Lebenslustige Wiener Witwe erdrosselt - Angeklagter: "Habe sie nicht getötet!"

29-jähriger Mann vor Wiener Schwurgericht Gericht will heute Urteil verkünden

Als mutmaßlicher Witwenmörder muss sich ein 29-jähriger Rumäne vor einem Wiener Schwurgericht verantworten. Der Mann soll die 66-jährige Elisabeth K. am 26. Jänner 2002 in ihrer Wohnung getötet haben, nachdem er sie wenige Stunden zuvor in einer Bar kennen gelernt hatte, wo er von ihr angesprochen und mit nach Hause genommen wurde. "Ich habe sie nicht getötet", beteuerte der Angeklagte. Das Urteil soll heute gesprochen werden.

Die lebenslustige Witwe soll sich gern in Nachtlokalen und Clubs aufgehalten haben, wo sie vor allem Kontakt zu männlichen Gästen suchte. Der damals 25 Jahre alte Rumäne war als Tourist aus Budapest, wo er auf einem Markt beschäftigt war, nach Wien gekommen, als sich die Pensionistin zu ihm setzte und ihn auf ein Getränk einlud. Ihre Aufforderung, sie doch nach Hause zu begleiten, nahm er nach mehreren Lokalwechseln an.

Staatsanwältin Gabriele Mucha zeigte sich überzeugt, dass zu diesem Zeitpunkt bereits eine sexuelle Komponente im Spiel war: "Sie war zwar ein bisschen älter wie er, aber eine durchaus attraktive Frau." Tatsächlich wurden die beiden in der Wohnung intim. "Plötzlich empfand er sie als aufdringlich. Als sie ihn auch noch dazu bewegen wollte, bei ihr zu bleiben, hat er sich kurzerhand entschlossen, sich ihrer zu entledigen", berichtete die Staatsanwältin.

Mit einem Hocker habe der Mann zunächst auf sein Opfer eingeschlagen, wobei das Blut bis an den Deckenleuchter gespritzt sei. Anschließend habe er sie mit ihrer Pyjamahose erdrosselt, danach die Wohnung durchsucht und aus einem Geldkuvert 440 Euro entnommen, sagte die Anklägerin. Dass dabei ein Tropfen seines eigenen Blutes den Umschlag benetzte, den er am Tatort zurückließ, dürfte ihm entgangen sein - für die DNA-Experten war das der eindeutige Beweis, dass der Verdächtige in der Wohnung war und diese durchstöbert hatte, was er nach seiner Festnahme zunächst überhaupt bestritten hatte.

Seine Anwesenheit stellte der Angeklagte nun nicht mehr in Abrede, er gab sogar den intimen Kontakt zu: "Ich hab' sie auf höchstens 50 geschätzt." Als er gehen wollte, habe ihn die Frau jedoch gebissen, worauf er sie "weggestoßen" habe: "Das ist eine normale Reaktion eines Mannes. Ich war nicht wütend. Ich konnte es nur nicht glauben, dass mir das passiert ist. Es war ein Blödsinn, dass ich nach Wien gekommen bin."

Als er die Wohnung verließ, habe die Frau noch gelebt, beteuerte der Angeklagte. Verteidiger Helge Doczekal verwies auf den großen Bekanntenkreis der Witwe. Nach ihrem gewaltsamen Tod - die Tochter hatte erst einige Tage später die Leiche entdeckt, während sich der junge Rumäne längst ins Ausland abgesetzt hatte - wären 92 Männer ermittelt worden, die mit der Pensionistin Kontakt hatten: "Es ist nicht auszuschließen, dass einer von ihnen oder ein Unbekannter diese Tat verübt hat."

Der Rumäne, der sich zuletzt illegal in Deutschland aufhielt, war zu Jahresbeginn auf Basis eines internationalen Haftbefehls festgenommen worden, als er Richtung Polen ausreisen wollte. Er hatte auch seine Fingerabdrücke am Tatort hinterlassen, die von der Polizei an nicht weniger als 50 Staaten weltweit verschickt worden waren. Als die deutschen Behörden routinemäßig überprüfen wollten, ob gegen den Mann etwas vorliegt, landeten sie einen Volltreffer. Er wurde rasch an Österreich ausgeliefert.

Der Angeklagte dürfte grundsätzlich weniger Interesse an jüngeren Frauen haben: In Deutschland hatte er zuletzt in einer Beziehung mit einer 54-Jährigen gelebt.

(apa)