Schule von

Der lange Weg zu
den Deutschförderklassen

Schule - Der lange Weg zu
den Deutschförderklassen © Bild: APA/ROLAND SCHLAGER

Wiener Direktorinnen haben keine Freude mit der Deutschförderung. Gewerkschaft und Ministerium wollen „maßgeschneiderte Lösungen“ für jeden einzelnen Standort finden

Wer in Österreich zur Schule geht und kein Deutsch kann muss es lernen. Dieser Standpunkt leuchtet jedem ein. Weniger Freude haben die Direktoren und Direktorinnen der Pflichtschulen allerdings damit, dass ihnen vorgeschrieben wird, in welcher Weise dies geschehen soll. Denn mit dem kommenden Schuljahr wird es an jeder Schule, die Kinder mit wenig oder gar keinen Deutschkenntnissen besuchen, Deutschförderklassen geben (Details siehe unten).

Wie und wo diese stattfinden sollen, ist allerdings noch vollkommen unklar. Vor allem unter Wiener Direktoren und Direktorinnen hat sich Widerstand gegen diese neue Variante des Förderunterrichts geregt. Die Gewerkschaft der betroffenen Lehrer drohte gar schon mit Protestmaßnahmen.

Erste Gespräche

Kurz vor der Zeugnisverteilung an den Schulen haben sich die Wogen allerdings wieder ein wenig geglättet. Am Mittwochmittag traten Bildungsminister Heinz Faßmann und der Gewerkschaftsboss der Pflichtschullehrer, Paul Kimberger, gemeinsam auf. Es hätte ein konstruktives Gespräch stattgefunden, so der Minister, „das nicht das letzte gewesen sein wird“. Kimberger bleibt hingegen skeptisch: „Wir haben Fragen und Antworten und eine Menge an Unterlagen bekommen. Jetzt brauchen wir Zeit, um diese Dinge genau zu bewerten.“ Das Ziel sei „ein ordentlicher Schulstart für alle“. Dazu gebe es noch einiges zu klären, „das Ministerium gibt dazu Hilfestellungen“.

© News/Isabell Widek Bildungsminister Heinz Faßmann (re.) und Pflichtschulgewerkschafter Paul Kimberger verhandeln über jeden einzelnen Schulstandort

Der Aufklärungsbedarf betrifft vor allem einzelne Schulstandorte, die Probleme mit der Umsetzung der Deutschförderklassen haben. „Sieben bis acht Schulen“ seien das etwa in Wien, so Faßmann. Kimberger geht österreichweit von einer höheren Zahl aus. Diese Schulen würden allerdings „maßgeschneiderte Lösungen“ bekommen.

Eigene Modelle

Der Direktorin einer Wiener Schule geht dies allerdings noch nicht weit genug: „Dürfte ich mir etwas wünschen, dann sollte alles so bleiben, wie es ist.“ Schon die bisherigen Förderkurse hätten gezeigt, dass Kinder besser die Sprache erlernen, wenn „das Lernumfeld ein deutschsprachiges ist“ als wenn sie in eigenen Klassen unterrichtet werden. Jedes Schule habe in der Vergangenheit dazu ihr Modell entwickelt: „Wir sind selbst ständig Lernende.“ Für diese Vorgehensweise hätte sie gerne „das Vertrauen des Ministeriums“. Denn wenn derzeit die Rede von der künftigen Autonomie der Schulen ist, „fühle ich mich ehrlich gepflanzt“.

Zwei Wochen vor Schulschluss ist daher von Beruhigung noch keine Spur. Um wenigstens ein paar der vielen offenen Details noch vor dem Sommer abschließen zu können, ist Gewerkschafter Kimberger auch unmittelbar nach der Pressekonferenz mit dem Minister an den Verhandlungstisch zurückgekehrt.

Die neuen Förderklassen

Die neuen Deutschförderklassen sollen Kindern, die kein oder nur schlecht Deutsch sprechen, helfen, ihre Sprachkenntnisse zu erweitern. Dafür wird es – ab acht dieser außerordentlichen Schüler – eigene Gruppen geben, in denen ausschließlich Deutsch unterrichtet wird. In den Nebenfächern sind die Schüler in ihrer Stammklasse mit deutschsprachigen Mitschülern, andere Hauptfächer außer Deutsch (wie Mathematik) werden nicht gelehrt. Nach zwei Semestern ist eine Deutschprüfung vorgesehen, verläuft diese positiv, wechselt der Schüler zurück in die Stammklasse.