Laut Unfallsbilanz 2008 gibt es weniger Verkehrstote: Dafür Anstieg bei Radunfällen

Vorrangverletzungen und Fehlverhalten sind Gründe Hälfte der tödlich Verunglückten war über 60 Jahre alt

Laut Unfallsbilanz 2008 gibt es weniger Verkehrstote: Dafür Anstieg bei Radunfällen © Bild: APA/Schneider

2008 gab es insgesamt zwar weniger Verkehrstote, die Zahl der tödlich verunglückten Radfahrer ist aber stark gestiegen. 62 Radfahrer kamen im vergangenen Jahr auf Österreichs Straßen ums Leben, eine Steigerung um knapp 70 Prozent (2007: 37). Exakt die Hälfte der Todesopfer war über 60 Jahre alt. Mehr als zwei Drittel der Radfahrer sind durch eigenes Fehlverhalten getötet worden, großteils habe es sich um Vorrangverletzungen gehandelt, erklärte Otmar Bruckner vom Referat für Verkehrsdienst im Innenministerium.

43 der 62 getöteten Radfahrer sind wegen eigener Fehler ums Leben gekommen, 13 dieser Unfälle ereigneten sich ohne Beteiligung anderer. 19 Unfälle sind auf schuldhaftes Verhalten anderer Verkehrsteilnehmer zurückzuführen. Beim Fremdverschulden sei die Problematik von abbiegenden Schwerfahrzeugen an Kreuzungen auffällig. Im "toten Winkel" werden Radler leicht übersehen, sagte Bruckner. In der Stadt bergen Radfahrerüberfahrten auf stark befahrenen Straßen ein hohes Risikopotenzial. Allerdings ereigneten sich die meisten tödlichen Unfälle auf Bundes- und Landesstraßen.

Mehr Unfälle bei Dunkelheit
Die unfallträchtigste Zeit ist von April/Mai bis September/Oktober. Am meisten passiert im Herbst bei Dämmerung und Dunkelheit. Sichtbarkeit ist ein großes Thema, sind sich die Verkehrsexperten einig.

"Im Straßenverkehr kommt es aufs Hören und Sehen an. Nur wer wirklich fit ist, sollte sich in ein Fahrzeug oder aufs Rad setzen", sagte ÖAMTC-Verkehrspsychologin Marion Seidenberger. Älteren Menschen empfiehlt sie, "wenn möglich Verkehrsflächen suchen, wo man unter sich ist, also wenig Mischverkehr herrscht und Fahrten in der Dämmerung meiden".

Radfahren will gelernt sein
Ein großes Thema sei aber auch bei den Radfahrern die Ausbildung. "Nicht jeder, der Gleichgewicht halten kann, ist ein guter Radfahrer", meinte Seidenberger. Das Kennen und Beachten von Verkehrsregeln sei das Um und Auf.

An Autofahrer appellierte die Verkehrspsychologin, auf Mehrzweckstreifen zu achten und die Tür erst dann zu öffnen, wenn man einen Blick aus dem Fenster oder in den Spiegel geworfen hat. Radfahrer sollten sich hingegen nicht zu sehr auf andere verlassen und defensiv unterwegs sein.
(apa/red)