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Ein Abriss über neue Abrisse

Christoph Bacher über fehlenden Willen zur Altstadterhaltung

Lebens-Art - Ein Abriss über neue Abrisse © Bild: NEWS

In Frankfurt herrscht Gründerzeit. Die Metropole am Main will um satte 130 Millionen Euro ihre im Zweiten Weltkrieg zerstörte Altstadt wieder aufbauen. "Schmuckkästchen gegen Sparkassenarchitektur", tönt dort die Volksmeinung, die auch in der aktuellen Krisenzeit Budgetmillionen lockermacht.

Das UNESCO-prämierte Wien, so meint der Historismus-geblendete Spaziergänger, muss darüber gar nicht nachdenken. Stimmt zum Teil – denn viele Hausherren sanieren ob der regen Altbau-Nachfrage ohnehin entsprechend profitbewusst. Trotzdem gibt es weiter Spekulanten, die wissen, dass Neubauten mit geringerer Raumhöhe mehr Etagen und damit vermietbare Fläche erlauben. Sie reißen in Wien – auch wegen fehlender Schutzzonen – bis zu 30 Altbauten pro Jahr ab (unter anderem soll jetzt das seit Jahren umstrittene Haus mit Ninas Bar fallen).

Und sie haben einzelne Politiker auf ihrer Seite – wie den altgedienten Döblinger Bezirkschef Adi Tiller. Der will jetzt "ein Jugendstiljuwel in einem historischen Ensemble" (Architekturhistoriker Walter Krause) zerstören, um dort ein durchschnittliches Glashotel zu bauen. Konkret auf der Döblinger Hauptstraße 2. Klar, alles lokale Einzelfälle. Trotzdem komisch, dass die einen teuer aufbauen, was die anderen billig abreißen.

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