Lehrer-Revolution an Österreichs Schulen

Experten über das Aus für schlechte Lehrer

Lehrer-Revolution an Österreichs Schulen © Bild: NEWS/Deak

Andreas Salcher, Autor des Aufregerbuches „Der talentierte Schüler und seine Feinde“, spricht von fünf bis zehn Prozent Versagern unter Österreichs LehrerInnen. Fünf Prozent wären 6.000 an der Zahl, die „Jahr für Jahr auf Tausende Kinder losgelassen werden“.

Eine erschreckende Zahl. Dagmar Spitznagl vom BG/ BRG Alt Erlaa in Wien-Liesing kommt nach 35 Jahren Beruf­s­erfahrung zum gleichen Er­gebnis: „Ich glaube, es gibt bis zu fünf Prozent an Lehrern, die für diesen Beruf nicht geeignet sind.“ Die Expertenkommission unter Vorsitz des früheren steirischen Landesschulratspräsidenten Bernd Schilcher und der Infineon-Vorstandsvorsitzenden Monika Kircher-Kohl, die eben ihren zweiten Bericht vorgelegt hat, spricht im Gegensatz dazu von „ausgezeichneten LehrerInnen“. Und macht vor allem die uralten, starren Strukturen und Ideologien des Schulsystems für die Mängel verantwortlich. Ihre „Empfehlungen für eine Gesamtreform“ zielen daher auf eine ziemlich neue Schule, ganz andere Strukturen – und streng ausgewählte, motivierte Lehrkräfte“ ab.

Die Abschaffung der Pragmatisierung. Der wirkliche Paukenschlag aber kommt von SPÖ-Unterrichtsministerin Claudia Schmied höchstpersönlich. Im NEWS-Interview redet sie erstmals klar über ihre Präferenz. Und die ist eindeutig: „Ich brauche die Pragmatisierungen nicht.“ Zudem will sie Eignungstests für Lehrer. Ideen, die sich nun im Bericht der Expertenkommission wiederfinden. Und der bedeutet good news für engagierte Lehrer, aber bad news für die schlechten. Und so heißt es im Bericht denn auch: „Die Abschaffung von Pragmatisierungen und schulfesten Stellen wird empfohlen.“

Was viele empören wird – obwohl ja bei weitem nicht alle Lehrer unter diesem Schutz stehen, weil immer mehr Vertragsbedienstete sind. Hannes Maresch von der Handelsakademie Akademiestraße in Wien – Innere Stadt unterstützt jedenfalls diese Idee: „Ich halte die Pragmatisierung nicht für sinnvoll. Denn manche fühlen sich damit zu sicher in ihrem Job und erbringen kaum mehr Leistung.“ Künftig sollen laut Experten Direktoren ihr Personal auswählen können und dann Verantwortung dafür übernehmen. Schmied geht noch weiter: Wenn es nicht geht, müsse es möglich sein, sich von Lehrern zu trennen.

Schmied scheut die Konfrontation jedenfalls nicht: Bildungspolitik dürfe nicht der „Umklammerung von Partei- und Standespolitik“ überlassen werden, und es sei nicht die Aufgabe von Gewerkschaftsfunktionären, bildungspolitische Ziele und Reformarbeit definieren zu wollen.

Strenge Lehrerauswahl. Neben Empfehlungen für Frühförderung samt verpflichtendem Vorschuljahr, für ein flächendeckendes Angebot an Ganztagsschulen, dem Kampf gegen die hohen Drop-out-Raten
aus dem österreichischen Schulsystem und der Ak­zeptanz der Zuwanderung als Notwendigkeit, die auch in einer Kosten-Nutzen-Rechnung etwas „bringt“, setzen die Experten an der Wurzel an, und das sind die LehrerInnen, die täglich Einfluss auf die Kinder haben.

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