Lance Armstrong 2009 wieder im Sattel:
Toursieg ist laut Sprecher angepeiltes Ziel

Team für die kommende Tour steht noch nicht fest Comeback soll Bewusstsein für Krebs zu verstärken

Lance Armstrong 2009 wieder im Sattel:
Toursieg ist laut Sprecher angepeiltes Ziel

Drei Jahre nach seinem Rücktritt hat US-Radstar Lance Armstrong überraschend sein Comeback verkündet und erklärt, die Tour de France im kommenden Jahr zum achten Mal gewinnen zu wollen. Mit welchem Team der 36-jährige Tour-Triumphator der Jahre 1999 bis 2005 das bewerkstelligen will, blieb vorerst offen. Armstrong wird Details und die Mannschaft, mit der er antreten will, am 24. September in New York bekanntgeben.

Die logischste Variante, das Astana-Team unter Leitung seines langjährigen Wegbegleiters Johan Bruyneel, dementierte, mit Armstrong in Kontakt gestanden zu sein. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich ein Team leite, das gegen Armstrong antreten muss", meinte Bruyneel. "In den nächsten Tagen müssen wir offensichtlich viel besprechen", sagte der Belgier.

Alberto Contador, der Tour-Sieger von 2007 und Giro-Champion von 2008, wäre jedenfalls glücklich über solch einen neuen Teamgefährten. "Ich würde ihm sofort die Tür bei Astana öffnen. Ein Fahrer wie er hat nirgendwo anders seinen Platz als bei uns. Ich habe ihn immer bewundert und würde sehr gernd neben ihm fahren", sagte der Spanier am Mittwoch. Der kasachische Rennstall war heuer bei der Tour wegen seiner Dopingvergangenheit nicht willkommen gewesen. Eine weitere Variante für Armstrong wäre das finanzkräftige neue russische Team Katjuscha.

Prudhomme will Armstrong wie jeden anderen behandeln
Tour-Direktor Christian Prudhomme meinte, Armstrong sei willkommen, wenn er wie alle anderen Fahrer die Regeln und insbesondere die Anti-Doping-Bestimmungen einhalte. "Er wird behandelt wie jeder andere Profi auch. Und unsere Regeln sind strikter als je zuvor", sagte Prudhomme. Armstrong wurde nie positiv getestet, war aber wegen seiner Dominanz stets mit Doping-Verdächtigungen konfrontiert.

Gerüchte über medizinische Ausnahmegenehmigungen aufgrund seiner Krankheit, die dem US-Amerikaner die Einnahme von verbotenen Mitteln erlauben, eine nachträglich positiv ausgefallene Dopingprobe aus dem Jahr 1999 und Doping-Beichten und -Sperren einiger Weggefährten komplettieren das Bild. Ob das Comeback dem derzeit um Glaubwürdigkeit kämpfenden Radsport tatsächlich ein besseres Image verleiht, darf bezweifelt werden.

Comeback um Bewusstsein für Krebs zu verstärken
Armstrong sagte dem Magazin "Vanity Fair" in einem Interview, das auf der Website des Blattes verbreitet wurde, die Motivation für ein Comeback habe er im vergangenen Monat durch einen zweiten Platz beim Leadville 100, einem Mountainbike-Rennen über 100 Meilen (160 km) durch die Berge von Colorado, bekommen. "Dieses Radrennen hat meinen Motor wieder in Schwung gebracht. Ich werde versuchen, die Tour de France ein achtes Mal zu gewinnen."

In einer Videobotschaft auf der Website seiner Stiftung erklärte Armstrong, er habe sich entschieden, den Profiradsport wiederaufzunehmen, um das Bewusstsein für die weltweiten Belastungen durch Krebs zu verstärken "Allein in diesem Jahr sterben acht Millionen Menschen weltweit an Krebs. Es wird Zeit, Krebs auf globaler Ebene anzugehen."

Dass Armstrong zuvor für unmöglich Gehaltenes vollbringen kann, hat der US-Amerikaner vielfach bewiesen. Nach dem Weltmeistertitel 1993 und überstandener Krebserkrankung 1996 gewann er das wichtigste Radrennen der Welt siebenmal infolge. Ob Armstrong, der am 18. September 37 wird, gegen die deutlich jüngere Konkurrenz, angeführt vom vorjährigen Toursieger und möglichen Teamkollegen Alberto Contador (ESP/Astana), den Brüdern Andy und Fränk Schleck (LUX/CSC) und Österreichs Hoffnung Bernhard Kohl (Silence-Lotto), nach dreijähriger Abwesenheit bestehen kann, bleibt abzuwarten.

"Man kann nur verlieren"
"Drei Jahre ohne Wettkampf, das wird nicht einfach für ihn", wurde der diesjährige Tour-Sieger Carlos Sastre zitiert. "Ein weiteres Mal die Tour zu gewinnen wird schwer, aber mit ihm und Contador hätte Astana eine tolle Mannschaft", meinte der Spanier Alejandro Valverde. "Wenn man schon so viele Rennen in seiner Karriere gewonnen hat wie er, dann kann man nur verlieren", meinte Bjarne Riis, der Tour-Sieger von 1996.

Unterdessen hat die deutsche ARD den Beschluss über die zukünftige Berichterstattung von der Tour de France verschoben. Der ARD-Vorsitzende Fritz Raff sagte am Mittwoch in Köln im Anschluss an eine zweitägige Versammlung der ARD-Intendanten in Brüssel, eine Entscheidung werde innerhalb der nächsten Wochen getroffen. Im vergangenen Jahr hatten ARD und ZDF die Live-Berichterstattung von der Tour nach aufsehenerregenden Dopingfällen gestoppt. In diesem Jahr versuchten die Tour-Organisatoren einen Neuanfang, doch es gab wieder prominente Dopingfälle.
(apa/red)