Lange Gesichter bei den Grünen: Großer BZÖ-Vorsprung sorgt für großes Entsetzen

300 Sympathisanten bei Parteifeier in der Remise Parteispitze war bei der Hochrechnung nicht dabei

Lange Gesichter gab es bei der Grünen Wahlparty in der Wiener Remise bei der Veröffentlichung der ersten ORF-Hochrechnung. Nahm man das eigene Ergebnis noch mit Stille zur Kenntnis, waren bei der Bekanntgabe des BZÖ-Vorsprungs geradezu Schreie des Entsetzens zu vernehmen. Mit entsprechend getrübter Stimmung verfolgten die rund 300 Sympathisanten dann die weitere Berichterstattung auf zwei Video-Leinwänden in der Halle. Die Parteispitze hatte sich mit Ausnahme von Bundesgeschäftsführerin Michaela Sburny noch nicht blicken lassen.

"Scheiße, das gibts ja nicht", "Fuck" - mit derartigen Ausrufen äußerten einige Grünen-Anhänger ihre Empörung über das Wahlergebnis. Dabei regte offensichtlich zunächst weniger das eigene mäßige Abschneiden auf, als die Tatsache, dass man von den Orangen überholt wurde. Das SPÖ-Ergebnis wurde ohne offensichtliche Gefühlsregungen aufgenommen, lauter Applaus brandete bei der Verkündung der VP-Verluste auf.

Von der Parteispitze war vor 18:00 außer Sburny noch niemand anwesend. Die Bundesgeschäftsführerin musste sich in der Remise aufgrund eines eingegipsten Fußes in Folge eines Bänderrisses mit dem Rollstuhl fortbewegen.

Besorgt angesichts des Wahlergebnisses zeigte sich Noch-Abgeordneter Bruno Rossmann. Er muss als achtgereihter auf der Grünen Bundesliste um sein Mandat zittern. Fehler im Grünen Wahlkampf will er so wie Sburny keine erkennen. Auch sieht er "keinen Grund nun eine Nachfolgedebatte zu führen", meinte er nach möglichen personellen Konsequenzen gefragt.

Präsidiumssitz verloren
Den Grünen kommen ihre prestigeträchtigsten Posten abhanden, einer davon freilich erst in knapp fünf Jahren. Der Posten der Dritten Nationalratspräsidentin ist schon bald weg, bei der Konstituierung des Nationalrats wird Eva Glawischnig ihre Funktion wohl an einen Kandidaten der Freiheitlichen abgeben müssen. Favoriten sind Peter Fichtenbauer und Martin Graf. Den Usancen nach wählen die Großparteien für diesen Posten immer einen Bewerber der drittstärksten Partei.

Volksanwältin Terezija Stoisits wird sich allerdings bis 2013 im Amt halten können, sofern es bis dahin nicht zu einer vorgezogenen Neuwahl kommt und die Grünen dort wieder Platz drei erobern. Die Amtsperiode von Stoisits läuft relativ kurz vor der nächsten Wahl aus, womit die FPÖ das Recht hätte, einen Kandidaten zu entsenden.

(apa/red)