LASK-Affäre: Stars & Friends & Freunderlwirtschaft

Neue Dokumente belegen, dass die Umgehungskonstruktionen von Jürgen Werner offenbar von langer Hand geplant waren

Beim Fußballtraditionsklub LASK Linz wurde mutmaßlich über Jahre gegen internationale Spielregeln verstoßen. Neue Dokumente legen den Verdacht nahe, dass die von News veröffentlichten Umgehungskonstruktionen der LASK-Verantwortlichen um Jürgen Werner von langer Hand geplant und grenzüberschreitend organisiert gewesen sein dürften.

von Jürgen Werner © Bild: APA/Fohringer

Information: Der Senat 5 der Fußball-Bundesliga hat gegen den LASK ein Disziplinarverfahren eingeleitet. Die Linzer hatten nach einem "News"-Bericht über mögliche Verstöße gegen das Verbot des Dritteigentums an Spielerrechten fristgerecht eine Stellungnahme bei der Liga eingebracht. "Nach Prüfung der Unterlagen hat der Senat 5 weitere Nachfragen gestellt und zur vertiefenden Prüfung und Durchführung von Zeugeneinvernahmen ein Disziplinarverfahren eingeleitet", verlautete die Liga.

Hier geht es zum "News"-Bericht

Nachdem die Bundesliga ein Disziplinarverfahren eingeleitet hat, soll sich nun auch die FIFA eingeschaltet haben. Laut "Krone" ermittelt der Weltverband in der Causa um angebliche Geschäfte durch Vizepräsident Jürgen Werner mit Transferrechten von LASK-Spielern. Laut "Krone" soll Werner via Firmenbeteiligung mit den Transferrechten von LASK-Spielern Geschäfte gemacht haben - und zwar auch nach 2015, als dies von der FIFA verboten wurde. Seine Firma hat dadurch angeblich einen Erlös von über vier Millionen Euro erzielt. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Wir schreiben den Februar 2005. In Graz, der Fußballhauptstadt Österreichs, dräut langsam, aber sicher Ungemach. Hannes Kartnig, der Präsident des SK Puntigamer Sturm Graz, davor Fußballmeister und Teilnehmer in der Champions League, muss sich permanent Fragen zur Zahlungsfähigkeit seines Fußballvereins gefallen lassen.

Zu dieser Zeit reichen an der Johannes- Kepler-Universität in Linz zwei fußballaffine Studiosi ihre Dissertation ein: Siegmund Gruber und Stefan Lutz beantragen mit der Arbeit "Voraussetzungen und Institutionalisierung sozioökonomischer Prävention von Geldwäsche" die Erteilung des Doktortitels in Wirtschaftswissenschaften. Sie zitieren auf den 380 Seiten nicht nur den Schweizer Strafrechtsprofessor Mark Pieth, der sich Jahre später der Untersuchung und Aufarbeitung der offenbar dringlichen Reformthemen beim Fußballweltverband FIFA annehmen wird, sondern auch Ovid: "Leges nihil valent, ub sola pecunia regnat". Also: Die Regeln gelten nicht, wo das Geld regiert. Das stelle laut den beiden Autoren die Ausgangsbasis ihrer Arbeit dar.

16 Jahre später ist der eine der beiden Doktoranden, Siegmund Gruber, Präsident des Linzer Fußballvereins LASK, der andere, Stefan Lutz, unter anderem Mitglied des Lizenzierungssenats der Fußball-Bundesliga. Bis 2014 führten sie eine gemeinsame Steuerberatungskanzlei, wie "Österreich" offenbarte. Stefan Lutz könnte nun als Experte und Senatsmitglied untersuchen, ob Grubers LASK das international verordnete Fair Play sprichwörtlich mit Füßen getreten haben soll: Bekanntlich soll Grubers Vizepräsident Jürgen Werner in den letzten Jahren für risikofreudige Geldgeber heimlich und durchaus in beachtlichem Umfang Transferbeteiligungen an professionellen LASK-Spieler orchestriert haben, was vom Fußballweltverband bereits ab Sommer 2015 strikt verboten worden war. Laut FIFA müssen Transferrechte seit 2015 ausnahmslos beim Klub liegen, alles andere gefährde die Integrität des Spiels und öffne windigen Geschäftemachern Tür und Tor. Jürgen Werner streitet die Vorwürfe ab und behauptet: Aktuell lägen alle Transferrechte beim LASK. Der LASK wollte sich laut seinem Pressechef aktuell "nicht zu dem laufenden Verfahren äußern". Präsident Siegmund Gruber verweist auf seinen zuständigen Vizepräsidenten und erklärte via Fußballsender "Sky" bereits zuletzt: Für das Sportliche sei beim LASK "der Jürgen zuständig".

