Lehrer: Kampfmaßnahmen

GÖD gibt OK für weitere Schritte. Wiederaufnahme der Verhandlungen gefordert.

von Lehrerin vor Tafel mit erhobenem Zeigefinger © Bild: Corbis

Immerhin handle es sich bei dem Ministerratsbeschluss ohne Zustimmung der Gewerkschaft um einen "Bruch der Sozialpartnerschaft". Für AHS-Lehrervertreter Eckehard Quin (FCG) ist die Zustimmung des ÖGB bei seiner morgigen Vorstandssitzung ebenfalls fix, "das war in der Geschichte immer nur Formsache". Dessen Vizepräsidentin Sabine Oberhauser (SPÖ) zeigte sich allerdings am Mittwoch am Rande einer Nationalratssitzung noch abwartend: Sie müsse sich den genauen Antrag der GÖD anschauen und hoffe jedenfalls, dass ein Streik noch vermieden werden kann.

Streik ist möglich

Die einzelnen Lehrergewerkschaften rüsten sich nichtsdestotrotz bereits für ein Kräftemessen mit der Regierung. Dabei gebe es eine breite Palette an möglichen Maßnahmen bis zum Streik, so Dienstrechts-Chefverhandler Paul Kimberger (FCG). Nach Zustimmung des ÖGB könnte es laut Quin sehr schnell gehen: "Das kann jederzeit stattfinden." Als wichtiges Datum nannten Neugebauer (FCG) und Quin die letzte Nationalratssitzung vor Weihnachten am 17. Dezember, in der die Dienstrechtsreform beschlossen werden soll. Mit Arbeitsniederlegungen werde die Gewerkschaft allerdings "sehr sorgfältig" umgehen, versprach Neugebauer.

Bei ihren Kampfmaßnahmen wollen die verschiedenen Lehrergruppen (Pflichtschule, Berufsschule, AHS, BMHS, land- und forstwirtschaftliche Schulen) zwar "gemeinsam vorgehen", wie Kimberger betont. Wegen der unterschiedlichen Regelungen zur Aufsichtspflicht - Lehrer sind per Gesetz zur Beaufsichtigung von Schülern zumindest bis zur achten Schulstufe verpflichtet - könnten die Aktionen an den Pflichtschulen allerdings anders aussehen als an den höheren Schulen.

Quin hat angekündigt, dass die Maßnahmen der AHS-Lehrer jedenfalls für die Öffentlichkeit spürbar sein werden. BHMS-Vertreter Jürgen Rainer (FCG) will sich um die Unterstützung von Schülern und Eltern bemühen, außerdem sollen den Parlamentariern die Folgen des neuen Dienstrechts vor Augen geführt werden.

Streikdrohungen: Heinisch-Hosek wenig erfreut

"Wenig Verständnis" für die Streikdrohungen der Lehrergewerkschaft zeigte unterdessen Beamtenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ). Sie appellierte an die Pädagogen, ihre Arbeit wenigstens nur teilweise niederzulegen, da dieser Konflikt nicht am Rücken der Kinder ausgetragen werden dürfe. Viel erreichen werden die Gewerkschafter mit ihren Drohungen nicht, meint die Ministerin: "Wenn es nach mir geht, bedarf es keiner großen Änderungen." Sie zeigte sich überzeugt, dass sich ein Beschluss des "Reformwerks" bis vor Weihnachten ausgeht.

Unterdessen hat mit der Wiener ÖAAB-Chefin Gabriele Tamandl (ÖVP) die erste Koalitions-Mandatarin angekündigt, die Regierungsvorlage abzulehnen, sollte es im parlamentarischen Prozess zu keinen Änderungen kommen: "Dann kann es durchaus sein, dass ich von meinem freien Mandat Gebrauch mache und nicht zustimme." Zuletzt hatten bereits der Gewerkschaftsflügel in der ÖVP und die von der Partei gestellten Landesschulratspräsidenten gegen die Reform protestiert.

