Landtagswahl Tirol 2013 von

Team ohne Stronach

Pleiten, Pech und Pannen auf der Tiroler Liste des Neo-Politikers

Das ehemalige Tiroler Team Stronach © Bild: NEWS.AT/Steinlechner

„Russland ist groß, der Zar ist weit“, diese geflügelten Worte lassen sich, im übertragenen Sinn auch auf das Team Stronach anwenden. Zwar ist das Team Stronach nicht groß, aber groß genug, damit Intrigen, Machtspiele und Verrat um sich greifen können, während der „Zar“ im fernen Kanada sitzt, all das nur am Rande mitbekommt und auf die Erzählungen seiner Günstlinge angewiesen ist. NEWS.AT sprach mit den Mitgliedern der ehemaligen Liste Stronachs in Tirol und fand das Sittenbild einer chaotischen Partei.

Sonja Ulmer, Erich Rettenegger, Hans Moser, Belinda Kraxner und Harald Schönherr dachten bis vergangenen Mittwoch, dass sie für das Team Stronach in Tirol kandidieren würden. „Dann sind wir aus allen Wolken gefallen“, erklärt Sonja Ulmer, die als Spitzenkandidatin für Tirol vorgesehen war.

Die Vorgänge die zur Absetzung dieser Liste und zur Kür einer anderen führten, sind für Außenstehende nicht ganz leicht zu verstehen. Immerhin ist der historisch einmalige Fall aufgetreten, dass für Frank Stronach gleich drei Listen in Tirol kandidieren wollten und die Landeswahlbehörde mit der einmaligen Situation konfrontiert war, zu entscheiden, welches Team Stronach das „echte“ ist.

Mehr als 900 Parteimitglieder

NEWS.AT sprach mit den Spitzenrepräsentanten derjenigen Liste, die in Tirol für Stronach eigentlich kandidieren hätte sollen. Einige aus dem Team waren seit Beginn, im Fall des Teams Stronach war das der August 2012, dabei. Bis Ende Jänner traten, nach Angaben des Teams, mehr als 900 Mitglieder bei und in allen Bezirken wurden entsprechende Strukturen aufgebaut. Alle Teammitglieder arbeiteten ehrenamtlich und traten auf Eigeninitiative bei. Lediglich Erich Rettenegger, früher Landeskoordinator der Grünen in Tirol, kam auf Wunsch des ehemaligen „General Managers“ von Stronachs Partei, dem ehemaligen Chef der „Westbahn“, Stefan Wehinger, auf die Liste.

Um etliche Gründungsmitglieder gab es Vorwürfe, dass sie von Rechtsaußen kämen. Nach langen Turbulenzen traten sechs Personen zurück. Einer von ihnen war Hans Moser, der dann auf der Liste Ulmer wieder auftauchte. Gegenüber NEWS.AT erklärt er das so: „Ich habe mich freiwillig zurückgezogen und wurde sogar von Wehinger darum gebeten, wieder mitzumachen.“ Ulmer selbst betont, dass niemand von ihnen zum rechten Lager gehöre. Sie selbst komme von einer Bürgerliste, Rettenegger von den Grünen, Moser und Schönherr seien ehemalige ÖVP-Mitglieder. Rettenegger ergänzt: „Wenn das die Gefahr von rechts ist, dann haben wir kein Problem!“ Man habe auf eine breite Aufstellung geachtet und eine Liste zusammengestellt, die in fast allen Tiroler Bezirken vertreten sei.

Ein „Kuckucksei“ der ÖVP?

Allerdings sind diese fünf nicht die einzigen handelnden Personen in der Provinzposse um das Team Stronach. Weitere Hauptdarsteller sind der Landesobmann Walter Jenewein und der Landesgeschäftsführer Hans-Peter Mayr. Die Brüder Jeneweins gelten als Agrar-Hardliner (die unrechtmäßige Übertragung von Gemeindegrund an die Agrarier ist eins der wichtigsten politische Themen in Tirol; Anm. d. Red.) und diese Positionierung galt in der Wiener Zentrale des Teams Stronach als problematisch. „Aus meiner Sicht ist Jenewein ein Kuckucksei“, spielt Moser auf die Haltung Jeneweins an, die der regierenden ÖVP nicht ganz ungelegen kommen dürfte.

Stronachs Vertrauenspersonen in Wien, die Generalbevollmächtigte Kathrin Nachbaur, Klubobmann Robert Lugar, der „General-Manager“ Stefan Wehinger und der damalige Kommunikationschef, der PR-Profi Rudolf Fußi, hielten diese Konstellation ebenfalls für ungeeignet. Jenewein wurde als Landesobmann abgesetzt und es wurde klargestellt, dass das Team um Ulmer zu den Landtagswahlen antreten soll.

