Leichtathletik-WM von

Bolt: Im Schongang weiter

Weltmeister bei WM mit schwächster Zeit ins 200-m-Halbfinale eingezogen

Usain Bolt ohne Mühe ins Finale © Bild: REUTERS/Lucy Nicholson

Ohne Mühe ist der sechsfache Weltmeister und Olympiasieger Usain Bolt am Freitag bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Moskau kräfteschonend ins Halbfinale über 200 m eingezogen. Der Jamaikaner gewann seinen Vorlauf in 20,66 Sekunden. Nach Gold über 100 m geht Bolt auf den zweiten Titel in Moskau los, er kann sich in Russlands Hauptstadt zur Allzeit-Nummer eins der männlichen Leichtathleten krönen und den US-Amerikaner Carl Lewis ablösen.

Die Siegerzeit von Bolt war die schwächste der sieben Vorläufe (Gesamt-21.), Schnellste mit je 20,17 waren der Brite Adam Gemili und der Südafrikaner Anaso Jobodwana. 24 Läufer stiegen in die Vorschlussrunde am (heutigen) Freitagabend auf, der Endlauf geht am Samstag um 18:10 Uhr MESZ in Szene.


Wenn die Sonne über Moskau am Sonntagabend untergeht und Usain Bolt sich mit großer Wahrscheinlichkeit zum erfolgreichsten Leichtathleten der WM-Geschichte gekürt hat, dann wird sich sein Markwert noch einmal erhöht haben. 250.000 Euro kostet es derzeit, will man ein Meeting mit der Anwesenheit des jamaikanischen Sprint-Weltrekordlers krönen. Österreich hat aufgrund des nicht aufgebrachten Startgeldes für die Linzer Gugl-Games die vielleicht letzte Chance verpasst, die lebende Legende auf rot-weiß-rotem Boden sprinten zu sehen.

Bolt noch verschlafen

In der ewigen WM-Medaillenwertung liegt Bolt bei den Männern mit sechs Gold- und zwei Silbermedaillen an der dritten Stelle hinter den US-Amerikanern Carl Lewis (8/1/1) und Michael Johnson (8/0/0). Nach dem WM-Titel über 100 m am vergangenen Sonntag hat der 26-Jährige am Samstag die Chance auf Gold über 200 m und am Sonntag auf den Sieg mit der 4x100-m-Staffel.


Geht Bolt alles plangemäß auf, dann würde das für ihn das vierte Triple nach 2009 (WM), 2008 und 2012 (jeweils Olympia) bedeuten. Bei der WM 2011 in Daegu (Südkorea) hatte er mit einem Fehlstart den 100-m-Titel in den Sand gesetzt und musste sich mit zwei Goldmedaillen begnügen, ansonsten wäre er seit 2008 bei allen Großereignissen unbesiegt. Seine Silbermedaillen erlief er 2007 in Osaka über 200 m und 4 x 100.


Im Vorlauf über die halben Stadionrunde am Freitagvormittag in Moskau wirkte Bolt noch etwas verschlafen. Müde blinzelte er gegen die ins Luschniki-Stadion strahlende Sonne, am Ende reichte ein äußerst kraftsparendes Rennen, um als Vorlaufsieger in 20,66 Sek. direkt in die Vorschlussrunde aufzusteigen, die noch am (heutigen) Freitagabend auf dem Programm steht. "Ich fühle mich gut, ich bin halt kein Morgenmensch. Ich bin froh, dass ich da durch bin", sagte Bolt.

Bolt nicht in Linz

Dem Fuß gehe es besser, erklärte er, ohne sich genauer zu äußern, was das Problem sei. "Er tat weh und wir haben vier Tage hart daran gearbeitet." Ob nach dem zu erwartenden Finaleinzug der Endlauf ein Spaziergang wird, wie so oft in seiner Karriere über seine absolute Lieblingsstrecke, oder ein Arbeitssieg wie am Montag über die 100 m, bleibt abzuwarten. Vor WM-Beginn sprach Bolt davon, dass der Weltrekord über 200 m möglich ist. "Versprechen kann ich es nicht", hatte er aber angefügt. Die gültige Marke von 19,19 hat er vor vier Jahren in Berlin aufgestellt.

Nach den Welttitelkämpfen wird Bolt noch bei den Diamond League-Meetings laufen. Zwischen Stockholm (22. August) und Zürich (29. August) stand am 26. August Linz auf seinem Terminplan. Trotz unterzeichnetem Vertrag wird aus der Bolt-Show in der Alpenrepublik nichts werden. Nicht weil Bolt nicht will, sondern weil das Startgeld für den Meeting-Direktor trotz größter Bemühungen und bester Kontakte nicht aufzutreiben ist, während sich andere Länder um den Größten reißen. Auch das ist ein Armutszeugnis für das Interesse an der österreichischen Leichtathletik.

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