Lebenslang für 19- Jährigen Amokläufer: Höhere Strafe wegen rassistischer Motive

Antwerpen: 2-Jährige und Kinderfrau erschossen Verkündung des Urteils scheinbar ohne Reaktion

Der 19-jährige Amokläufer, der im Mai 2006 in Antwerpen ein zweijähriges Mädchen und dessen afrikanische Kinderfrau erschossen sowie eine türkische Frau schwer verletzt hatte, muss lebenslang in Haft. Mit diesem Urteil folgte ein Gericht in der belgischen Hafenstadt dem Antrag des Anklägers, der dem jungen Mann keinerlei strafmildernde Umstände zugestand.

Hans Van Themsche ist laut Urteil des zweifachen Mordes sowie des Mordversuches schuldig und beging die Taten aus rassistischen Motiven. Damit berief sich erstmals ein belgisches Gericht auf ein seit 2003 geltendes Gesetz, das in diesem Fall schärfere Strafen vorsieht.

Van Themsche folgte der Verkündung des Urteils mit gesenktem Kopf und scheinbar ohne Reaktion. Ohne Erfolg hatte die Verteidigung in dem Prozess zuvor vorgebracht, der Student sei für seine Gewalttaten wegen einer besonderen Form von Autismus nicht voll verantwortlich zu machen und müsse deshalb in eine besondere Einrichtung statt in das Gefängnis.

Die zwölfköpfige Geschworenenjury folgte dem nicht und kam stattdessen zu dem Schluss, Van Themsche sei sich seiner Taten vollkommen bewusst gewesen und daher voll verantwortlich. Der Täter habe "in blinder Gewalt ohne jeglichen Respekt vor dem Leben und der Unversehrtheit anderer" gehandelt, sagte der Vorsitzende Richter Michel Jordens in seiner Urteilsbegründung.

Bei dem Amoklauf in der Antwerpener Altstadt soll van Themsche regelrecht "Jagd" auf Ausländer gemacht haben. Der Student erschoss dabei eine 24-jährige Frau aus Mali sowie anschließend das zwei Jahre alte Baby, um das sie sich gekümmert hatte. Eine zufällig in der Nähe auf einer Bank sitzende 47 Jahre alte Türkin verletzte der Schütze schwer. Erst ein Polizist, der den Täter anschoss, stoppte den 19-Jährigen, der nach eigenem Bekenntnis anderenfalls seinen Amoklauf fortgesetzt hätte.

(apa/red)