Kommentare

brauser49

Mit mehr Stunden kann ein Lehrer nicht Schueler BESSER unterichten, 1h hat nunmal nur 50 min. - Aber er kann eine Klasse mehr unterrichten. Und mit diesem Neu-GEH-Bauer haben sie sich keinen Gefallen getan !

brauser49

Lehrer, Turnen+Geschichte, erzählt mir er sei voll ausgelastet...Leider lässt sich das von uns nicht beurteilen. Lassen wir sie doch fuer ihre ,Hausaufgaben` in der Schule, mit Stechuhr wenn sie das wollen. Was kann man von diesen voellig kontroversen Meinungen noch halten? Ich bin nicht meinungslos, aber ueberfragt.

Auf welcher Seite stehen z.B. die ÖAAB Obfrau Mikl-Leitner? Auf der Seite der Regierung oder auf der Seite der Lehrer. (Ebenso Spindelegger ÖAAB oder Hundsdorfer als ehemaliger ÖGB Präsident???)

Das österreichische Bildungssystem ist eines der teuersten auf der ganzen Welt, aber mit nur mittelmäßigen Erfolg-. (Pisa Test)
SPÖ+ÖVP versorgen auch bei den Lehrern weiterhin ihre Parteigünstlinge mit sichere, hochbezahlte Jobs. KEINE andere Berufsgruppe genießt solche Privilegien wie die Lehrer! (3 Monate Urlaub, von 8 h bis 12 h in der Schule, danach Freizeit usw.)

derpradler

Herr und Frau Österreicher sollten den angeborenen Neidkomplex behandeln lassen. Kein normaler Mensch kann nachvollziehen warum ausgerechnet unsere Schulen "besser" werden sollten, wenn man die Lehrer schröpft. Begreift doch endlich, daß alle Strukturänderung "Einsparungen " sind und zu Lasten der breiten Bevölkerng gehen!

christian95 melden

Es war einmal..... ein Lehrer der fand wegen seinem Zeugnis keine Anstellung. Daher ging er zur Partei, wenig später bekam er eine Anstellung. Heute ist er Direktor und verlangt von Kindern Leistungen die er selber nie geschafft hat. (SPÖ+ÖVP lassen ihre Parteigünstlinge nicht alleine).....

brauser49
brauser49 melden

Ja, ein Märchen...Lass doch deine ewigen politschen Meinungen weg und verschone uns mit `´Stehsätzen`´ wie Wahltag ist Zahltag. Muesste auch dir nicht entgangen sein das die Wahlen geschlagen sind. Oder hast das nicht mitbekommen. Guten Morgen !

brabus melden

Lehrer sind ihren Arbeitgebern (Land/Bund) und ihren 'Kunden' (Schüler) verpflichtet, durch hochwertige Lehreinheiten (Unterricht) bei maximaler Effizienz (Kosten - Nutzen) den kommenden Generationen, die das Rückgrad des Wirtschaftsstandortes Österreich bilden sollen, das dazu erforderliche Wissen praxisnah zu vermitteln. Die Gewerkschaft und jede einzelne Person in dieser Rolle hingegen schert sich sichtlich einen Dreck um diese Anforderungen und ist somit auch persönlich verantwortlich für den weiteren Niedergang des Bildungswesens in diesem Land.

christian95 melden

100% richtig!!!!!
Seit 1945 versorgen SPÖ+ÖVP ihre Parteigünstlinge auch bei den Lehrern. - Und "WIR"? Wir wählen sie dafür immer wieder!

günza melden

wow, brabus bist Du selbst Lehrer. Wie Du das geschrieben hast scheint das ein Auszug aus einer Doktorarbeit zu sein.

