Lawinenunglück in Tirol: Skilehrer nach Tod von Kanadiern unter Lawine verurteilt

Insgesamt vier Personen bei Unglück gestorben

Nach dem Abgang einer tödlichen Lawine in St. Anton am Arlberg im Jänner 2005 hat sich ein Tiroler Skilehrer am Innsbrucker Landesgericht unter anderem wegen fahrlässiger Tötung unter besonders gefährlichen Verhältnissen verantworten müssen. Vier Menschen, darunter drei Kanadier, die der Angeklagte unentgeltlich in den Hang geführt hatte, waren unter den Schneemassen gestorben. Der Tiroler wurde - vorerst nicht rechtskräftig - zu einer sechsmonatigen bedingten Haftstrafe und einer Geldstrafe von 1.080 Euro verurteilt.

Zu dem Abgang der 28.000 Tonnen Schnee mit sich reißenden Lawine war es am 22. Jänner 2005 im freien Skiraum gekommen. Im Unfallhang befanden sich zwölf Personen, sagte Staatsanwältin Gertraud Pfeifenberger. Vier kanadische Bekannte hatte der heute 30-jährige Skilehrer unentgeltlich geführt. Dabei sei er bei herrschender Lawinenwarnstufe "4" (auf der fünfteiligen Gefahrenskala) mit der Gruppe in den Hang eingefahren, obwohl er als staatlich geprüfter Skilehrer und Skiführer bei gehöriger Aufmerksamkeit und Sorgfalt erkennen hätte können, dass erhebliche Gefahr einer Lawinenauslösung bestand, so die Anklage.

Nachdem oberhalb der Gruppe die Lawine von anderen Wintersportlern ausgelöst worden war, wurden alle vier Kanadier verschüttet. Ein Ehepaar und eine weitere Frau - 57 Jahre, 53 und 40 Jahre alt - fanden den Tod. Ein 42-jähriger Kanadier konnte durch das - auch laut Staatsanwältin und Richter Bruno Angerer - "vorbildhafte Verhalten" des Angeklagten im Hang und bei der Rettung - lebend geborgen werden. Ebenfalls tödlich verschüttet wurde ein nicht zur Gruppe des Angeklagten gehörender US-Amerikaner. Der Skilehrer konnte sich durch eine Schussfahrt vor den Schneemassen retten - zweieinhalb Wochen zuvor war er noch selbst von einer Lawine verschüttet worden. Nach dem Unglück organisierte der Angeklagte Hilfe und konnte drei der vier Kanadier finden bzw. ausgraben.

Der völlig geständige Beschuldigte gab vor Gericht zu, die Führungsrolle in der Gruppe inne gehabt zu haben. Die Windgeschwindigkeit - laut Anklage 50 bis 70 km/h mit Böen bis zu 100 km/h -, den Neuschneezuwachs und die Hangneigung von etwa 35 Grad habe er als weniger hoch eingeschätzt.

Mit dem 42-jährigen Kanadier, den der Angeklagte damals retten konnte, sei er nach wie vor in Kontakt. Dieser sowie auch die Familie des verstorbenen Ehepaars würden dem Tiroler keine Vorwürfe machen. Laut dem Geretteten habe der Beschuldigte "alle Sorgfaltspflichten erfüllt", wie auch einem dem Gericht vorgelegten E-Mail zu entnehmen war.

Der Anklagte sagte vor Gericht weiter, dass er nach wie vor unter Albträumen leide. Seinen Beruf als Skilehrer habe er nach dem Unglück an den Nagel gehängt. Was damals vorgefallen sei, tue im "sehr, sehr leid". Sehr gerne würde er es rückgängig machen. Doch dies gehe leider nicht. (apa)