"Lasst mich damit in Ruhe": Krankl fordert
von Team Auslöschung des Cordoba-Mythos

"Die 15, 16 Spieler können Geschichte schreiben" Plus: Klubbosse an Nachwuchsproblematik schuld

"Lasst mich damit in Ruhe": Krankl fordert
von Team Auslöschung des Cordoba-Mythos © Bild: APA

Hans Krankl fordert vom Nationalteam im entscheidenden Gruppenspiel gegen Deutschland eine "Auslöschung" des Mythos Cordoba. "Die 15, 16 Spieler können Geschichte schreiben. Sie sollen Cordoba auslöschen", erklärte der Vorgänger von Josef Hickersberger als ÖFB-Teamchef.

Krankl ist als damaliger Doppeltorschütze untrennbar mit dem 3:2-Erfolg Österreichs bei der WM 1978 verbunden. Doch selbst er könne die Geschichte nicht mehr hören: "Der Geist von Cordoba ist in Cordoba begraben. Bitte lasst mich damit ein für alle Mal in Ruhe. Was habe ich davon, dass ich vor 30 Jahren zwei Tore geschossen habe?"

Seit damals warten Österreichs Fußball-Fans auf eine Wiederholung, konnte Deutschland in einem Bewerbspiel nicht mehr besiegt werden. Im Gegenteil. Die ÖFB-Auswahl qualifizierte sich zuletzt 1996/97 für ein Großereignis (WM 1998) und rutschte zuletzt sogar kurzfristig aus den Top-100 der FIFA-Weltrangliste. Am Montag kann eine junge rot-weiß-rote Auswahl im abschließenden Spiel der EM-Gruppe B in Wien gegen Deutschland das alles vergessen machen.

Kritik an Vereinsbossen
Dass der Mythos also gleichzeitig ein Fluch wäre und die Nachwuchsarbeit nicht gefördert hätte, stritt Krankl aber ab: "Das war vor 30 Jahren. Irgendwer wird ja wohl gewusst haben, dass Krankl, Prohaska und Co. nicht ewig spielen können." Die Schuld an der folgenden Misere wäre vielmehr bei den Vereinen, deren Präsidenten und den Trainern zu suchen. "Es gab zu meiner aktiven Zeit Leute, die gesagt haben 'Schaffen wir den Nachwuchs ganz ab, der kostet eh nur Geld'." Man hätte gegenüber etwa Frankreich oder den Niederlanden viele Jahre verloren.

Von den bisherigen guten Auftritten der jungen Nationalmannschaft bei der EURO zeigte er sich nicht überrascht. Gegen Kroatien hätte man sich nach schlechtem Beginn gefunden. Den Elfmeter in der Nachspielzeit des Polen-Spiels "pfeifen viele Schiedsrichter nicht", aber er wäre mehr als gerecht gewesen. Das Team war früher gut und sei es jetzt auch noch immer. Die Arbeit von seinem indirekten Teamchef-Nachfolger Josef Hickersberger bewertete er nicht. "Die Situation zur Zeit des Wechsels war problematisch, auch wenn wir Freunde sind."

Die entstandene Gruppenkonstellation mit dem "Finale" gegen Deutschland würde nun "sehr gut zusammenpassen. Nach dem ersten Spiel waren die Deutschen für mich unter den sechs besten Teams der EM, aber gegen Kroatien haben sie sehr schlecht gespielt." Dennoch wäre der nördliche Nachbar immer noch der "Goliath", Österreich der "David". Die markigen Aussagen von Andreas Herzog und Martin Harnik im Vorfeld des Matches gefielen ihm dennoch.

Krankl: Vollstrecker fehlt
Allerdings ging den Österreichern, die bisher erst ein EM-Tor, und das aus einem Elfmeter, erzielt haben, ein Vollstrecker der Marke Krankl ab. Der ehemalige "Goleador" bezeichnete am ehesten Roland Linz als seinen Nachfolger und Torjäger in der österreichischen Equipe. Der Braga-Stürmer hätte in den beiden bisherigen Partien nur eben kaum verwertbare Zuspiele erhalten. Auch dem bisher nicht eingesetzten Jimmy Hoffer würde er zutrauen, in seine Fußstapfen treten zu können. Den vergebenen Torchancen gegen Polen trauerte Krankl nach. "Man muss kein großer Torjäger sein, um sie zu verwerten. Das darf nicht passieren."

In einer kurzen Zwischenbilanz der bisherigen EURO blieb der ehemalige Nationalstürmer bei seiner schon vor dem Turnier getätigten Äußerung: Spanien wird Europameister. Weitere Titelaspiranten sind für ihn Portugal und die Niederländer. Für das entscheidende "Bruderduell" in Gruppe B um den Viertelfinaleinzug am Montag wagte Krankl einen Tipp: "Österreich gewinnt 3:2. Ich darf das sagen. Aber verlassen Sie sich nicht auf das graue Orakel."

(apa/red)

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