Landesfürst muss bis zum Schluss zittern:
Niessl greift abermals nach der "Absoluten"

Wahltag war für Niessl ein Wellental der Gefühle Ex-Fußballer legt im Burgenland Blitzkarriere hin

Die Last, einen vorprogrammierten Wahlsieg einzufahren, war Landeshauptmann Hans Niessl anzumerken. Die burgenländische Landtagswahl wurde für den SPÖ-Landesvorsitzenden und seine Parteifreunde zur Zitterpartie. Schien die absolute Mehrheit zunächst verloren, keimte im Lauf des Abends mit dem Eintreffen weiterer Ergebnisse wieder Hoffnung auf, es zumindest in Mandaten doch wieder zu schaffen. Möglicherweise muss der 58-Jährige, der vor fünf Jahren die Sozialdemokraten zum Wahlerfolg führte, noch den Mittwoch abwarten, bis Klarheit herrscht, ob es für die SPÖ im Burgenland auch die nächsten fünf Jahre "klare Verhältnisse" gibt.

Landesfürst muss bis zum Schluss zittern:
Niessl greift abermals nach der "Absoluten" © Bild: APA

Am 30. Mai blickte das politische Österreich zumindest für einige Stunden lang Richtung Neusiedlersee. Hans Niessl trat an, um bei der Landtagswahl die 2005 wiedergewonnene absolute Mehrheit zu verteidigen. 50 Prozent plus war das optimistische Wahlziel, gesetzt wurde auf einen als populistisch geschmähten Sicherheitswahlkampf und auf eine Vorzugsstimmen-Kampagne für Niessl persönlich. Schließlich war er quasi dazu verdammt, der Bundespartei den langersehnten Rückenwind zu verschaffen. Gelungen ist das nur bedingt, immerhin musste die SPÖ stärkere Stimmenverluste verzeichnen als die ÖVP, das Ergebnis mit knapp 50 Prozent ist trotzdem beachtlich.

Niessl kam am 12. Juni 1951 in Zurndorf im Bezirk Neusiedl am See zur Welt. Nach dem Schulbesuch in Eisenstadt sowie in Wien, wo er die HTL-Matura ablegte und die Pädagogische Akademie besuchte, unterrichtete er ab 1974 als Hauptschullehrer in Frauenkirchen. In der Seewinkelgemeinde war er ab 1981 bis 1996 zunächst Volks- und danach Hauptschuldirektor.

Blitzkarriere für den Ex-Lehrer
1984 kam Niessl in den Gemeinderat. Drei Jahre später wurde er ins Bürgermeisteramt gewählt, das er bis zu seiner Wahl zum Landeshauptmann innehatte. 1996 zog Niessl dank der Vorzugsstimmen in den Landtag ein und legte unverhofft eine Blitzkarriere hin: 1999 wurde er Klubobmann, ein Jahr später kürte ihn der Parteivorstand zum Spitzenkandidaten für die in Folge des Bank Burgenland-Kreditdebakels vorverlegte Landtagswahl im Dezember 2000. Im Herbst desselben Jahres übernahm Niessl auch den Parteivorsitz.

Nach einem Kraftakt im Wahlkampf gelang es ihm, beim Urnengang für die SPÖ den Landeshauptmannsessel zu behaupten. Der Nachfolger von Karl Stix propagierte im Landtag ein "freies Spiel der Kräfte", bei dem die Sozialdemokraten mit wechselnden Mehrheiten ihre Vorhaben umzusetzen versuchten. Am Ende eines erneut vom Bankenthema geprägten Wahlkampfes gelang es Niessl beim Urnengang im Oktober 2005, die 1987 am Ende der Ära Kery verlorene absolute Mehrheit der SPÖ wieder zu erobern.

Im Dauer-Clinch mit der ÖVP
Die politische Auseinandersetzung mit dem Proporz-Regierungspartner ÖVP nahm seither an Schärfe zu. Nach Differenzen mit der Volkspartei in der Frage der Proporz-Abschaffung und anhaltenden Streitigkeiten entschied sich Niessl schließlich im vergangenen Dezember für eine Vorverlegung der Landtagswahl.

Im Wahlkampf kreuzte der Landeshauptmann mit Innenministerin Maria Fekter (V) rund um das von ihr in Eberau vorgesehene Asyl-Erstaufnahmezentrum mehrfach heftig die Klingen. Auch mit seiner Forderung, den Bundesheer-Assistenzeinsatz dauerhaft zu verlängern, sorgte Burgenlands Landeshauptmann bundespolitisch für Konfliktstoff.

Niessl, der Populist
Wegen seines Kurses in Asyl- und Sicherheitsfragen, wo die SPÖ sich zum Teil einen Wettlauf mit den Freiheitlichen lieferte, warfen Niessls Kritiker dem Landeshauptmann Populismus vor. Etwa bei der Forderung nach 300 zusätzlichen Polizisten, obwohl im Burgenland auf 160 Einwohner ein Beamter kommt und das Land an der Gesamtkriminalität in Österreich einen Anteil von nur 1,5 Prozent hat. Heftige Kritik setzte es auch wegen des neuen Vorzugsstimmenwahlrechts, das damit beworben wurde, die Burgenländer könnten den Landeshauptmann mit Vorzugsstimme "direkt" wählen. Eine Landeshauptmann-Direktwahl schließt jedoch die Verfassung derzeit aus.

Niessl ist verheiratet und Vater eines Sohnes. Abseits von der Politik gilt seine Leidenschaft vor allem dem Fußball, war er doch früher selbst als Mittelfeldspieler in der Regionalliga aktiv. Der geprüfte Trainer ist bekennender Austria Wien-Fan. Sowohl seinen aktiven als auch passiven sportlichen Aktivitäten hat in den vergangenen Monaten jedoch öfters der Terminkalender einen Strich durch die Rechnung gemacht. Soweit es der Zeitplan zulässt, betätigt sich der Landeshauptmann beim Laufen und Radfahren.

(apa/red)