Lebensmittel-Aufreger 2009: Alles rund um den Schummelschinken und den Kunstkäse

Konsumenten mit falscher Bezeichnung in Irre geführt Wie gesundheitsschädlich die Imitate tatsächlich sind

Lebensmittel-Aufreger 2009: Alles rund um den Schummelschinken und den Kunstkäse

Im Sommer waren sie in aller Munde – und leider auch (unwissentlich!) in vieler Leute Magen: der Kunstkäse und der Schummelschinken. Zuerst entbrannte die Diskussion um den Käse, der in Wahrheit gar keiner ist. Dann musste man sich zusehends die Frage stellen, ob das, was auf der Pizza landet, wirklich Schinken ist.

Zu finden ist der "Analogschinken" auf Pizzen und in Fertiggerichten. Was im Großhandel als "Pizzablock" bezeichnet wird, ist zwar kein rein chemisch hergestelltes Lebensmittel, wird in der Gastronomie aber als Schinken verkauft. Anders beim Käseimitat, das sich ebenfalls auf der Pizza, in Lasagne, Cordon bleu oder Gratin versteckt. Dieses kann zur Gänze nachgemacht werden, wodurch es nichts mehr mit seinem Namensgeber gemein hat.

Alles nur gefaked?
Laut dem Verbraucherschutzmagazin "Konsument" haben in Österreich nur zwei Handelsketten Analogkäse im Sortiment. Restaurants und Fast-Food-Restaurants verwenden ihn laut eigenen Angaben kaum. Und wer ihn doch mal über Lasagne oder Pizza gestreut hat, tat dies angeblich ohne zu wissen, dass es sich hier um ein Imitat handelte. Eine österreichische Molkerei gestand, Käseersatz zu erzeugen – allerdings nur für den Export. Dafür wird auf bestimmte Pizzen vom "Pizza-Flitzer" eine eigens in Holland produzierte Mischung aus analogem und echtem Käse gestreut.

Konsumenten in die Irre geführt
Im Vergleich zum echten Schinken enthält Analogschinken einen zu hohen Wasseranteil und viele Bindemittel. "Mit Kunstfleisch hat das aber nichts zu tun", so Konsumentenschützer Heinz Schöffl von der Arbeiterkammer Wien. "Das Problem ist, das es keine Kennzeichnungspflicht für die Gastronomie gibt." Grundsätzlich ist Schummelschinken gesundheitlich unbedenklich, da es sich um herkömmlich gepökeltes Fleisch mit mehr Wasser und Phosphaten, die auch in den meisten Würsten enthalten sind, handelt. Für Abnehmwillige, salopp gesagt, sogar willkommen, hat der Schinken durch den höheren Wasseranteil doch weniger Kalorien.

Entwarnung: nicht gesundheitsschädlich!
Auch die Käseimitate sind nicht gesundheitsschädlich. Doch was ihren Nährwert anbelangt, können sie vor allem wegen des fehlenden Kalziums mit Käse nicht mithalten. Die Frage ist daher weniger, wie gesund oder ungesund die Produkte sind. Mehr geht es darum, dass der Konsument auch das bekommt, was man ihm verkauft. "So wie Margarine auch nicht Butter heißt", meint Ernährungswissenschafterin Birgit Beck, sollten die Imitate nicht Käse oder Schinken genannt werden. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte bei Fertiggerichten die Zutatenliste prüfen: Je länger sie ist und je mehr E-Nummern sie enthält, umso länger wurde das Produkt verarbeitet. Kurz gesagt: Je kürzer die Zutatenliste umso besser. (apa/vk)