Lehmann wird zum Unsicherheitsfaktor:
DFB-Tormann war alles andere als souverän

Trotzdem Rekord:Schon 531 Minuten ohne Gegentor Löw vertraut 38-jährigem Arsenal-Keeper weiterhin

Lehmann wird zum Unsicherheitsfaktor:
DFB-Tormann war alles andere als souverän © Bild: AP/Punz

Trotz des 3:0-Siegs im Fußball-Testspiel gegen Österreich und dem neuen Rekord von 531 Minuten ohne Gegentor kann DFB-Teamgoalie Jens Lehmann auf keinen allzu erfolgreichen Abend zurückblicken. Der Arsenal-Keeper sah in mehreren Szenen schlecht aus und heizte damit die Diskussionen um seine umstrittene Nummer-Eins-Rolle im Team weiter an. "Lehmann hat die eine oder andere Unsicherheit gezeigt. Es war uns klar, dass wenn er einen Fehler macht, Diskussionen aufkommen", sagte DFB-Teamchef Joachim Löw.

In der 23. Minute spitzelte Martin Harnik den Ball am unmotiviert herauslaufenden Lehmann vorbei, Roland Linz' Schuss aus spitzem Winkel in Richtung des vom DFB-Goalie verlassenen Tors wurde jedoch von Mertesacker vor der Linie geklärt. "Ich glaube, beim ersten Ball habe ich mich verschätzt, weil der Platz ein bisschen glitschig war. Ich habe den Ball länger erwartet. Dann war es natürlich schlecht von mir", begründete der 38-Jährige.

Nach dem darauffolgenden Eckball von Ivanschitz kam Lehmann nur mit den Fingerspitzen an den Ball, der Kopfball von Pogatetz ging nur um Zentimeter über die Querlatte. Wieder gab es Corner, und wieder brannte es lichterloh im deutschen Strafraum: Ivanschitz zirkelte den Ball auf Harnik, der Bremen-Legionär hatte allerdings mit einem Lattenkopfball Pech. "Bei einer Flanke sind wir normal gewohnt, dass er die Lufthoheit hat", merkte Löw an. Nach dem Seitenwechsel war der Arsenal-Goalie weiterhin ein Unsicherheitsfaktor. Nach einem Harnik-Schuss ließ er den Ball abprallen, der heranstürmende Linz bugsierte das Leder aber nur ans Außennetz (54.).

Fehlende Spielpraxis
Dass die schwache Leistung des Keepers, der sich nur einmal bei einem Fuchs-Schuss mit einer Fußabwehr auszeichnen konnte (29.), mit seiner mangelnden Spielpraxis beim englischen Erstligisten Arsenal in Zusammenhang steht, wollte Löw nicht bestätigen. "Ich würde es nicht unbedingt darauf zurückführen, weil Jens schon bewiesen hat, dass er auch, wenn er einmal einige Wochen nicht gespielt hat, konzentriert agieren und viel Ruhe ausstrahlen kann".

Kritik am deutschen Schlussmann kam jedenfalls von Fußball-Kaiser Franz Beckenbauer, der in seiner "Bild"-Kolumne meinte: "So unsicher wie diesmal habe ich Jens Lehmann selten gesehen. Drei heftige Wackler in einer Minute, er hat Glück, dass er am Ende zu Null gespielt hat." Ähnliches war vom ARD-Experten Günter Netzer zu hören: "Ich habe Lehmann lange nicht so schlecht gesehen. Es ist einfach so: Spielpraxis ist durch nichts zu ersetzen. Man darf das nicht so abtun: Mal spielt er, mal spielt er nicht, das ist ein großes Thema."

Löw und Bierhoff weiterhin mit Vertrauen
Trotz aller Unsicherheiten stehen sowohl Teammanager Oliver Bierhoff, als auch Löw weiterhin hinter dem Keeper. "Es ist lobenswert, dass er trotz der Fehler sein Spiel durchzieht und er hat immer auch Sicherheit ausgestrahlt", erwähnte Bierhoff. Er habe zwar zwei schlechte Situationen gehabt, "das ändert aber nichts an dem Vertrauen, das wir in ihn haben". Und der DFB-Coach fügte hinzu: "Wir haben weiterhin sehr viel Vertrauen zu ihm."

Die Statistik spricht jedenfalls für Lehmann, der mit 531 Minuten im DFB-Dress ohne Gegentreffer seinen eigenen Team-Rekord vorerst um zwei Minuten verbessert hat. Bisher letztmals bezwungen wurde der Tormann-Routinier im August 2007 beim 2:1-Erfolg in London gegen England von Frank Lampard (9.).

Bei seinem Club in England hatte Arsenals "FA-Cup-Goalie" vor seinem 52. Länderspieleinsatz im Duell mit Manchester City erstmals seit dem 19. August 2007 wieder in der Meisterschaft von Beginn an gespielt. Allerdings nur, da Stammgoalie Almunia wegen einer Daumenverletzung passen musste.

(APA/red)

CASHPOINT - Wollen wir wetten?
Click!