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Gugl: Gatlin siegt mit Stadionrekord

US-Sprintstar bricht 20 Jahre alte Bestmarke, doch die Zuschauer bleiben aus

Gatlin bei den Gugl Games © Bild: GEPA pictures/ Florian Ertl

Der US-Amerikaner Justin Gatlin hat bei den Gugl Games in Linz den 100 m-Stadionrekord pulverisiert. Der Vizeweltmeister und Olympia-Dritte von London verbesserte die 20 Jahre alte Bestmarke am Montag in 9,82 Sekunden gleich um zwölf Hundertstel. Auch sein zweitplatzierter Landsmann Mike Rodgers blieb in 9,92 noch unter dem alten Rekord von Davidson Ezinwa (NGR) aus dem Jahr 1994.

Mit dem Rekordlauf habe er die von Athletik-Direktor Robert Wagner vorgegebene Mission erfüllt, freute sich Gatlin nach seinem Rekordlauf bei einem Hauch von Gegenwind. "Ich habe mich gut gefühlt und habe eine starke Performance abgeliefert. Ich bin glücklich, dass mir der Meetingrekord gelungen ist", sagte der 32-jährige New Yorker.

Gatlin und Co. bei den Gugl Games
© GEPA pictures/ Florian Ertl Die Konkurrenz kann Gatlin nur gratulieren

Bestes Feld der Meetinggeschichte

Die starke Konkurrenz - Wagner hatte mit fünf Sub-10-Sekunden-Läufern das beste Feld der Meetinggeschichte an den Start gebracht - hätten ihn bis zum Schluss gefordert. Seine eigene Jahresweltbestzeit von 9,80 verpasste er deshalb nur hauchdünn. "Das ist sich leider nicht ausgegangen", bedauerte Gatlin, der schon am Freitag in Monaco einen neuen Versuch unternehmen will.

In Linz fühle er sich besonders wohl und werde bestimmt wiederkommen, versprach Gatlin, nachdem er zahlreiche Autogramme geschrieben hatte. Im Vorjahr hatte der ehemalige Dopingsünder bei Regen in 10,08 vor 5.500 Zuschauern die Oberhand behalten. Diesmal kamen trotz idealer Witterung lediglich rund 3.000 auf die Gugl. Auch Song-Contest-Siegerin Conchita Wurst, die die Eröffnung musikalisch umrahmte, war offenbar nicht der erhoffte Publikumsmagnet.

Ex-aequo-Sieg bei den Damen

Im Damensprint gab es durch Carina Horn (RSA) und Carrie Russel in 11,21 einen Ex-aequo-Sieg. Der Meetingrekord von Marion Jones (10,84) aus dem Jahr 1998 blieb erwartungsgemäß unangetastet. In den Hürdensprints setzten sich Mikel Thomas (TRI) in 13,42 bzw. Hallen-Weltmeisterin Nia Ali (USA) in 12,82 Sekunden durch. Beate Schrott war nicht am Start, die Olympiafinalistin laboriert noch an den Folgen einer Oberschenkelblessur.

Nichts wurde es aus den erhofften EM-Limits für die österreichischen Diskuswerfer. Gerhard Mayer (5. mit 60,22 m) und Lukas Weißhaidinger (7. in 57,92) blieben klar unter der geforderten Marke von 62,30 m für die Titelkämpfe in einem Monat in Zürich. Derzeit sind elf ÖLV-Athleten für die EM qualifiziert.

Enttäuschende Kulisse

Doch die derzeit besten Sprinter der Welt, einige attraktive Nebenbewerbe, ein musikalischer Stargast und Schönwetter haben nicht gereicht. Die "Gugl Games" gingen am Montag vor einer enttäuschenden Kulisse über die Bühne. Lediglich knapp 2.500 Fans wollten Conchita Wurst und danach die sportlichen Starauftritte sehen. Im Vorjahr waren bei Regen noch 5.500 ins Linzer-Stadion gekommen.

Gatlin lacht auf der Gugl
© GEPA pictures/ Florian Ertl Gatlin lacht, die Veranstalter nicht - die Ränge blieben großteils leer

Bei den Verantwortlichen herrschte angesichts des Fernbleibens des Leichtathletik-Publikums Ratlosigkeit. "Das kann ich mir nicht erklären", meinte Sportdirektor Robert Wagner, der mit einem vergleichsweise kleinen Budget dank seiner guten Kontakte in der Szene wieder etliche Hochkaräter auf die Gugl gebracht hatte.

Erklärungsversuche und ungewisse Zukunft

Die Verlegung von Ende August in den Juli, der kürzliche Ferienbeginn, zu wenig Promotion im Vorfeld, die Ticketpreise von 15 bis 25 Euro und das Fehlen eines österreichischen Zugpferdes - das waren einige Deutungsversuche von Experten für die Minuskulisse.

Heuer war der Oberösterreichische Leichtathletik-Verband (OÖLV) als Veranstalter der 2012 nach fünfjähriger Pause wiederbelebten Veranstaltung aufgetreten. Ob aber im nächsten Jahr wieder zahlreiche Olympiamedaillengewinner und Weltmeister auf der Gugl zu sehen sein werden, steht aufgrund des enttäuschenden Zuspruchs am Montag in den Sternen.

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