Leben in Extremsituationen: Österreichische Grönland-Expedition startet im Juli

Leben in Extremsituationen: Österreichische Grönland-Expedition startet im Juli © Bild: Jakob Lautrup GEUS2001

Österreichische WissenschafterInnen führen heuer bereits zum zweiten Mal auf der Forschungsstation Zackenberg in Nordost-Grönland Untersuchungen durch. Die Universität Wien ist noch bis 22. Juli 2008 mit einem Team des Departments für Limnologie und einem Team des Departments für Naturschutzbiologie, Vegetations- und Landschaftsökologie vor Ort. Über ihre Arbeit berichten die ForscherInnen laufend in der Online-Zeitung der Universität Wien. Die Beiträge sind unter "Notizen aus der Arktis" auf www.dieuniversitaet-online.at nachzulesen.

"Verglichen mit dem letzten Aufenthalt, der Anfang August 2007 begann, stellt sich so manches völlig anders dar. Der Tyrolerfjord ist z.B. noch völlig zugefroren. Dies verhindert die Querung mit einem Boot und die Beprobung der ursprünglich ins Auge gefassten Gletscherflächen. Da die Vorrichtung zur Flussquerung zerstört ist, kann das Zackenbergtal derzeit nicht gequert werden. Die auf der anderen Flussseite im letzten Jahr vergrabenen Temperaturlogger werden also noch eine Zeit warten müssen, bis wir ihre Daten auswerten können", berichtet Karl Reiter, der Leiter des österreichischen Forschungsteams. Weil der Fluss derzeit unpassierbar ist, musste das Arbeitsprogramm kurzfristig geändert werden. Die ersten Proben wurden aber bereits genommen und im gut ausgestatten Labor analysiert.

Forschung zur mikrobiellen Ökologie von arktischen Seen
Forschungsschwerpunkte der limnologischen Arbeitsgruppe (Michaela Panzenböck, Universität Wien, Birgit Sattler und Andreas Fritz von der Universität Innsbruck) sind die Stoffkreisläufe der Ökosysteme der Gletscher. Die LimnologInnen versuchen herauszufinden, welche Bedeutung diese Systeme als Kohlenstoffquelle für aquatische Mikroorganismen im Vergleich zum Kohlenstoff terrestrischen Ursprungs haben. Dazu werden verschiedene Kohlenstoffquellen quantifiziert, qualitativ untersucht und deren Verfügbarkeit für Bakterien experimentell getestet.

Optimale Bedingungen für VegetationsökologInnen des Projekts "GLORIA"
Für die FreilandökologInnen ist die Arbeitssituation auf Zackenberg derzeit optimal, da sich im ganzen Tal, auf den Berghängen und auf den Gipfeln die Vegetation gerade voll entfaltet. "Heuer sind wir mit einer Blütenpracht konfrontiert, die ich so im Vorjahr nicht erlebt habe", vergleicht Karl Reiter. Rund 30 Prozent der in Grönland anzutreffenden Arten sind auch in unseren Breiten bekannt. Für die Region sind ca. 160 Gefäßpflanzen beschrieben, das ist eine beachtliche Diversität für ein Gebiet nördlich des 74. Breitengrades. Bemerkenswert ist das gänzliche Fehlen von Schmetterlingsblütlern, Dolden- und Lippenblütlern auf Grönland.

Das Team des Departments für Naturschutzbiologie (Siegrun Ertl, Karl Reiter und Christian Lettner) wird vor allem Beiträge zum international tätigen Forschungsprogramm "GLORIA" liefern. Ziel des Projekts "GLORIA" ist es, Veränderungen im Hochgebirge infolge des Klimawandels über lange Zeiträume hinweg zu beobachten. Hochgebirge, vor allem die Zone über der Waldgrenze – und als solche werden auch die arktischen Lebensräume gesehen – bieten ein einmaliges Feld für die Klimafolgenforschung. Die VegetationsökologInnen der Universität Wien werden gemeinsam mit einer dänischen Arbeitsgruppe vier Gipfelregionen in einem Bereich rund um die Forschungsstation nach standardisierten Erhebungsmethoden für das Projekt "GLORIA" aufnehmen und dokumentieren.

Österreichische Akademie der Wissenschaften fördert Projekt
Die Expedition erfolgt im Rahmen des Projekts "FERMAP", das einen der österreichischen Beiträge zum internationalen Polarjahr 2007/08 darstellt. Gefördert wird "FERMAP", das unter dem Namen "Sparkling Science" ein Teil der sogenannten Forschungs-/Bildungskooperation ist, durch das Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung und durch die Österreichische Akademie der Wissenschaften.

Quelle: Redaktion/ Universität Wien