Lehrerdienstrecht von

Bildungsreform gefordert

Grüne fordern mehr Anwesenheit - Schilcher hält VP-Vorschlag für verfassungswidrig

Pressekonferenz für Bildungsreform © Bild: APA/GEORG HOCHMUTH

Einen "außerparlamentarischen Notwehrakt" zur Überwindung der "Katastrophenstimmung" nach dem VP-Vorschlag zum Lehrerdienstrecht wollen die Grünen und Initiatoren des Bildungsvolksbegehrens starten. Bei einer Pressekonferenz am Freitag wurde das VP-Modell zerpflückt und forderte eine "grundlegende Reform" statt "kosmetischer Änderungen". Einen ursprünglich geplanten grün-roten Schulterschluss verhinderte eine höhere Macht - der für die Pressekonferenz ebenfalls angekündigte SP-Bildungssprecher Elmar Mayer habe offenbar sein Flugzeug aus Vorarlberg nicht erreicht, so Walser.

Wie die ÖVP plädiert Walser für eine längere Präsenzpflicht der Lehrer an den Schulen statt einer reinen Festlegung der Unterrichtszeit. Im Gegensatz zur ÖVP legte er aber auch gleich Zahlen auf den Tisch: Ihm schwebt eine tägliche Kernzeit für Lehrer an der Schule von neun bis 15 Uhr vor, wobei diese Zeiten je nach Notwendigkeit flexibel sein sollen. Bei entsprechender Ausstattung der Schulen mit Möglichkeiten zur Vor-und Nachbereitung wäre auch eine Verlängerung möglich - dann müssten aber auch alle Arbeiten an der Schule erledigt werden können: "Wie die Kinder haben auch die Lehrer dann Anspruch auf Freizeit."

Bulant zeigte sich "empört" über den VP-Vorschlag, der aufgrund der Ungleichbehandlung künftig gleichwertig ausgebildeter Lehrergruppen eine "Beleidigung" der 65.000 Pflichtschullehrer darstelle, "weil ihnen damit mitgeteilt wird, dass ihre Arbeit minderwertig ist". Dabei gehe es nicht nur um ein reines Kollektivvertragsdenken, sondern auch um volkswirtschaftliche Überlegungen: "50 Minuten Leseerziehung in der Volksschule haben doch mindestens den selben Wert wie 50 Minuten Mathematik irgendwo in der Sekundarstufe." Wenn Lehrer gleichwertig ausgebildet seien, führe auch kein Weg daran vorbei, sie in Bezahlung und Dienstrecht gleichzustellen.

Bildung als Wahlkampfthema

Der ehemalige steirische Landesschulratspräsident und Zivilrechtsprofessor Bernd Schilcher(VP) hält unterschiedliche Gehälter für Pflichtschul- und AHS- bzw. BHS-Lehrer nach Umsetzung der neuen Lehrerausbildung für verfassungswidrig. Bei der Prüfung einer Gleichheitswidrigkeit würden die Verfassungsrichter vor allem die Ausbildung und die Art der Tätigkeit heranziehen - bei gleichwertiger Ausbildung mit gleichem Abschluss und Unterricht nach dem gleichen Lehrplan wie etwa in AHS-Unterstufe und Hauptschule sei eine Ungleichbehandlung praktisch evident.

Unterschiedliche Auffassungen gab es beim Supportpersonal wie Schulpsychologen oder Sozialarbeiter: Schilcher hält rund 2.000 Personen für ausreichend, wenn für kleinere Schulen beim Landesschulrat eine Art Pool eingerichtet wird. Walser geht von einer nötigen Richtgröße von zehn Prozent der Lehreranzahl, also ca. 12.500 Personen aus - und Bulant kann nicht verstehen, warum Lehrer-Chefverhandler Paul Kimberger (FCG) eine Zahl von 13.000 Personen genannt habe "und jetzt applaudiert, wenn (VP-Finanzministerin Maria, Anm.) Fekter 2.000 anbietet".


Der ehemalige SP-Vizekanzler Androsch will seine Parteifreunde dazu bringen, Bildung zu einem zentralen Thema im Wahlkampf zu machen. Mittlerweile habe "zum Glück auch der Bundeskanzler begonnen, sich des Themas anzunehmen, wenn auch noch nicht genug". "Leider" habe der Vizekanzler dasselbe gemacht, meinte Schilcher, der die VP in Sachen Bildungsprogramm 1974 "ungleich fortschrittlicher als heute" sieht.

Kommentare

christian95 melden

Seit 1945 wählen wir immer wieder SPÖ+ÖVP. Seit damals fühlt sich die ÖVP als "Schützer der Pfründe" für die Lehrer.
Wer daher mehr Bildung und mehr Stunden Unterricht für die Kinder will, darf die ÖVP nicht wieder wählen.
Wahltag ist Zahltag!

Rasso melden

Welche Pfründe - sprechen Sie als Insider

christian95 melden

Kein anderer Arbeitnehmer kann 8 Uhr zur Arbeit und bereits um etwa 12 Uhr seinen Arbeitsplatz verlassen,
kein anderer Arbeitnehmer bekommt 3 Monate Urlaub und hat auch lebenslang einen sicheren Arbeitsplatz usw., usw.,
Die ÖVP will uns erklären, je weniger Unterricht unsere Kinder bekommen um so klüger werden sie, je mehr Unterricht sie bekommen um so schlechter für sie?????

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