Lebenszeichen von entführtem Deutschen: Hilferuf von Rudolf B. via Video an Regierung

Bemühungen um Befreiung müssen verstärkt werden Bei Verhandlungen scheine etwas "schief zu gehen"

Wenige Tage vor der Afghanistan-Entscheidung im deutschen Bundestag ist von dem entführten Deutschen Rudolf B. ein neues Lebenszeichen aufgetaucht. Der Bauingenieur habe einem afghanischen Journalisten gesagt, er fordere von der Bundesregierung ihren Einsatz um seine Freilassung, meldete die Nachrichtenagentur Pajhwok aus Kabul. Das Auswärtige Amt wollte sich zunächst nicht dazu äußern.

Von der deutschen Geisel Rudolf B. verfügt die Agentur Pajhwok nach eigenen Angaben über Videos und Fotos. "Die afghanische und die deutsche Regierung müssen ihre Bemühungen um unsere Befreiung verstärken", sagte die deutsche Geisel demnach mit leiser Stimme. Rudolf B. und die mit ihm gefangen gehaltenen fünf Afghanen litten unter der Geiselhaft in einem kalten, dunklen Raum. Die Entführer forderten dem Bericht zufolge erneut einen Abzug der deutschen Truppen aus Afghanistan oder alternativ eine Freilassung von Taliban-Häftlingen durch die afghanische Regierung.

Die Online-Ausgabe der "Bild"-Zeitung berichtete von einem vom afghanischen Privatsender Tolo TV ausgestrahlten Video, in dem der seit dem 18. Juli entführte Bauingenieur erschöpft wirke. "Meine Medizin geht in drei Tagen zu Ende. Ich bitte alle meine Freunde in Deutschland um Hilfe," sagte der unter Herzproblemen leidende Rudolf B. demnach verzweifelt.

Bei den Verhandlungen scheine etwas "schief zu gehen", sagt er laut "bild.de" außerdem. Die radikalislamischen Taliban hätten versucht, Verbindung mit der deutschen Botschaft aufzunehmen. "Aber wenn die Zeit vorbei ist, wollen sie uns töten," sagte Rudolf B. demnach. Er war mit seinem deutschen Kollegen Rüdiger D. in der südafghanischen Provinz Wardak verschleppt worden. Dieser wurde nach einem Kreislaufzusammenbruch erschossen.

Das deutsche Außenministerium wollte zu den neuen Lebenszeichen keine Stellung nehmen. "Der Krisenstab arbeitet mit unverminderter Intensität an der Freilassung der deutschen Geisel und wertet dabei alle verfügbaren Informationen aus," sagte ein Sprecher.

(apa/red)