Listeneinreichung vor Büroöffnung

Doch dann kam alles anders. Am Montag wurde (kurioserweise vor Öffnung des Bürgerservices, das für die Listeneinreichung zuständig ist; Anm. d. Red.) um 7:20 Uhr eine Liste für die Wahlen eingereicht. „Als wir selbst am Dienstagvormittag einreichten, sind wir aus allen Wolken gefallen“, erklärte Ulmer. Der Verdacht fiel auf Jenewein. Doch es stellte sich heraus, dass einer noch schneller gewesen war. Hans-Peter Mayr, der damalige Landesgeschäftsführer, hatte offenbar über das Wochenende Wind von der Sache bekommen und selbst im Eilverfahren eine Liste erstellt

„Man muss sich das so vorstellen: Die Runde um Mayr saß am Abend beim Wirten zusammen, da fragte eine Kellnerin im Scherz, ob nicht noch Quereinsteiger gesucht würden. So landete diese, ehe sie wusste was ihr geschieht, selbst auf der Liste“, erklärte Ulmer. „Viele wussten gar nicht, dass sie auf der falschen Liste standen. Mayr war ja Landesgeschäftsführer und man vertraute ihm. Inzwischen haben aber bis auf die Spitzenpositionen fast alle ihre Kandidatur zurückgezogen“, führt sie weiter aus. „Wie außerdem eine Liste schon vor der Öffnung des Bürgerforums abgegeben werden kann, ist mir ein Rätsel. Ein Schelm wer Böses dabei denkt“, ergänzt Moser.

Geld von der FPÖ?

Kurz darauf zog Jenewein nach und brachte selbst eine Liste ein. Das Chaos war perfekt und Stronach hatte nicht eine sondern gleich drei Listen am Start. In Wien nahm man diesen unfreundlichen Akt alles andere als gelassen hin. „Es war geplant die Landtagswahl abzublasen und über eine Wahlanfechtung nachzudenken, Mayr hätte als weisungsgebundener Landesgeschäftsführer mit einer Zivilklage rechnen müssen und wir wollten uns auf die Nationalratswahl vorbereiten“, erklärt Ulmer.

„Wie in der Piefkesaga“

Doch dann kam der vergangene Mittwoch. Stronach hatte angekündigt, „mit den Tirolern tirolerisch“ sprechen zu wollen. Die verschiedenen Teams trafen sich mit Stronach und ursprünglich versicherte dieser noch, dass es für ihn kein Team Mayr geben werde.

Jenewein hatte sich jedoch, laut Ulmer, nicht daran gehalten das Treffen nicht publik zu machen. „Als wir aus der Besprechung kamen fing die Musik an. Schuhplattler und ein Kinderchor empfingen Stronach“, erklärt Ulmer. „Ich bin mir vorgekommen wie in der Piefkesaga“, ergänzt Moser. Ein kurioses Detail dazu: Moser selbst und Mayrs Onkel wirkten einst beide als Schützen in der legendären TV-Serie mit.

Intrige im Team Stronach?

„Das hat Stronach sehr gefallen“, meint Ulmer. Alle sind sich einig, dass der Neo-Politiker beeinflussbar sei. Offenbar sei in Wien massiv für Mayrs Liste lobbyiert worden, da das Chaos in Tirol wohl den willkommenen Anlass für eine Intrige der Bundespartei bot. Stronachs Agrarsprecher, Leo Steinbichler, hatte massiv an Einfluss gewonnen. Gemeinsam mit Waltraud Dietrich, die von der FPÖ zu Stronach kam, hätte man Stronach bearbeitet, doch das Team um Mayr zu unterstützen. Die Teammitglieder um Ulmer sind überzeugt davon, dass das wenig mit Tirol zu tun hatte sondern, dass man Wehinger ablösen wollte um selbst an Macht zu gewinnen.

Franks Glücksritter

Eine Strategie, die anscheidend aufging. Denn Stronach entschied nun doch die Liste zu unterstützen, „die ihn hintergangen und verraten hat“, wie Moser erklärte. Wehinger, Fußi und Lugar, die sich öffentlich für die Liste um Ulmer stark gemacht hatten, waren vor den Kopf gestoßen und in der Öffentlichkeit lächerlich gemacht. Wehinger nahm seinen Hut und Fußi zog sich als Kommunikationsleiter zurück.

Die neuen starken Leute im Team Stronach sind, laut Angaben des Ulmer-Teams, Steinbichler und Waltraud Dietrich, die laut Ulmer und Moser, nun die neue „General Managerin“ ist. „Wer im Team Stronach gerade den Ton angibt, ändert sich alle paar Wochen“, erklärte Ulmer.

