'Lei Li' heißt's auch auf Aares Piste: Buntes
'Exoten Duell' um Riesentorlauf-Qualifikation

Auch Ghanese Nkrumah-Acheampong fror bei -22 ° Schweizer "Moldawier" Urs Imboden gewann Quali

Die Tribünen waren leer, der VIP-Klub war geschlossen - dennoch war der zweite Montag der Alpinen Ski-WM in Aare ein ganz spezieller. Zum ersten Mal in der Geschichte der Titelkämpfe gab es eine Qualifikation, und zwar für den Herren-RTL. Beim "Exoten-Derby" auf dem WM-Berg machten sich 101 Athleten aus Ländern wie Andorra, Griechenland, Brasilien, Belgien, Kirgistan, der Türkei, Irland oder Ghana auf die Jagd nach den 25 letzten Plätze fürs Hauptrennen.

Da standen sie im Zielraum und analysierten mehr oder weniger verbissen ihre Fahrten: Kwame Nkrumah-Acheampong aus Ghana, Tomas Endriukatis aus Litauen (mit gelbem "Herminator"-Helm samt Raiffeisen-Giebelkreuz auf dem Kopf), der Lette Dainis Krauja (ein guter Bekannter von Hans Grugger), Emre Simsek aus der Türkei oder Shane O'Connor aus Irland.

Oder Lei Li aus China, der gleich beim Start seinen linken Skistock verlor und so frühzeitig alle (theoretischen) Quali-Chancen begrub. Und der völlig ausgelaugte Kirgise Andrej Trelewski war völlig untröstlich, weil er ausgerechnet beim letzten Tor einfädelte und durchs Ziel stürzte. Auch ein Star wie Ivica Kostelic war am Start, zwecks Training. Der Kroate markierte natürlich überlegene Bestzeit und startete im zweiten Lauf nicht mehr.

Bei Temperaturen von minus 22 Grad fror die Startnummer 97 am meisten - der Ghanese Nkrumah-Acheampong. Er war, wenn man so will, punkto Medieninteresse der Hermann Maier der Quali. Völlig zurecht, denn der mit Abstand langsamste Athlet war punkto Outfit unschlagbar und überließ in dieser Hinsicht bei seinem ersten WM-Auftritt nichts dem Zufall: Rennanzug, Helm, Ski - alles Ton in Ton im Leoparden-Look.

"Meine Finger sind eingefroren", meinte der im Winter die Val di Fiemme lebende "Leopard", der als Belohnung im Ziel ein Küsschen von Österreichs Ski-Star Michaela Dorfmeister bekam. "Ich kann es besser, habe leider drei, vier schwere Fehler gemacht", analysierte der 32-Jährige, der im ersten Lauf rund 12 Sekunden länger brauchte als der Vorletzte, der Armenier Arsen Poghosjan. "Ich bin hier, um zu lernen. Jetzt weiß ich, wie ein WM-Kurs wirklich aussieht und was ich noch alles trainieren muss", so Nkrumah-Acheampong.

Shame O'Connor war einer aus dem irischen Trio am Montag in Aare. O'Connor hat sich vor allem auf einem 190 Meter langen, künstlichen "Schneeband" in Dublin auf seine vierte WM nach 1993, 2003 und 2005 vorbereitet. Auch in Radstadt schwang sich der gelernte Computer-Fachmann ein. "Ich liebe die Berge", antwortete der 33-jährige Ire auf die Frage, warum er Ski fährt. Seine Vorbilder sind US-Star Bode Miller und der Schotte Alain Baxter. Viel lieber als Ski zu fahren, spielt O'Connor aber Curling.

Der Lette Krauja spricht sehr gut Deutsch, denn der 21-Jährige war vier Jahre lang in der Hotelfachschule Bad Hofgastein. In der selben Schule also wie ÖSV-Abfahrts-Star Hans Grugger, den er natürlich gut kennt. "Ich habe ihm einige Paar Schuhe abgekauft", berichtete Krauja über sein weltcup-erprobtes Material. Jetzt lebt Krauja wieder in Riga, zum Trainieren bleiben meist vier Wochen pro Jahr, zwei in Österreich und zwei in Skandinavien.

Hamit Sare berichtete, dass die Leute in seiner türkischen Heimat "sehr viel Geld fürs Skifahren ausgeben". Der 24-Jährige kommt aus Bursa. "Dort haben wir dreieinhalb Monate im Jahr Schnee. Zum Trainieren komme ich aber nur am Wochenende." Nicht nur der Türke fühlte sich am Montag in Aare bei einem der bisher wohl außergewöhnlichsten Tage der WM-Geschichte ein bisschen wie der "Herminator".

Die Senegalesen konnten hingegen weniger lachen. Verbandspräsident Lamine Gueye wurde nicht müde, immer wieder zu betonen, dass das neue Quali-Format das Ende für die Exoten sei. "Das ist das Ende für uns. Es wird so enden, dass nicht mehr 62, sondern nur noch 20 Länder an der WM teilnehmen. Die FIS rammt uns das Messer in den Rücken", so der erboste Gueye.

"Moldawier" Imboden gewann Quali
Der für Moldawien startende Schweizer Urs Imboden ist schließlich der Schnellste in der erstmals bei einer WM ausgetragenen RTL-Qualifikation gewesen. Der 32-Jährige distanzierte in 2:26,81 Minuten die Konkurrenz klar, dahinter folgten der Japaner Akira Sasaki (+0,73 Minuten) und der Kroate Dalibor Samsal (0,93).

Die Top-25 dieses Rennens, bei dem im zweiten Lauf der ÖSV-Coach Rainer Gstrein als Kurssetzer fungierte, sind für den WM-Riesentorlauf qualifiziert. Um WM-Rennen mit einer zu hohen Teilnehmerzahl zu verhindern, hat die FIS das Teilnehmerfeld des "Hauptrennens" auf 75 Starter reduziert und erstmals in RTL und Slalom eine derartige Quali eingeführt. Die Top 50 der Weltrangliste waren fix qualifiziert.

Die Top-10 der RTL-WM-Quali der Herren:

1. Urs Imboden MDA 2:26,81 Minuten
2. Akira Sasaki JPN +0,73 Sekunden
3. Dalibor Samsal CRO 0,93
4. Danko Marinelli CRO 1,82
5. Jaroslav Babusiak SVK 1,97
6. Stefan Georgiew BUL 2,22
7. Natko Zrncic-Dim CRO 2,35
8. Christophe Roux MDA 2,39
9. Roger Vidosa AND 2,40
10. Stephan Keppler GER 2,41
weiter:
65. Arsen Poghosjan ARM 41,82
66. Kwame Nkrumah-Acheampong GHA 1:17,19

(APA/Red)