Leben von

Liebesgruß an den Kasperl

Heinz Sichrovsky gratuliert zum Fünfundsechziger und appelliert an Eltern

Heinz Sichrovsky © Bild: NEWS

Es gibt Institutionen, deren Nutzer den Beschränkungen des Alters vorbildlich widerstehen. Zum Beispiel führt die Abonnentenkartei der Wiener Philharmoniker Aktiv-Untote erheblich jenseits der 100 (das Sonntags- Abo im Musikverein erlischt mit dem Tod des Inhabers, die Wartezeit dauert Jahre, also überweisen ganze Erbengenerationen meuchlings im Namen der Verblichenen weiter).

Gerade umgekehrt verhält es sich mit dem Kasperl, dessen idealtypischer Inkarnation in der Wiener Urania ich herzlich zum 65. Geburtstag gratuliere. Frühreife Abonnenten melden schon mit Eintritt des Volksschulalters erste Bedenken an. Man sei schließlich kein Baby mehr und habe sich auch schon erfolgreich, wenn auch unter Schmerzen, vom Osterhasen emanzipiert, wird seitens der coolen Generation oft argumentiert. Da der Kasperl – welch ein Fehler – auch nicht mehr vom Fernsehen übertragen wird, muss er mit der Publikumsrekrutierung also ständig bei Null beginnen.

So bekenne auch ich, über Jahre ein zufriedener, ja enthusiastisch mittrampelnder Abonnent, dass ich lange nicht mehr beim Kasperl war. Meine Töchter sind acht und 13, und bei aller Wertschätzung kann ich meine Familienplanung nicht von meinen theatralen Vorlieben abhängig machen. Vielleicht gehe ich einmal so hin, aber das kann ich nicht versprechen. Ich kann nur an die Eltern zielgruppengerechteren Nachwuchses appellieren: Das hektische Geschrei im Fernsehen und am Computerschirm ist nicht alles. Es gibt auch Herzenswärme, Solidarität, Aufsässigkeit im Rahmen des Sittsamen, mit anderen Worten: den Kasperl. Was meinen Sie? Schreiben Sie mir bitte: sichrovsky.heinz@news.at Liebesgruß an den Kasperl

Was meinen Sie? Schreiben Sie mir bitte: sichrovsky.heinz@news.at

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