Auch für die aktuellen Führungspersönlichkeiten gibt es keine Garantie, dass sie diese Position halten können. Denn Stroanch ist selten da und in seiner Abwesenheit scheinen die Intrigen zu blühen. Die Teammitglieder sind sich einig, dass das Team Stronach viele Glücksritter anzieht. Personen die nur ihren eigenen Vorteil sehen und hoffen, dass sich ihr Engagement finanziell lohnt. Als Beispiel nennen sie den früheren Radio-„Welle 1“-Mann und jetzigen Spitzenkandidaten in Innsbruck, Martin Veith. „Der hat am Vormittag noch Stronach interviewt und am Nachmittag schon kandidiert. Er kam aus der Sitzung und hat gleich sein Mikrophon aufgedreht“, erklärt Ulmer. Moser ergänzt: „Die anwesenden APA-Journalisten haben nur mehr den Kopf geschüttelt.“ Generell sei vor allem von Jenewein jedes Amt gleich mehrfach versprochen worden. „Es gibt in Tirol wohl inzwischen 15 designierte Nationalräte des Teams Stronach. Als jemand der immer nur ehrenamtlich gearbeitet hat, fühlt man sich bei diesen Vorgängen verarscht“, so Moser.

Martin Veith selbst teilte NEWS.AT in einer Stellungnahme mit, dass er beim Radio als Moderator tätig sei und sich "aus sämtlichen politischen Entscheidungen heraushalte". Deshalb sei die Kandidatur mit seinem Beruf vereinbar. Er hätte tatsächlich nach der Sitzung Stronach auch interviewt, geschnitten hätte das Interview aber die Redaktion. Die Spitzenkandidatur sei zu diesem Zeitpunkt bereits seit Wochen fixiert gewesen.

Partei ohne Mitglieder

Schließlich fiel die Entscheidung, dass Mayrs Liste nun doch kandidiert. Die Teammitglieder um Ulmer zogen sich daraufhin zurück. Jenewein übernahm wieder seine Rolle als Obmann des Aufsichtsrates und Mayr darf, von Stronachs Gnaden, kandidieren. Ob aber vom Team Stronach Tirol viel übrig bleiben wird, ist sehr fraglich. „820 Mitglieder werden austreten“, kündigt Ulmer an. „Viele stehen auf Bezirkslisten, doch können sich mit den jetzt handelnden Personen nicht mehr identifizieren. Sie können ihre Unterschrift nicht zurückziehen, aber sie stehen nicht mehr zur Verfügung.“ „Das Team Stronach ist jetzt ein Geisterhaus“, ergänzt Moser. Etwa 90 Prozent der Teammitglieder sind weg. „Dabei waren wir die mitgliederstärkste Landesorganisation“, meint Rettenegger.

Chaos droht

Über Stronach selbst klingt Enttäuschung durch bei den Verschmähten. „Hinter den Werten stehen wir immer noch“, meint Ulmer. „Aber mit den handelnden Personen und damit, wie diese Dinge gehandhabt werden, haben wir ein Problem.“ Ein Problem hat möglicherweise auch das Team Stronach, denn auch eine Wahlanfechtung wäre denkbar. Die Erfolgschancen werden von Experten sehr unterschiedlich bewertet, doch über den Tiroler Landtagswahlen schwebt das Damoklesschwert einer Wahlanfechtung. „Es gäbe jemanden, der würde das bezahlen“, deutet Moser an, dass darüber nachgedacht wird.

Das größere Problem hat aber das Team Stronach ohnehin bundesweit: „Wenn dieses Chaos so weiter geht und man auch in den anderen Landesverbänden Probleme bekommt, weil es keine klaren Entscheidungsstrukturen gibt und über Nacht alles anders sein kann, dann gute Nacht“, meint Ulmer. Ein Befürchtung, die wohl auch Stronach selbst zu denken geben sollte: Denn das Potential für Intrigen ist in Österreich groß und der Zar ist fern.

Kommentare

Ich wähl die Piraten. Da wird wirklich die Basis befragt und ned die schwarz-rot-blau-grün-Mafia oder der Onkel aus Übersee.

Abgehalfterte (zuerst FPÖ, dann einfach Jörg, später BZÖ und zu guter Letzt FPK usw.) Glücksritter wollen nur eins > "auf Kosten der Allgemeinheit an den Futtertrögen zu bleiben" Das muss man sich vorstellen! > Parteiprogramm ist nur Steuerflüchtling Stronach.........UNFASSBAR!!!!

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