Laut Ex-Staatschef keine Massenmorde: Khieu Samphan nimmt keine Schuld auf sich

In seinem Buch leugnet er Massenmorde der Khmer Samphan über Ex-Diktator: er war "Menschenfreund"

Laut Ex-Staatschef keine Massenmorde: Khieu Samphan nimmt keine Schuld auf sich

Der festgenommene Khieu Samphan, ehemaliger Staatspräsident des Terrorregimes der Roten Khmer in Kambodscha, hat den 1998 verstorbenen Diktator Pol Pot als "patriotischen Menschenfreund" dargestellt: In einem Buch wies Khieu Samphan alle Anschuldigungen zurück, die Roten Khmer seien für den Tod von 1,7 Millionen Kambodschanern verantwortlich.

Weiters schreibt er in seinem Buch, das Regime habe nie Massenmorde angeordnet und auch niemanden bewusst verhungern lassen, ganz im Gegenteil: die Roten Khmer hätte die nationale Souveränität des Landes verteidigt und sich für soziale Gerechtigkeit eingesetzt, so Khieu Samphan. Gleichzeitig betont er, alle Befehle seien von dem Ex-Diktator Pol Pot ausgegangen.

Anklage vor dem Völkermordtribunal
Khieu Samphan wird von dem Völkermordtribunal in Phnom Penh unter Anklage gestellt. Sein Werk mit dem Titel "Reflexion über die kambodschanische Geschichte bis zur Ära des Demokratischen Kampuchea" lässt erahnen, wie sich Khieu Samphan vor dem Gerichtshof verteidigen könnte. Doch dem Sondertribunal in Phnom Penh sind enge Grenzen gesteckt: Das aus 17 kambodschanischen und 13 von den Vereinten Nationen gestellten Juristen klagt nur Spitzenvertreter des ehemaligen Regimes an.

1,7 Millionen Menschen sind während der Herrschaft der Roten Khmer an Hunger, Krankheiten, Hinrichtungen und Überarbeitung gestorben. Dies belegen zahlreiche Dokumente, Zeugenaussagen und Massengräber, die im ganzen Land gefunden wurden. Ziel der Roten Khmer war es, das südostasiatische Land in eine kollektivistische Agrargesellschaft umzuwandeln. Die Angehörigen der Intelligenz wurden systematisch ausgerottet.

Samphan: Zwangsarbeit um "Spione abzuwehren"
Die Roten Khmer nahmen am 17. April 1975 nach dem Zusammenbruch des Regimes von General Lon Nol die Hauptstadt Phnom Penh ein. Wenig später musste nahezu die gesamte Bevölkerung die Stadt verlassen und aufs Land ziehen. Wer die Deportation überlebte, musste in den Kommunen hart arbeiten.

Khieu Samphan erklärt in seinem Buch, diese Maßnahme sei notwendig gewesen, um Spione aus dem Ausland abzuwehren. Wegen der Lebensmittelknappheit habe die gesamte Bevölkerung arbeiten müssen. Historiker meinen dagegen, die Volkskommunen hätten ineffektiv gearbeitet, und es habe kein System für die Verteilung der produzierten Nahrungsmittel gegeben. Ausländische Hilfe wurde von den Roten Khmer abgelehnt.

Der Direktor des Kambodschanischen Dokumentationszentrums, Youk Chang, bezeichnete das Buch Khieu Samphans als "eine alte Geschichte der Leugnung". Die vietnamesische Armee marschierte Ende 1978 in das Nachbarland ein. Das Schreckensregime stürzte am 7. Jänner 1979. Die Roten Khmer zogen sich daraufhin in den Dschungel zurück, behielten den kambodschanischen UNO-Sitz und erhielten auch vom Westen Hilfe. Sie führten einen verlustreichen Untergrundkrieg gegen die Vietnamesen und das mit deren Hilfe installierte Regime in Phnom Penh. Erst 1991 kam es zur Unterzeichnung des Pariser Friedensabkommens, das die Voraussetzungen für eine umfangreiche UNO-Friedensoperation, demokratische Wahlen und die Wiedererrichtung des 1970 von Lon Nol abgeschafften Königtums unter Sihanouk schuf. (apa/red)