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The Last of Us: Endzeit-Exzellenz

Entwickler Naughty Dog geigt auf und spendiert Playstation 3 ein letztes Meisterwerk

Sony "Last of Us" © Bild: Sony

Das Beste kommt zum Schluss. Das gilt auch für die Playstation 3, die in den letzten Tagen ihrer Konsolen-Regentschaft noch mit einem weiteren exklusiven Hochkaräter aufwartet. Das Action-Abenteuer "The Last of Us" ist in den apokalyptischen Ruinen der USA angesiedelt und erzählt ab 14. Juni die Geschichte zweier außergewöhnlicher Menschen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, sich im gemeinsamen Überlebenskampf aber dennoch ergreifend nahe kommen. Großes Kino mit Controller ist vorprogrammiert.

Entwickler Naughty Dog prägte die Playstation 3 maßgeblich mit der Abenteurer-Serie Uncharted. Deren Protagonist Nathan Drake erkämpfte und -hangelte sich in drei Teilen den Ruf eines unverzichtbaren Playstation-Aushängeschilds. Umso überraschender ist daher der Umstand, dass das letzte Werk für das "Auslaufmodell" komplett neue Pfade beschreitet. Hinter dem poetischen Klang von "The Last of Us" steckt nämlich kein sprücheklopfender Indiana Jones des 21. Jahrhunderts, sondern ein ungewöhnliches Protagonisten-Duo, das auf einer Odyssee quer durch ein entvölkertes und völlig zerrüttetes Amerika nur ein Ziel kennt: Überleben.

Das düstere Ende einer Zivilisation

Parasiten reißen die Welt, wie wir sie kennen, aus den Fugen. Pilze befallen einen Großteil der Menschheit und sind zugleich Vorbote eines langsamen Todes: Infizierte werden wahnsinnig, mutieren und geraten bis zum Ende in einen permanenten Fresswahn. Wer dem Pilzbefall und der daraus resultierenden Neuinterpretation von Zombies entrinnen kann, ist in Quarantänezonen untergebracht und wird von einer strengen Militärdiktatur unterjocht. Hoffnung? Fehlanzeige.

Der offizielle Trailer zu "The Last of Us".

Es ist genau dieses düstere und trostlose Endzeit-Setting, in dem der Schwarzmarkthändler Joel durch eines seiner Geschäfte auf die 14-jährige Ellie trifft. Als Gegenleistung für neue Waffen soll er das Mädchen von Boston nach Pittsburgh eskortieren. Vorbei an verseuchten Zonen, Wegelagerern, Banditen und Militär-Patrouillen. Wie man sich schon denken kann, bleibt die Eskorte nicht unpersönlich, findet raschen Anschluss und hat einen triftigen Grund. Im Verlauf der Handlung entwickelt sich Schritt für Schritt eine Vater-Tochter-Beziehung zwischen den beiden Charakteren, die in einem Videospiel so noch nicht erlebt werden konnte.

Zu manch überraschender Wende gesellt sich dann auch das eine oder andere Klischee, "The Last of Us" gelingt dabei allerdings in den rund 15-20 Stunden Spielzeit der Einzelspieler-Kampagne das Kunststück stets authentisch zu bleiben. Das Spiel verfügt auch über einen Mehrspieler-Modus, der in vorliegender Testversion allerdings noch nicht ausprobiert werden konnte.

Sam Fisher calling

Verzweiflung und Ausweglosigkeit prägen auch das Spielgeschehen von "The Last of Us". Der erbitterte Überlebenskampf wird dem Spieler als Rucksack umgehängt, der mit akutem Mangel an Mitteln, übermächtigen Gegnern und scheinbar unüberwindbaren Hindernissen "gepackt" ist. Sehr oft muss man in der Rolle von Joel unter Beweis stellen, eine Überzahl von Gegnern lautlos passieren und/oder ausschalten zu können, nachdem man ihr Bewegungsmuster studiert oder mit dem Wurf diverser Gegenstände manipuliert hat. Agent Sam Fisher aus Splinter Cell lässt grüßen.

Sony "Last of Us"
© Sony Civilization...no more. Die Welt in "The Last of Us" ist zerrüttet.

Zwar besitzt Joel Schusswaffen als "Standardwaffe", allerdings sollte er aufgrund akuter Munitionsknappheit (und -obergrenze) nur selten Gebrauch davon machen. Offene Feuergefechte à la Rambo sind eher eine Ausnahme, vielmehr muss man als Spieler aus der Deckung heraus agieren und sich nach Gegenständen in der Umgebung umsehen, die man als Waffe benutzen bzw zur Waffe umbauen kann.

Eine weitere Hilfestellung für Joel ist ein sogenannter Lauschmodus, mit dem sich Gegner durch Wände hindurch orten und sogar belauschen lassen, wenn man nahe genug steht. Diese Funktion ist zwar sehr nützlich, untergräbt aber leider alle zuvor genannten Ambitionen, realistisch zu sein und passt stilistisch überhaupt nicht ins Spiel. Dem Sammelwahn darf man auch in Endzeitatmosphäre frönen: Neben reinen Collectibles ist man ständig auf der Suche nach Rohstoffen, um sich Equipment zusammenbasteln und Charakter-Skills aufwerten zu können.

