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Warum sind uns manche zu nah?

Erklärungsversuch von Wolfgang Kralicek: Warum uns manche Menschen zu nahe kommen

Wolfgang Kralicek © Bild: NEWS

Ohne Ihnen zu nahe treten zu wollen, geht es diesmal um Nähe. Genauer gesagt: um Menschen, die uns zu nahe kommen. Sie setzen sich im leeren Kinosaal direkt neben uns. Sie gehen im Freibad auf Badetuchfühlung mit uns. Sie wählen im Umkleideraum des Fitnessklubs keinen der 150 anderen freien Spindkästen, sondern genau den neben uns. Sie sind keine schlechten Menschen, sie meinen es nicht böse. Aber es fehlt ihnen eine Eigenschaft, die sich nicht nur beim Einparken als äußerst hilfreich erweist, sondern für das Zusammenleben in einer Gesellschaft eigentlich unabdingbar ist: Distanzgefühl. Diese Menschen merken gar nicht, dass sie uns zu nahe rücken. Sich darüber aufzuregen wäre also ähnlich sinnlos, wie sich bei einem Schwerhörigen darüber zu beschweren, dass er zu laut redet. Was tun? Sucht man sich einfach einen anderen Platz, könnte das von der anderen Seite als Beleidigung missverstanden werden: Ist was mit mir, dass der sich wegsetzt? Wenn es ganz blöd hergeht, fühlt er sich provoziert und kommt uns dann vielleicht so nahe, dass es wehtut. In letzter Konsequenz kann Distanzlosigkeit Kriege auslösen. Auch Liebesbeziehungen scheitern oft an mangelndem Distanzgefühl. Wenn sich der oder die Liebste im Kino nicht neben einen setzt, ist das aber auch kein gutes Zeichen.

Was meinen Sie? Schreiben Sie mir bitte: kralicek.wolfgang@news.at

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