Lahme TV-Debatte vor deutschen Wahlen:
Duell Merkel-Steinmeier ohne harte Attacken

Einigkeit bei Opel - Gespalten aber bei der Atomkraft Einzige Konfrontation gilt als Wahlkampf-Höhepunkt

Lahme TV-Debatte vor deutschen Wahlen:
Duell Merkel-Steinmeier ohne harte Attacken © Bild: APA/ARD

Das einzige Fernsehduell der deutschen Kanzlerin Merkel und Vizekanzler Steinmeier verlief weniger angriffig als erwartet. Die Spitzenkandidaten der beiden großen Parteien verzichteten zunächst auf gegenseitige persönliche Attacken. Beide lobten die Arbeit der Großen Koalition in den vergangenen vier Jahren. Die weitgehend harmonisch verlaufende Debatte wurde von den Sehern mit Desinteresse quittiert: Das Fernsehduell wurde von nur 14,18 Millionen Zuschauern angesehen - weit weniger als erwartet.

Vor vier Jahren hatte das Duell zwischen Merkel und Gerhard Schröder noch 20,98 Millionen Menschen vor die Fernsehapparate gelockt.

Die CDU-Vorsitzende Merkel lobte eingangs die Erfolge der Großen Koalition. "Die Große Koalition hat gute Arbeit gemacht", sagte sie. In der derzeitigen Krise müsse aber "eine entschiedene Politik für mehr Arbeit" gemacht werden. Deswegen sei mehr Union in der Regierung notwendig.

Von der FDP hagelte es nach der Debatte Kritik: "Das ganze sogenannte Duell war auf Weiter-so", sagte Generalsekretär Dirk Niebel. "Keiner hat gewonnen, es gibt nur einen Verlierer, der heißt Deutschland."

Niebel beklagte, dass sich Kanzlerin Merkel nicht eindeutig zu einem Bündnis mit der FDP bekannt habe. Bei der Union (CDU/CSU) könne man sich als Wähler nicht sicher sein, wofür die Stimme gebraucht werde. Seine Kritik bezog Niebel aber auch auf die vier Sender, die das Duell am Sonntagabend ausgerichtet hatten. Die Opposition hätte davon nicht ausgeschlossen werden dürfen, meinte der FDP-Politiker. "Hier war ein Selbstgespräch der Regierung zu sehen."

Wirtschaftskrise bestimmendes Thema
Die Wirtschaftskrise war ein zentrales Thema des mit Spannung erwarteten TV-Duells zwischen der deutschen CDU-Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihrem SPD-Herausforderer, Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier zwei Wochen vor der Bundestagswahl. Merkel unterstrich am Sonntagabend: "Wir brauchen Regeln für die internationalen Finanzmärkte." Es müsse zudem einen "Export der sozialen Marktwirtschaft" mit ihren Grundauffassungen geben. Steinmeier sprach von einer "Krise in den Köpfen", die noch dramatischer als die akuten wirtschaftlichen Probleme sei. "Eine Wirtschaft ohne eine ethische Grundlage kann nicht bestehen", betonte Steinmeier.

CDU und SPD sehen rosige Opel-Zukunft
Beide Kontrahenten sehen die Zukunft von Opel optimistisch. "Hier ist einem Unternehmen, das tolle Autos baut, eine Chance gegeben worden", sagte Merkel im Fernsehduell. Steinmeier erklärte, er sei zuversichtlich. Die vier deutschen Standorte blieben erhalten und die meisten Arbeitsplätze auch. Merkel sagte, die Staatsgelder für Opel seien Kredite und Bürgschaften, von denen man annehme, dass die Ausfallwahrscheinlichkeit gering sei. Zugleich kritisierte sie den Vertreter der Bundesregierung im Treuhand-Beirat bei Opel für sein Nein zum Verkauf an die Magna-Gruppe. Dieser Experte habe seine Aufgabe falsch verstanden. Der Treuhänder hätte die Meinung der Regierung vertreten sollen.

Duell vor allem bei Unschlüssigen entscheidend
Ob das Fernsehduell am Ende die Wahl am 27. September entscheiden kann, ist umstritten. Als sicher gilt jedoch, dass ein gelungener Auftritt vor allem unentschiedene Wähler beeinflusst. Und davon gibt es zwei Wochen vor der Wahl noch viele. In einer Forsa-Umfrage für "Stern" und RTL gaben vergangene Woche 56 Prozent der Zuschauer an, das Duell habe zumindest einen gewissen Einfluss auf ihre Wahlentscheidung. Elf Prozent maßen der Sendung große, zwei Prozent sogar sehr große Bedeutung zu.
(apa/red)