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Lieb, also lauter kleine Ameisen.
Aber Bildung ist nicht Anwendungswissen, sondern letzteres nur Teil von erstem. Und Bildung hat auch nicht das Ziel der Wirtschaftsförderung, wir lernen nicht,damit wir ein besonders gut geöltes Rädchen in der Profitmaschinerie sind. Und was Sie mit einer Kosten-Nutzen-Rechnung und praxisnaher Vermittlung von Wissen für die Wirtschaft erreichen, sind dann lauter dressierte kleine Meerschweinchen, aber keine mündigen Bürger, von innovativ gar nicht zu reden. Vor allem, wie wollen wir wissen, was für die Wirtschaft in Zukunft erforderlich ist? Nach der Logik gäbe es heute keine moderne Genetik denn wer brauchte einst verschrobene Witzbolde,die im Kämmerchen mit Drosophila herumexperimentierten.Und auch Computer waren vor nicht allzulanger Zeit eine esoterische Spinnerei.
Sämtliche Verschlechterungen im Bildungswesen gehen darauf zurück, dass ein paar Witzbolde es stromlinienförmig, schnell und anwendungsorientiert haben wollten. Die Unis haben die Anbeter der Fachtrottelei eh schon ein Stück weit demoliert, man halte sie wenigstens von den Schulen fern, bevor die Welle uniformierten Denkens uns endgültig in funktionsfähigem Nepochantentum ersäuft.

Sorry, brabus, aber schärfster Widerspruch von meiner Seite.


brabus melden

Ich denke ich hab mich da etwas unklar ausgedrückt. Es geht sicher nicht darum kleine dressierte Meerschweinchen aus Kindern zu machen. Im Gegenteil. Aber solange Lehrer ihren Einheitsbrei jahrelang aus den gleichen Unterlagen vorbeten, kann es nur abwärts gehen, denn die Anforderungen ändern sich. Und eine Gewerkschaft die auf alte Strukturen beharrt hat diese Anforderungen nicht erkannt und wirft der Gesellschaft genau jene Knüppel zwischen die Beine, über die wir letztendlich alle straucheln werden wenn jene Schüler die aus einem solchen System hervorgehen nicht in der Lage sein werden die Träger der Wirtschaft in diesem Land zu sein. Und Schlaraffenland gibts leider nicht (für alle) - wir müssen hackeln.

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Schon klar, aber wenn Bildung fürs hackeln die Voraussetzung ist, muss die allererste Frage wohl sein, ob sich durch dieses neue Lehrerdienstrecht irgendetwas am Bildungswesen verbessert, oder? Und wenn nicht nur die Lehrer, sondern auch Elternvereine, Schülervertreter und Bildungsexperten mal ausnahmsweise an einem Strang ziehen und der Meinung sind, dass das nicht der Fall ist, weils durch das neue Dienstrecht zu einer Nivellierung der Lehrer nach unten kommt, weils nur dann etwas bringt Lehrer mehr Stunden unterrichten zu lassen, wenn sie dadurch auch mehr Zeit für Schüler und nicht mehr Schüler und Klassen haben, uvam., muss die Frage zulässig sein, ob hier nicht Qualität auf Kosten von Sparmaßnahmen geopfert wird.

Und was die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Anforderungen betrifft, die müssen nicht immer positiv sein und da kann man ruhig mal gegensteuern. Einstein hat einmal gesagt,hätte man die Fragen den Technikern und nicht den Physikern überlassen,säße man mit perfekten Petroleumlampen aber ohne Glühbirnen da. Wenn Sie nur dort lehren, lernen und forschen, wo von vorne herein klar ist,wohin es geht, verlieren Sie den wichtigeren Teil. Und da Sie a priori niemals wissen können, wo Praktisches abfällt (die Genetik war wie schon gesagt vor vierzig Jahren l'art pour l'art, weil die Züchter auch ohne Drosophilaexperimente wussten,wie sie Schweinderln zu kreuzen hatten, heute hängt eine Industrie dran-sehr zu meinem Leidwesen übrigens), ist es präpotent von vorne herein in Brauchbares und Unbrauchbares einzuteilen - aber das ist die Argumentationslinie all derer, die praxisorientiertes Anwendungswissen für Schule und Universität fordern. Und die Logik,dass man mit allem, was man lernt, sich oder etwas verkaufen muss, ist nonsens. Und darum gings mir.

SPÖ+ÖVP in der Regierung GEGEN SPÖ+ÖVP in der Gewerkschaft!
Alles auf Kosten unserer Kinder!

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