Italien von

Flüchtlingsunglück vor Lampedusa

Boot mit hunderten Menschen gesunken. "Es ist die Hölle", berichtete ein Retter.

Bootsflüchtlinge in Italien © Bild: APA/ANSA

Bei einem neuen Flüchtlingsunglück 100 Seemeilen südlich der Insel Lampedusa sind am Montag nach vorläufigen Angaben 14 Migranten ums Leben gekommen, hunderte Menschen werden vermisst. Das Boot war auf dem Weg von Nordafrika in Richtung Europa, als sich das Unglück ereignete. Rund 240 Menschen konnten nach dem Unglück von Schiffen der italienischen Marine zunächst in Sicherheit gebracht werden. "Es ist die Hölle", berichtete ein Retter.

400 Menschen befanden sich insgesamt an Bord. Über die Herkunft der Migranten wurde zunächst nichts bekannt. Zahlreiche Boote und Hubschrauber waren am Unglücksort im Einsatz. "Es war die Hölle", berichtete ein Retter. Mehrere Schiffe der italienischen Marine und der Küstenwache waren im Einsatz, um Hilfe zu leisten.

Die italienische Außenministerin Federica Mogherini erklärte sich über die neue Flüchtlingstragödie erschüttert und appellierte an die EU, Italien bei der Bewältigung des Migrantennotstands aktiv zu unterstützen. Italien werde im Rahmen des Semesters seiner EU-Präsidentschaft das Thema der Migration in den Vordergrund stellen. Italien könne nicht allein die Last des Flüchtlingsnotstands tragen, kommentierte die Außenministerin.

Flüchtlingsunglück im Mittelmeer Lampedusa
© APA/Martin Hirsch

Italiens Justizminister Andrea Orlando reichte der UNO in Wien eine Resolution zur Bekämpfung der Schlepperorganisationen ein. Er klagte über ein "Kooperationsdefizit" auf europäischer Ebene bei der Bekämpfung des Menschenhandels. Italiens Linkspartei SEL forderte den Rücktritt von Innenminister Angelino Alfano und meinte, die illegale Einwanderung könne nicht ausschließlich mit repressiven Maßnahmen bekämpft werden. Dieses Vorgehen verstärke nur die Macht der Schlepper.

EU-Innenkommissarin "tief schockiert"

EU-Innenkommissarin Cecilia Malmström zeigte sich "tief schockiert" von der erneuten Katastrophe vor der Haustür der Europäischen Union. "Es ist die eindeutige Verantwortung aller Mitgliedstaaten der Europäischen Union, jetzt konkrete Solidarität zu zeigen, um die Wiederholung solcher Tragödien zu vermeiden", erklärte die Schwedin in Brüssel. Sie forderte die Umsetzung eines Aktionsplans, den die EU nach der Flüchtlingstragödie vor Lampedusa Anfang Oktober aufgestellt hatte. Malmström kündigte zudem an, das Thema auf die Tagesordnung des nächsten EU-Innenministertreffens im Juni zu setzen.

Die Bürgermeisterin der Insel Lampedusa, Giusy Nicolini, appellierte an die Regierung in Rom, für ein sofortiges Ende der Massenabfahrten von Flüchtlingen aus Nordafrika Druck auf die EU zu machen. "Die Meerespatrouillierung ist keine Lösung für die Flüchtlingstragödien. Man muss die Abfahrt der Flüchtlinge verhindern, ansonsten werden sich diese Dramen im Meer immer aufs Neue wiederholen", so Nicolini.

In den vergangenen Tagen waren erneut Tausende Migranten an den Küsten Italiens angekommen. Sie nutzten das gute Wetter für die gefährliche Überfahrt über das Mittelmeer. Allein in der vergangenen Woche waren es laut Marine mehr als 4.300 Menschen. Italien hat seit den beiden Schiffsunglücken mit mehr als 360 toten Flüchtlingen vor Lampedusa im vergangenen Oktober mit der Aktion "Mare Nostrum" die Überwachung des Mittelmeers verschärft.

Kommentare