Labour-Parteitag in Manchester: Brown würdigt Blair als "erfolgreichsten" Premier

Blair erhebt Anspruch auf Premier Blairs Ämter Nachfolger wirft Konservativen Fehdehandschuh hin

Mit einer Grundsatzrede hat der britische Finanzminister Brown seine Ansprüche auf die Nachfolge von Partei- und Regierungschef Blair angemeldet. Auch unter seiner Führung werde die Labour Party ihren Reformkurs beibehalten, sich an der politischen Mitte orientieren und als "New Labour" eine moderne Linke verkörpern, sagte Brown vor dem Parteitag in Manchester.

Die Rede Browns wurde mit stürmischem Beifall bedacht. Auch Blair klatschte dem Parteifreund zu, der seit Jahren als sein Rivale und aussichtsreichster Nachfolger im Amt gilt. Blair hat vor kurzem zugesichert, binnen eines Jahres zurückzutreten. Die nächste Parlamentswahl findet voraussichtlich 2009 statt.

"Ich bin überzeugt, dass meine Erfahrung und meine Werte mir die nötige Stärke geben, harte Entscheidungen zu treffen", sagte Brown. In kämpferischem Ton warf der 55-jährige Schotte zugleich Oppositionschef David Cameron den Fehdehandschuh hin und sagte: "Mit größter Freude würde ich die Gelegenheit ergreifen, gegen David Cameron und die Konservative Partei anzutreten." Die Labour Party liegt in den Umfragen seit Wochen hinter den Konservativen.

Während Brown die Bildungspolitik zu einem seiner zentralen Bereiche erklärte, machte er zugleich dem linken Flügel in der Partei wenig Hoffnung darauf, die scharf kritisierte Sicherheitspolitik zu revidieren. "Wir werden alle nötigen Schritte und Anstrengungen unternehmen, um im Irak, in Afghanistan oder wo auch immer sicher zu stellen, dass es keinen sicheren Unterschlupf für Terroristen gibt." Blair habe völlig richtig erkannt, sagte Brown, dass "die Welt sich nach dem 11. September geändert hat und dass niemand im Kampf gegen den Terrorismus neutral sein kann".

Cherie Blair bezichtigt Brown der Lüge
Die Frau des britischen Premierministers, Cherie Blair, soll Brown der Lüge bezichtigt haben. Die Bemerkung soll nach britischen Presseberichten während der Grundsatzrede Browns gefallen sein.

Demnach will eine Journalistin der Finanz-Nachrichtenagentur Bloomberg mitbekommen haben, wie Cherie Blair zu Browns Bemerkung, es sei für ihn eine "Ehre" gewesen, mit Blair zusammenzuarbeiten, sagte: "Das ist eine Lüge." In der Downing Street wurde dies dementiert. Der Bericht sorgte in Großbritannien für Aufregung, weil das Verhältnis zwischen Blair und Brown seit einiger Zeit erheblich abgekühlt ist.

(apa/red)