.

In der ersten Nothilfeaktion plant das World Food Programme (WFP) zunächst 310.000 der insgesamt geschätzten 500.000 Flüchtlinge im Libanon zu versorgen. Das WFP hofft am Mittwoch einen ersten Hilfskonvoi in die Region südlich von Beirut schicken zu können, wie Sprecherin Christiane Berthiaume in Genf mitteilte.

Unterdessen erreichte ein von Deutschland gechartertes Frachtschiff die südlibanesische Stadt Tyrus. Das Schiff sollte weitere Ausländer nach Zypern in Sicherheit bringen. An Bord des Frachters befanden sich auch acht Tonnen Hilfsgüter aus der Schweiz, vornehmlich Nahrungsmittel und Hygieneartikel.

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) befürchtet, dass Wasser und Nahrung für über hunderttausend Personen im Raum Tyrus in den nächsten Tagen ausgehen, wie IKRK-Sprecher Vincent Lusser mitteilte. Ein Konvoi des Roten Kreuzes brachte am Montag Hilfsgüter von Beirut in die Stadt Marjayoun, die neben Tyrus als Ausgangspunkt für weitere Hilfslieferungen in den Süden des Libanon dienen soll.

Die Vereinten Nationen baten die internationale Gemeinschaft um 150 Millionen Dollar (118,7 Mio. Euro) Soforthilfe zur Linderung der humanitären Krise im Libanon. Der UNO-Koordinator für humanitäre Hilfe, Jan Egeland, sagte am Montag in Beirut, zwischen einer halben Million und 800.000 Menschen seien von dem Konflikt direkt betroffen, viele davon seien zu Flüchtlingen geworden.

Die USA wollen am Dienstag Schiffe und Hubschrauber mit Medikamenten und anderen Hilfsgütern in den Libanon schicken. US-Präsident George W. Bush habe die Hilfslieferungen angeordnet, sagte Sprecher Snow. Ein Sprecher des US-Verteidigungsministeriums erklärte, die Hilfsgüter würden von Zypern aus in den Libanon gebracht. Die US-Streitkräfte hätten die Evakuierung amerikanischer Staatsbürger aus dem Land mittlerweile fast abgeschlossen und könnten sich nun der humanitären Hilfe zuwenden.

Unter der Beteiligung von österreichischen Cobra-Beamten soll am Dienstag das SOS-Kinderdorf Ksarnaba im Libanon, rund zehn Kilometer nördlich der Stadt Zahle, evakuiert werden, teilte Bernhard Treibenreif, Kommandant der Antiterror-Einheit der APA mit. Gemeinsam mit libanesischen Sicherheitskräften und Polizisten werden demnach zwei Cobra-Beamte 14 Kinder und sechs Betreuer an einen sicheren Ort nördlich von Beirut bringen.
(apa/red)