Lassing als Impuls für Krisenmanagement: Es herrschte großes Kompetenzwirrwarr

Dieter Rupnik: "Vergessen kann man das nie" Medienbetreuung funktionierte nur sehr mangelhaft

Lassing als Impuls für Krisenmanagement: Es herrschte großes Kompetenzwirrwarr © Bild: APA/Techt

"Es herrschte ein unheimliches Kompetenzwirrwarr", erinnert sich Dieter Rupnik, Chef des steirischen Landespressedienstes, an die Julitage 1998. Die Medienbetreuung, die er selbst vorübergehend übernahm, funktionierte sehr mangelhaft, als es darum, ging Georg Hainzl zu bergen, sei eine Diskussion über die Übernahme der Verantwortung entbrannt, bis die damalige Landeshauptfrau Waltraud Klasnic ein Machtwort gesprochen habe. Trotzdem kann Rupnik der pannenreichen Operation Positives abgewinnen: "Lassing war der Impulsgeber für ein modernes Krisenmanagement."

Dieter Rupnik kam zum Einsatz, als alles zu Ende schien. Am 25. Juli wurde er von Klasnic nach Lassing beordert, nachdem der Stab von Wirtschaftsminister Johann Fahrnleitner zu wichtigen Konsultationen nach Wien abgereist war. Zudem sei geplant gewesen, an diesem Wochenende die Rettungsphase zu beenden und die Bergephase einzuleiten. "Da stellte sich die Frage: Wer sagt es der Öffentlichkeit?", so Rupnik über seine heikle Mission. An eine Lebensbergung glaubte man offiziell nicht mehr: Zwei Tage zuvor hatte der Einsatzleiter gemeint, er sei der festen Überzeugung, dass alle tot seien.

Emotionsgeladene Stimmung
Schon am ersten Abend wurde er mit emotionsgeladenen Lassinger Bürgern konfrontiert, die verlangten, angeblichen Hupgeräuschen aus dem Bergwerk auf den Grund zu gehen: "Mit Unterstützung von zwei Notärzten ist es auch gelungen. Die kleine Grabung abseits der Rettungsbohrung hat zwar nichts gebracht, aber der Dampf war abgelassen. In so einer Situation kann man nicht nur rational agieren." Neben der Vielzahl an Berichterstattern waren es Esoteriker, Wahrsager und Hochstapler oder auch gutmeinende, aber mit völlig untauglichen Mitteln anrückende Helfer, die quasi in Schach gehalten werden mussten.

Wunder-Rettung
Dann der Sonntag, der 26. Juli. Fast alle TV-Teams hätten schon zusammengepackt gehabt, als kurz nach 20.00 Uhr aus dem Bohrloch eine Fontäne spritzte: "Zwei Bar, mehr nicht", meinte der Experte der deutschen Bohrfirma "Angers & Söhne", was nichts anderes hieß, als dass es in dem angebohrten Hohlraum noch Überlebenschancen gegeben hatte. Auf den "Ist da wer?"-Ruf in die Tiefe von OMV-Spezialist Leopold Abraham, der nicht wirklich mit einer Antwort rechnete, kam die legendäre Antwort: "Ja, ich bin's, der Georg."

"In dem Augenblick ist die Welt Kopf gestanden", erinnert sich Rupnik. Selbst für den Trick eines deutschen Kameramannes, der sich in einer geborgen Feuerwehruniform zum Bergungstruppe gesellte und so exklusive Bilder lieferte, hat der Medienfachmann Verständnis - die Einsatzleitung hatte ja das Filmen der Bergung verhindern wollen. Nach der Nachricht vom Wunder reiste wieder der ministerielle Stab an und löste den Landesbeamten Rupnik ab. "Vergessen kann man das nie", sagte er heute über seine drei Tage in Lassing.

Erlebnisse bleiben unvergessen
Auch den damaligen OMV-Bohrleiter Abraham begleiteten die Erlebnisse auf den weiteren Lebensweg: "Nach Lassing wurde es für mich als Konzernbetriebsratsvorsitzender zum Beruf, anderen zu helfen." In gewissen Situationen denke er daran, wie hilflos man allein sei und wie sehr auf andere angewiesen. Er habe es als "wunderbare Sache" in Erinnerung behalten, wie die Menschen in Lassing zusammengehalten hätten. Als "ernüchternd" beurteilt Abraham hingegen die Lehren, die man aus dem Rettungseinsatz gezogen habe. "Da ist bis heute nicht viel geschehen", so Abraham gegenüber der APA.

(apa/red)