Leichtathletik-EM in Göteborg: Schweden jubelt über Gold von Siebenkämpferin Klüft

Portugiese Francis Obikwelu holt Titel über 100 m Howe gewinnt Weitsprung, Fitschen die 10.000 m

Am Namenstag von Königin Sylvia hat die Schwedin Carolina Klüft das erste Gold für das Gastgeberland der 19. Leichtathletik-Europameisterschaften gewonnen. Die Siebenkämpferin hat nun seit der EM in München 2002 bei jedem internationalen Freiluft-Großereignis triumphiert. Sprint-Europameister wurde der Portugiese Francis Obikwelu, der einen Titel verteidigte, den er erst vor sechs Wochen zugesprochen bekommen hat.

Die Zuschauerränge im Ullevi-Stadion waren bis auf den letzten Platz besetzt, 32.000 Tickets gab es im Verkauf - zum Klüft-Schauen kamen alle, und die bezaubernde Kronprinzessin Victoria überreichte am Abend die Medaillen und machte den lauschigen Abend perfekt, denn die Regenwolken hatten sich längst verzogen und das Blitzlichtgewitter bot einen entzückenden Rahmen.

Mit der verletzungsbedingten Aufgabe der nach zwei Disziplinen führenden Französin Eunice Barber war der selbst am Oberschenkel angeschlagenen Klüft die Arbeit erleichtert worden. Mit der Jahresweltbestleistung und dem Championship-Rekord von 6.740 Punkten verwies die 23-Jährige die Niederländerin Karin Ruckstuhl (6.423) und die Deutsche Lilli Schwarzkopf (6.420) auf die Plätze. War Gold für Klüft längst festgestanden, lagen dahinter vor den abschließenden 800 m fünf Athletinnen innerhalb von 35 Punkten - und die Deutsche Jennifer Oeser fiel noch vom Stockerl.

100 m-Sprint an Obikwelu
Das Sprintfinale der Männer ging an den 27-jährigen Portugiese Francis Obikwelu. Der in Nigeria geborene Olympia-Silbermedaillengewinner von 2004 und Europarekordler verwies in 9,99 Sekunden den Russen Andrej Jepischin (10,10) und den Slowenen Matic Osovnikar (10,14) auf die weiteren Medaillenränge. Kuriosum: Obikwelu bekommt damit quasi innerhalb von sechs Wochen zweimal Sprint-EM-Gold verliehen. Erst Ende Juni diesen Jahres war dem Briten Dwain Chambers (Dienstag Siebenter im Finale) der Titel von 2002 in München wegen Dopings aberkannt und ihm zugesprochen worden.

"Dieser Titel heute bedeutet sehr viel für mich. Ich war in Europa die Nummer eins in diesem Jahr und nun habe ich Gold. Nach Silber in München wollte ich dieses Gold unbedingt", sagte er und hat sich mit dem nachträglichen EM-Gewinn von Deutschland wohl noch nicht recht abgefunden. "In meinem Kopf ist es immer noch Silber, das ich in München gewonnen habe. Ich weiß nicht, ob ich das Gold akzeptiere, vielleicht schicke ich es an den Europaverband zurück, wenn ich es bekomme. Nun habe ich ja mein eigenes Gold."

Howe gewinnt Weitsprung-Gold
Zum Weitsprung-Europameister krönte sich der Italiener Andrew Howe mit 8,20 Metern, Silber ging an den Briten Greg Rutherford (8,13). Howe ist in Los Angeles geboren, als er vier Jahre war, erfolgte sie Übersiedlung nach Europa. Betreut wird der Junioren-Doppelweltmeister von 2004 (200 m, Weitsprung) von seiner Mutter, einer ehemaligen Hürdensprinterin, die sich folglich auch als erste Gratulantin einstellte. "Großartig, ich bin noch nie von so vielen Menschen angefeuert worden", sagte er. Auffällig ist ein Versalien-Tattoo am linken Arm - "BMF" steht für "Become more fast" (schneller werden).

Schnell im Gehen war der Spanier Francisco Javier Fernandez (ESP), der über 20 Kilometer in 1:19:09 Stunden siegte und seinen Titel verteidigte. Über 10.000 Meter gewann der Deutsche Jan Fitschen in 28:10,94 Minuten sensationell die Goldmedaille vor den zwei spanischen Favoriten. Den Hammer schleuderte die Russin Tatjana Lisenko mit 76,67 Metern am weitesten.

(apa/red)