Am Millionenrad gedreht

Der Jürgen also. Jürgen Werner. Ein Mann, der das kleine Fußball-Einmaleins kennt wie seine Westentasche. Ausgerechnet Jürgen Werner, heute Vizepräsident, zuvor ab 2015 Vorstand Sport, hat mutmaßlich Transferbeteiligungen an Spielern seines LASK an Investoren weiterverkauft und auf diese Weise angeblich mit LASK-Eigentum am großen - vor allem auch internationalen -Millionenrad gedreht. Mit Konstruktionen, die in der Praxis an das erinnern, was LASK-Präsident Siegmund Gruber in seiner "Geldwäsche-Dissertation" im Jahr 2005 als Problem erkannt hatte: mit Firmen, die zur Verschleierung möglicherweise unerlaubter Aktivitäten dienen könnten. Tatsächlich hat Jürgen Werner zwar ein internationales Geflecht an Gesellschaften für seine Geschäfte benutzt - nur leider finden sich möglicherweise zu oft seine Spuren in diesem Gebilde.

Zur Tarnung des Weiterverkaufs von zukünftigen Transferrechten a n LASK-Spielern diente dem heutigen LASK-Vizepräsidenten Werner auch nach dem Verbot durch die FIFA im Jahr 2015 ganz offensichtlich die International Football Investment GmbH, kurz IFI, mit Sitz in Wels. Geschäftsführer der IFI waren Jür gen Werner und Manfred Schill, der mit Werner über viele Jahre in dessen Sportagentur Stars &Friends tätig war. Bei der Stars &Friends International Holding saß Jürgen Werner übrigens bis Ende März 2021 in der Geschäftsführung.

Offensichtlich ist, dass Jürgen Werner von 2015 bis zuletzt keine strikte Trennung zwischen seinen Rollen als internationaler Spielervermittler und Transferberater einerseits und als Vorstand Sport des LASK andererseits vollzogen haben dürfte. Der 59-jährige Welser hatte zwar bei der Übernahme der Vizepräsidentschaft des LASK im Jahr 2019 angekündigt, seine Funktionen als Player auf dem Fußballmarkt ruhend zu stellen, ist aber nach wie vor beispielsweise Geschäftsführer einer gewissen Soccer Beteiligungs GmbH, die etwas mehr als 60 Prozent an der Stars &Friends International Holding hält. Eigentümerin dieser Soccer Beteiligungs GmbH ist wiederum eine Stars alliance spol. s.r.o. mit Sitz in Bratislava, die offenbar im Besitz eines ehemaligen Werner-Partners bei Stars &Friends steht. Werners Spuren im internationalen Fußballbusiness wie diese offiziellen Organfunktionen haben bemerkenswerterweise die österreichische Fußball-Bundesliga und deren Experten in den Senaten offenbar nicht wirklich gekümmert, obwohl -laut internationalem Reglement - keine derartige Verquickung erlaubt ist, und das seit Jahren. Ganz offensichtlich dürften sich die Verantwortlichen in der Bundesliga-Zentrale in Wien damit zufrieden gegeben haben, dass Jürgen Werner in oberösterreichischen Medien seinen Abschied als Spielerberater angekündigt hatte.

Deals mit Transferrechten

Viel schwerer als Werners Rollen in diversen Gesellschaften des nationalen und internationalen Fußballgeschäfts wiegt freilich, dass über die Stars & Friends International Holding mit Jürgen Werner als Geschäftsführer mutmaßlich jahrelang eine beachtliche Zahl an hochriskanten Deals mit Transferrechten an zahlreichen Profifußballern eingefädelt wurde. Das jedenfalls legen mehrere Unterlagen nahe, die News vorliegen, mit denen Anteile an Transferrechten von mehr als 20 professionellen Fußballspielern verkauft wurden. Der Wert am internationalen Transfermarkt dieser von Jürgen Werner seinen Kunden zur Beteiligung angebotenen Spieler macht insgesamt einen Millionenbetrag aus. Allesamt Spieler, die beim LASK gemeldet waren. Und deren Transferrechte nach außen hin solcherart eigentlich dem Linzer Traditionsklub gehört hätten.

Abgewickelt wurden diese Deals mithilfe der IFI bzw. - ab 2019 -mit Hilfe der Schweizer Hahnen AG. Diese Aktiengesellschaft im diskreten Steuerparadies Schweiz dürfte unter größerem geschäftlichen Einfluss der Stars & Friends International Holding und deren Geschäftsführer Jürgen Werner gestanden sein, als dies von außen zu erkennen war. Dies lässt sich jedenfalls aus Schreiben ableiten, die News vorliegen. Und: Die Geschäftsinhalt der IFI und der diskreten Schweizer Hahnen AG war ganz offenbar eindeutig nicht die Beteiligung an Provisionen, wie Werner anfangs weiszumachen versuchte. News erhielt in den letzten Tagen erneut Einblick in mehrere Investorenverträge, aus denen eindeutig hervorgeht, dass Jürgen Werner und Manfred Schill -auch nach dem Verbot durch die FIFA im Jahr 2015 - Verträge unter das Anlegervolk brachten, mit denen LASK-Transferrechte an Spielern verscherbelt wurden, die laut dem strengen Reglement der FIFA gar nicht verkauft hätten werden dürfen.

Das mag den LASK und seine Verantwortlichen bis jetzt nur bedingt tangieren. Vor allem, falls sie, frei nach Ovid, möglicherweise den Grundsatz vertreten: Die Regeln gelten nicht, wo das Geld regiert.