Fakten von

Lange Sperren für
Blatter und Platini

Fifa-Ethikkommission belegt beide Fußball-Funktionäre mit achtjähriger Sperre

Fakten - Lange Sperren für
Blatter und Platini © Bild: FABRICE COFFRINI/AFP/Getty Images

Rote Karte für die Fußball-Bosse Joseph Blatter und Michel Platini: Die rechtsprechende Kammer der Ethikkommission des Fußball-Weltverbandes hat den FIFA-Präsidenten und den Chef der Europäischen Fußball-Union am Montag für acht Jahre gesperrt. Damit ahndete das Gremium die Zahlung von zwei Millionen Schweizer Franken von Blatter an Platini aus dem Jahr 2011.

Für diese Zeitspanne sind die bereits am 8. Oktober provisorisch für 90 Tage gesperrten Blatter (79) und Platini (60) von sämtlichen Aktivitäten im Fußball ausgeschlossen. Der seit 17 Jahren an der Spitze des Weltverbands sitzende Schweizer kündigte umgehend an, gegen die Sanktion vor das Berufungsgericht der FIFA sowie den Internationalen Sportgerichtshof (CAS) zu ziehen. Auch Platini steht diese Möglichkeit offen. Die Ambitionen des Franzosen, als Nachfolger von Blatter das Amt des FIFA-Bosses zu bekleiden, dürften jedoch dahin sein.

Die beiden waren von der FIFA-Ethikkommission angeklagt worden, weil Blatter im Jahre 2011 eine Zahlung von zwei Millionen Franken an Platini geleistet hatte. Nach Darstellung der beiden Topfunktionäre hat diese auf einem mündlichen Vertrag basiert. Als Salär für ein Beratermandat bei der FIFA, das der Franzose zwischen 1999 und 2002 inne gehabt hatte. Die FIFA-Ankläger waren hingegen anderer Meinung.

Keine Bestechung, aber Geschenkannahme

Zwar wurde der Vorwurf der Bestechung und Korruption fallen gelassen, dafür beanstandete die Kommission bei beiden Spitzenfunktionären einen Interessenskonflikt sowie die Annahme und Gewährung von Geschenken und sonstigen Vorteilen. Außerdem hätten sowohl Blatter als auch Platini ihre Treuepflicht gegenüber der FIFA verletzt und gegen allgemeine Verhaltensregeln verstoßen.

In der Urteilsbegründung heißt es, dass im Vertrag, den Blatter und Platini am 25. August 1999 geschlossen haben, eine entsprechende Zahlung nirgends erwähnt sei und somit keine rechtliche Grundlage für diese Zahlung bestehe. "Weder in seinem schriftlichen Statement noch in der Anhörung hat Herr Blatter eine rechtliche Grundlage aufzeigen können." Die Darstellung einer mündlichen Abmachung mit Platini wies der Richter zurück.

Vielmehr wird Blatter in der Urteilsbegründung fehlende Loyalität zur FIFA und Amtsmissbrauch vorgeworfen. Der Walliser wird neben der Sperre auch mit einer Buße von 50.000 Franken (rund 46.430 Euro) belegt. Somit bleibt er vom FIFA-Kongress am 26. Februar ausgeschlossen. Blatter hatte gehofft, diesen Kongress, auf dem sein Nachfolger gewählt wird, zu leiten - und womöglich mit einer stehenden Ovation der Delegierten abzutreten.

Aus für Präsidententraum Platinis

Sportpolitisch brisanter ist die Sperre gegen Platini. Der Franzose, seit 2007 UEFA-Präsident, wird nun mit höchster Wahrscheinlichkeit nicht für das Amt des FIFA-Präsidenten kandidieren können. Seine Karriere als Funktionär ist zumindest jahrelang auf Eis gelegt. Auch Platini wird in der Urteilsbegründung fehlende Loyalität gegenüber der FIFA und Amtsmissbrauch - er war auch FIFA-Vizepräsident - vorgeworfen. Die Geldstrafe gegen ihn beträgt 80.000 Franken (rund 74.300 Euro).

Im Gegensatz zu Blatter war Platini vergangene Woche nicht zur Anhörung in Zürich erschienen. Seine Anwälte verfolgten die Taktik der Vorverurteilung durch die Medien sowie durch Aussagen von Mitgliedern der FIFA-Ethikkommission.

Platini galt lange Zeit als Favorit auf die Nachfolge Blatters. Dies dürfte nun hinfällig sein, zumal er auch noch den notwendigen Integritätscheck bestehen muss. Fraglich ist auch, ober überhaupt noch genügend Stimmen auf sich vereinigen könnte. Der englische Verband hatte bereits angekündigt, Platini nicht zu unterstützen. Die UEFA hat bereits Generalsekretär Gianni Infantino als Ersatzkandidaten aufgestellt. Auch der europäische Kontinentalverband muss sich nun einen neuen Chef suchen.

© APA/Martin Hirsch

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