Genügend Abwechslung, maue K.I.

Auch wenn das Stealth-Prinzip in "The Last of Us" klar dominiert, so hat Naughty Dog dafür Sorge getragen, dass es nicht in eine spielerische Monotonie ausartet. Die Schleich-Passagen werden etwa durch fokussierte Ballereien, Verfolgungsjagden, besondere Kontrahenten oder Verschiebe- bzw- Platzier-Rätsel in Uncharted-Manier aufgelockert. Gelegentlich übernimmt man in manchen Abschnitten sogar die Rolle von Ellie.

Ein auffallendes Manko im Spiel ist stellenweise die künstliche Intelligenz. Zum einen betrifft das die nicht spielbaren Verbündeteten wie anfangs Tess und später Ellie, die einem über Umwege auf Schritt und Tritt folgen und dabei nicht nur massiv im Weg stehen können, sondern auch manchmal direkt an der Nase der Gegner vorbeimarschieren. Zum Glück sind sie in solchen Situationen für die Gegner unsichtbar und triggern keinen Alarm, der Stimmung ist dies trotzdem nicht unbedingt zuträglich. Zum anderen betrifft das aber auch die künstliche Intelligenz der direkten Kontrahenten, die zeitweise einen Totalaussetzer haben und blindlings ins Verderben rennen oder erst gar nicht reagieren.

Sony "Last of Us"
© Sony Wirkliche Horror-Szenen kommen in "The Last of Us" eher selten vor.

Überraschenderweise halten sich feindliche Militärs, Banditen und Infizierte ("Monster") als Widersacher der beiden die Waage. Wer also mit einem von Zombies überfluteten "Resident Evil" oder ähnlichem Horror-Survival in klassischem Sinne gerechnet hat, ist auf der falschen Fährte. Auf der falschen Fährte ist man als Spieler übrigens auch, wenn man glaubt, dass man jedem ausgeschalteten Gegner mit Schusswaffe auch automatisch seine Restmunition abknöpfen kann. Bei manchen gehts, bei den meisten nicht - ob man etwas bekommt, entscheidet der "Zufallsgenerator". Ein recht krampfhafter Versuch, an der Survival-Dramatik festzuhalten.

Hart am Limit

Absolut referenzverdächtig ist die audiovisuelle Präsentation von "The Last of Us". So trist und hässlich die Spielumgebung vom Setting her gewählt worden ist, so viel Detailverliebtheit steckt in der Umsetzung. Auch der Detailgrad sowie die Animationen der Charaktere sind eine Augenweide, sie verleihen dem Spiel zweifelsohne das besondere Etwas. Kombiniert mit einer fantastischen Beleuchtung und einer optimal gewählten Kameraperspektive mausert sich dieses Survival-Drama speziell in der zweiten Hälfte zu einem der "schönsten" Spiele dieser Konsolen-Generation. Selbst wenn das Dargestellte alles andere als das ist.

Abgerundet wird die optische anspruchsvolle Darbietung durch einen punktuell stimmigen wie melancholischen Soundtrack und knackigen Soundeffekten. Leider nicht ganz so gut gelungen ist die deutsche Synchronisation, zum Glück kann man aber nahtlos ins Englische wechseln. Wer der englischen Sprache nicht wirklich mächtig ist, sollte sie dennoch in Kombination mit deutschen Untertiteln aktivieren. Der Atmosphäre ist dies nur zuträglich.

NEWS.AT-Fazit

Hut ab vor den Entwicklern von Naughty Dog, dass sie den Mut bewiesen haben, sich mit einem komplett neuen Meisterwerk von der Playstation 3 zu verabschieden anstatt einfach nur Altbewährtes neu aufzuwärmen. "The Last of Us" mag sicherlich nicht frei von Fehlern sein: Die punktuellen Schwächen werden aber derart stark von der grandiosen Endzeit-Stimmung, vom gekonnten Mix an Spielmechaniken und insbesondere von der Charakterentwicklung der beiden Protagonisten überstrahlt, dass sich jetzt schon - Anfang Juni und vor der E3 - die Worte "Spiel des Jahres" förmlich aufzwängen. Hier nochmal die Kurzfassung: Für Besitzer einer Playstation 3 ein Pflichtkauf.

Sony "Last of Us"
© Sony

"The Last of Us" erscheint exklusiv für die Playstation 3 am 14. Juni im Handel. Die Standard-Version kostet rund 60 Euro, die Sonderausgaben "Joel-Edition" und "Ellie Edition" schlagen mit rund 80 Euro zu Buche.

Bewertung: 6 / 6 6 / 6 6 / 6 6 / 6 6 / 6 6 / 6

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